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Stadt Wolfsburg Frauen im Handwerk: Sarah Hanstein ist eine Ausnahme
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Frauen im Handwerk: Sarah Hanstein ist eine Ausnahme
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00:01 09.12.2017
Ungewöhnliche Konstellation: Mit Sarah Hanstein (l.) und Saskia Fischer (Mitte) beschäftigt Tischlermeister Geert van Munster gleich zwei Frauen in seinem Handwerksbetrieb. Quelle: Britta Schulze
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Vorsfelde

Sieben zu Eins für die Männer? Nur zwei von 14 Auszubildenden in Wolfsburger Tischlereien sind weiblich. Eine der beiden ist Sarah Hanstein, die seit diesem Jahr in dem Vorsfelder Betrieb HvM arbeitet.

„Ich habe als Kind schon immer gerne mit meinem Vater und Opa kleine Schiffchen und so gebaut“, erzählt die 17-Jährige. „Und in der Schule hat mir der Werkunterricht immer viel Spaß gemacht.“ Für Geert van Munster ein Glücksfall. Er suche seine Auszubildenden nach Kompetenz und nicht nach Geschlecht aus, so der Inhaber der Tischlerei. „Und bei vielen Aufträgen sind Frauen tatsächlich besser geeignet – zum Beispiel, wenn die Kunden Senioren sind.“ Auch manche ängstliche Frau habe lieber eine Tischlerin in der Wohnung als deren männlichen Kollegen. Dann schickt Munster seine Mitarbeiterinnen los – auch die Tischlergesellin Saskia Fischer, die seit 14 Jahren dabei ist.

„In der Ausbildung waren wir sogar mehrere Frauen“, so Fischer. „Aber viele Frauen fassen nie Fuß im Beruf. Da stößt man auf Vorurteile: ,Die kann nicht schwer heben’ oder ,die könnte ja schwanger werden’.“

Dass Frauen im Schnitt physisch nicht so stark sind wie Männer, ist für Munster aber kein Argument: „Hier sind immer genug Mitarbeiter, da hilft man sich gegenseitig beim Tragen. Im Stahlbau wäre das anders, da ist die körperliche Arbeit so hart, dass es dort immer ,Männerberufe’ geben wird.“

Die Kunden seien übrigens sehr zufrieden mit den beiden Tischlerinnen. „Nur am Anfang sind sie manchmal überrascht“, lacht Fischer. „Einmal wollte uns jemand nicht reinlassen, weil er uns nicht geglaubt hat, dass wir von der Tischlerei sind.“

Was ist ein „Männerberuf“?

ein Kommentar von Frederike Müller:

Männerberuf, Frauenberuf, was ist das eigentlich? Die meisten Unterschiede zwischen Mann und Frau sind anerzogen statt angeboren, zeigen Studien. Außerdem leben wir in einer Dienstleistungsgesellschaft, in der Maschinen und Roboter viele schweren Arbeiten unterstützen oder schon ganz übernommen haben. Die physische Unterlegenheit der Frau kann also auch kein Argument mehr sein. „Sogenannte Männer- und Frauenberufe sind in den Köpfen verhaftet – aber mit geschlechtsspezifischen Fähigkeiten hat das nichts zu tun“, so Bettina Klim, Leiterin der niedersächsischen Koordinationsstelle Frau und Wirtschaft. Trotzdem halten wir daran fest, das sieht man spätestens beim Blick in die Spielzeugabteilungen: Plastikwerkzeug für Jungen, Modellküchen für Mädchen – immer noch. Und solange weniger als zehn Prozent der Auszubildenden in deutschen Tischlereien weiblich sind, fehlen auch erwachsene Vorbilder – ein Rollenbild im Teufelskreis. Mädels, lasst euch nichts vorschreiben. Wenn ihr Bock auf Werken habt: Bewerbt euch!

Von Frederike Müller

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