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Erinnerungsort für ermordeten Piloten aus den USA

Reislinger Markt Erinnerungsort für ermordeten Piloten aus den USA

Der Ortsrat Stadtmitte will an ein dunkles Kapitel der Wolfsburger Geschichte erinnern. Einen gemeinsamen Antrag stellten jetzt Linke, SPD, PUG, Grüne und Die Partei.

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Historische Aufnahmen: Das Luftbild von 1944 zeigt die Bombenschäden in der Innenstadt. US-Pilot Sidney A. Benson (kl. Foto) wurde im Juni des Jahres nach dem Absturz seiner Maschine in Wolfsburg erschlagen.

Quelle: Sammlung Krone/Archiv

Wolfsburg. Der Historiker Günter Riederer brachte ein dunkles Kapitel der Wolfsburger Stadtgeschichte ans Licht: Den Lynchmord an einem 22-jährigen US-Bomberpiloten Sidney A. Benson am 29. Juni 1944. Der Ortsrat Stadtmitte will dafür sorgen, dass das nicht erneut in Vergessenheit gerät – mit einem Erinnerungsort am Reislinger Markt.

Zuletzt hatte der pensionierte Politik-Lehrer Roland Beilner am Todestag des Piloten eine Gedenktafel gefordert. Einen entsprechenden Antrag von Bastian Zimmermann (Die Linke) unterstützten jetzt im Ortsrat SPD, PUG, Grüne und Die Partei. „Wir hatten uns bewusst nicht angeschlossen“, sagte CDU-Fraktionssprecher Jens Thurow, der erläuterte, seiner Meinung nach werde im Rahmen des Volkstrauertages am zentralen Mahnmal auf dem Klieversberg allen Opfern der Kriege gedacht – und dazu gehöre auch der Pilot.

Ortsbürgermeister Detlef Conradt (SPD) sieht das anders: „Er ist kein Kriegsopfer im eigentlichen Sinne, es war Mord.“ Jens Tönskötter (PUG) ergänzte: „Wir haben in den letzten Jahren zu wenig für die Erinnerung getan.“ Laut Quellenlage überlebte der Co-Pilot den Absturz seiner Maschine bei Reislingen, wurde danach – möglicherweise bei einem Fluchtversuch – angeschossen und vom Schützen in den Elsterweg gebracht. Dort befand sich das erste Stadtkrankenhaus. Hier überließ ihn der Schütze kurzzeitig einer Gruppe von Luftschutzwarten und Bürgern, weil er telefonieren wollte, und stellte bei seiner Rückkehr fest, dass die Aufpasser auf den Piloten einschlugen. Dieser starb.

Wie ein Gedenkort im Hellwinkel aussehen könnte und was eine Tafel oder ein Denkmal kosten wird, soll – falls auch der Rat der Stadt zustimmt – vom Institut für Stadtgeschichte erarbeitet werden. 1000 Euro will der Ortsrat aus eigenen Mitteln zuschießen.

Von Andrea Müller-Kudelka

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