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Stadt Wolfsburg Eva Wiedemann berichtet von häuslicher Gewalt
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Eva Wiedemann berichtet von häuslicher Gewalt
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12:15 22.02.2018
Eindringlich: Der Gewalt setzt Eva Wiedemann Aufklärung entgegen, auch wenn es schwerfällt: „Ich habe Angst, dass man mir nicht glaubt.“ Quelle: Tim Schulze
Wolfsburg

„Eins, zwei, drei, ... vier“, zählte Eva Wiedemann die Frauen im Publikum ab. Zum Auftakt der Opferschutzwochen berichtete die Betroffene im Alvar-Aalto-Kulturhaus von häuslicher Gewalt. „Ich stehe hier für jede vierte Frau in Deutschland“, erklärte sie. „Eins, zwei, drei ... vier.“

Beklemmung im Publikum: Wiedemanns Vortrag machte betroffen Quelle: Tim Schulze

2013 lernte sie ihren damaligen Freund kennen: älter als sie, scheinbar ein Beschützer-Typ. Bald wird er eifersüchtig, bedroht und schlägt sie. Als Wiedemann sich trennt, stellt er ihr nach, schlägt sie zusammen, bricht ihr das Brustbein.

Immer wieder nur Bewährungsstrafen

Doch ins Gefängnis kommt er nicht, stattdessen setzt der Richter Bewährungsstrafen aus, obwohl der Angeklagte schon oft gegen Auflagen verstoßen hat – „leichtfertig, sexistisch und dumm“ habe er geurteilt, so Wiedemann. Für sie folgen qualvolle Jahre: Ihr Ex-Partner stalkt und verfolgt sie hartnäckig, droht, sie umzubringen. Die Polizisten in ihrem damaligen Wohnort Köln erlebte sie als wenig hilfreich: „,Hunde die Bellen, beißen nicht’, sagten sie mir.“ Erst bei der Polizei in Braunschweig findet sie Hilfe, inzwischen sitzt der Täter im Gefängnis. Bis 2019.

Endlich Hilfe: Polizist Ingo Zupp nahm sich der Geschädigten an und unterstützt sie seither in ihrem Kampf. Quelle: Tim Schulze

Wiedemanns Bericht ist wie ein Poetry Slam des Grauens, so stürzen die Sätze aus ihr heraus. „Mit Worten und Wissen gegen Gewalt“, ist ihr Motto – aber leicht fällt es ihr nicht, mehrmals bricht ihre Stimme.

Klinikum Wolfsburg kann Beweise speichern

Die Wolfsburger Beratungsstellen zählten 2017 300 Fälle von häuslicher Gewalt, darunter auch Männer. Die Dunkelziffer ist hoch, die Tendenz steigend. Seit 2014 nehmen extra geschulte Ärzte im Klinikum Verletzungen durch häusliche Gewalt auf und speichern ihre Ergebnisse – so kann der oder die Betroffene sich noch Jahre später zur Anklage entscheiden.

Eva Wiedemann geht es vor allem darum, dass niemand mehr wegguckt. Auch nicht bei Polizei und Justiz – Ende der Woche hält sie ihren Vortrag vor der Staatsanwaltschaft Braunschweig.

Von Frederike Müller

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