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Emotionales Abschiedskonzert

Heßlingen Emotionales Abschiedskonzert

Harfenlehrerin Christiane Rosenberger musizierte zum letzten Mal in der St.-Annen-Kirche

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Emotionales Abschiedskonzert: Die Harfenistin Christiane Rosenberger trat in der St.-Annen-Kirche in Wolfsburg auf.

Quelle: Isabell Massel/Archiv

Heßlingen. Die St.-Annen-Kirche in Heßlingen ist bekanntlich nur über einen Friedhof erreichbar und ist ein Ort für Abschied – und Hoffnung. Christiane Rosenberger gab am Sonntag hier ihr symbolträchtiges und emotionales Abschiedskonzert.

Als Schülerin der hiesigen Musikschule hatte sie vor 40 Jahren ihre Karriere begonnen, nach immerhin 21 Dienstjahren als außerordentlich erfolgreiche Harfenlehrerin an dieser Einrichtung verabschiedete sie sich in der überfüllten Kirche von Schülern und Publikum sozusagen mit ihrer musikalischen Biografie.

Programm in Lebensabschnitte unterteilt

Dabei wäre Rosenberger nicht sie selbst, würde sie sich bei der Darbietung ihrer Kunst auf eine statische Bühnenpräsentation beschränken. Sie erkor nicht nur die gesamte Kirche zur Bühne, sondern unterteilte ihr Musikprogramm in Lebensabschnitte und umrahmte im Plauderton die individuellen Ereignisse dazwischen. Beispielsweise, dass sie zunächst den Umgang mit Klavier und Geige lernte und sich erst als 15-jährige erstmals vom Harfenklang betören und nicht mehr loslassen ließ. Folgerichtig klingen ihre Lieblingsstücke von der „Kleinen irischen Harfe“ von der Orgelempore. Sie wechselt von dort zu den Klassikern wie Händel, Dussek oder Hasselmanns an die große „Doppelpedal- oder Konzertharfe“ in den Altarraum und gesteht von dort freimütig, was andere betroffene Musiker in aller Regel schamhaft verschweigen: Eine bei Musikern typische Muskelerkrankung der Hand bringt vor zehn Jahren Rosenbergers melodiöses Engagement unerbittlich zum Schweigen. Ihre Liebe zur Musik führt sie hingegen trotz schmerzlicher Erfahrungen nicht aufs musikalische Abstellgleis, sondern lässt sie rechtzeitig die Weichen in eine neue hoffnungsvolle musikpädagogische und kompositorische Zukunft stellen.

Schöpferisches Schaffen entdeckt

Dass sie auf diesem Weg das Harfenspiel nicht nur neu erlernte, sondern außerdem ihr eigenes schöpferisches Schaffen entdeckte, präsentierte sie sowohl an der „großen irischen Harfe“ als auch anhand der intensiven Klangfarben ihrer „Böhmischen Wanderharfe“.

Es ist dieses außergewöhnliche Schweben ihrer klanglichen Emotionen, ein stets einfühliges Schattieren und dieser typische Rosenberger-Sound, diese unverwechselbare sanft-dramatische Dynamik, mit der sie das Publikum mühelos dort trifft, wo es am empfindlichsten ist: im Bauch.

Was sie auch darbietet: Ihre unterschiedlichen Interpretationen und Kompositionen kommen ohne das mit Harfenmusik allgemein in Zusammenhang gebrachte flirrend-süße Klischee aus und gleitet nie in vages Klanggewabere ab. Und wenn sie dann zum Schluss mit ihrer allerersten Wolfsburger Schülerin und Nachfolgerin in der Musikschule, der inzwischen international renommierten Harfenistin Isabel-Jasmin Kühne gemeinsam musiziert, reagiert das Publikum geradezu enthusiastisch.

Von Ulrich Jaschek

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