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Stadt Wolfsburg Fotofalle zeigt Wolf: Für Experten kein Beweis
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Fotofalle zeigt Wolf: Für Experten kein Beweis
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11:24 27.04.2016
„Das Bild ist sehr deutlich und scharf“: Wolfsburgs Wolfsberater Ralf Hentschel geht davon aus, dass ein Wolf durch den Hehlinger Wald streifte. Quelle: Photowerk (he)
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Rein formal müsste das Wolfsbüro des Landesbetriebs NLWKN den Wolf amtlich bestätigen, der am 14. April um 0.57 Uhr im Wald bei Hehlingen in die Fotofalle tappte und mit Infrarot „geblitzt“ wurde. Das tut es aber nicht. Pressesprecher Achim Stolz teilte auf WAZ-Anfrage mit: Aufgrund der „mangelnden Qualität“ des Bildes „können wir nicht von einem gesicherten Nachweis eines Wolfes sprechen.“

Vor Ort dürfte die Aussage auf Verwunderung stoßen. Noch kurz zuvor hatte der Wolfsburger Wolfsbeauftragte Ralf Hentschel der WAZ gesagt: „Das Bild aus der Fotofalle ist schon sehr deutlich, sehr scharf.“ Nach dem Blick auf das Foto machte er nur eine Einschränkung: „Ich persönlich kann nicht sicher sagen, wo es entstanden ist. Aber dass es tatsächlich einen Wolf zeigt, ist mehr als wahrscheinlich.“

Das sah der Wolfsbeauftragte der Revierförsterei Barnbruch Joachim Remitz nicht anders, der das Bild nach Hannover schickte: „Offiziell darf ich mir kein Urteil erlauben, und natürlich gibt es immer Zweifel. Aber mir erscheint das schon eher wahrscheinlich.“

Auch die Stadt hatte womöglich auf eine andere Expertise des Landes gehofft. So ein Foto als Bestätigung sei natürlich „hilfreich“, sagte Sprecherin Elke Wichmann der WAZ - vor der Antwort aus Hannover.

WAZ-TALK: "Beweis wäre schön"

WAZ-Redakteur Ulrich Franke hat bei Wolfsberater Ralf Hentschel nachgefragt:

WAZ: Wäre es eine Sensation, wenn sich die Wolfs-Sichtung bei Hehlingen doch noch bestätigt?
Hentschel: Eine Sensation würde ich es nicht nennen – die Wahrscheinlichkeit, dass eins der Tiere hier auftaucht, war ohnehin groß. Aber es wäre schön, endlich den Beweis zu haben, dass wirklich ein Wolf in Wolfsburg war.

WAZ: Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Wolf oder ein Rudel tatsächlich in Wolfsburg ansiedeln?
Hentschel: Wohl eher unter 50 Prozent. Hier sind Naherholungsgebiete, hier gehen viele Menschen in den Wäldern spazieren. Und noch hat sich der Wolf seine Scheu vor dem Menschen bewahrt.

WAZ: Diese Scheu ist sicherlich für beide Seiten das Beste – immerhin handelt es sich ja um ein Raubtier.
Hentschel: Eine gewisse Vernunft und Distanz ist da sicherlich anzuraten: Auf den Wegen bleiben, seine Hunde anleinen. Aber das rate ich ohnehin jedem Spaziergänger, um das Wild nicht zu verschrecken. Wenn sich der Mensch dem Wolf gezielt nähert, beispielsweise um Fotos zu erhaschen, könnte er seine Scheu verlieren – das sollte man auf jeden Fall sein lassen.

Kein Wolf?

ein Kommentar von Ulrich Franke

Nun bin ich, das zuzugeben fällt mir leicht, kein Experte. Aber als Laie traue ich mir die Frage zu: Wenn das kein Wolf ist, was soll es sonst sein?

Natürlich gab es schon genug verwackelte Handybilder und aufgeregte Augenzeugen als Beweise für angebliche Wölfe, die sich zum Schluss als Hunde herausstellten. Das Tier auf dem Bild aus der Fotofalle allerdings halten auch Menschen für einen Wolf, die vom Thema deutlich mehr verstehen als ich.

Natürlich haben die Experten in Hannover rein formal Recht, wenn sie von „keinem gesicherten Nachweis“ sprechen. Vielleicht sollten statt Fotofallen Selbstschussgeräte aufgehängt werden – ein toter Wolf dürfte keine Zweifel hinterlassen.

WAZ-INFO: Wölfe in Wolfsburg

Das Schloss heißt Wolfsburg, die Stadt heißt Wolfsburg – welche Rolle spielte das Wolfsburger Wappentier in der Geschichte?

Möglicherweise gar nicht die zentrale Rolle, die man vermuten könnte. Der Burgname Wolfsburg der 1302 erbauten Wasserburg, die sich später in ein Renaissance-Schloss wandelte, deutet laut Wikipedia nicht zwingend auf eine wolfsreiche Gegend hin, „auch wenn es im nahegelegenen Feuchtgebiet Drömling sicherlich Wölfe gab“. Vielmehr leitet sich die Namensgebung vom Wappentier der Adelsfamilie derer von Bartensleben als Erbauer ab. Dieses Familienwappen lässt sich bis 1188 zurück verfolgen.

Lange Zeit galt der Wolf in Niedersachsen als ausgestorben. Vor rund zehn Jahren wanderten die ersten Wölfe aus Ostdeutschland und Westpolen wieder nach Niedersachsen ein. Mitte 2015 lebten etwa 60 Tiere in Niedersachsen. Das Wolfsburg am nächsten gelegene Rudel aber lebt auch heute noch im östlichen Nachbarland Sachsen-Anhalt nahe Klötze. Es handelt sich um etwa acht Tiere.

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