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Stadt Wolfsburg Ein nachdenklicher Abend bei Spaghetti und Wein
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Ein nachdenklicher Abend bei Spaghetti und Wein
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12:00 14.03.2018
Warten in der Sonne: Von Arcade aus fuhren Michaela und Kristin mit dem Zug weiter. Quelle: Privat
Wolfsburg/Gifhorn

Von Redondela ging es für Kristin und mich dann weiter nach Pontevedra. Und ganz ehrlich: Eigentlich hatten wir an diesem Tag (wie wahrscheinlich an allen anderen Tagen auch) keine Ahnung, wo wir eigentlich landen würden. Inzwischen hatten wir uns schon zu routinierten Pilgern gemausert. Jeden Vormittag rollten wir unsere Schlafsäcke zusammen, packten unsere mit Handwaschpaste gewaschenen Klamotten zurück in den Rucksack, verabschiedeten uns von allen Leuten und tigerten los.

Für alle, die sich fragen, ob es bislang schwer war, den Jakobsweg zu gehen: Nein, überhaupt nicht! Wir mussten jeden Tag lediglich den gelben Pfeilen folgen, bis wir nicht mehr konnten. Zwischendurch haben wir lediglich Google-Maps auf unseren Smartphones aufgerufen, um uns zum nächsten Bahnhof navigieren zu können. Kristin und ich hatten nämlich noch immer starke Fußschmerzen. Allerdings hatten wir uns aber nach elf Tagen an die Probleme gewöhnt und konnten wieder mehr oder weniger 15 Kilometer am Stück wandern.

Gesundheitsserie Michaela Gebauer aus Peine und Kristin Willecke aus Gifhorn (arbeitet in Wolsburg) gehen den Jakobsweg Teil 9 der Serie Quelle: privat

Unsere erste Zwischenstation nach Redondela war also Arcade. Dort gönnten wir uns – wie soll es auch anders sein – wieder eine Pizza. In dem Restaurant gab es einen kleinen Fernsehbildschirm, auf dem das Schnee-Chaos in Madrid gezeigt wurde. Zahlreiche Lastwagen standen quer auf den Straßen und kamen nicht weiter. Offenbar kannten die Spanier so ein kaltes Winter-Wetter nicht. Das erklärte zumindest, warum es in kaum einer Unterkunft vernünftige Heizungen gab. Hätten Kristin und ich das eher gewusst, wären wir wahrscheinlich nicht mit zwei Yoga-Hosen und engen Lauf-Shirts den Jakobsweg gegangen... Aber gut, aus Fehlern lernt man.

Es wurde richtig kalt

In Arcade entschieden wir uns dann, mit dem Zug weiterzufahren. Es war inzwischen sehr kalt geworden. Am Bahnhof angekommen, legten wir uns deshalb auf das einzige sonnige Plätzchen, das wir finden konnten: Es war der Boden, direkt neben den Gleisen. Wir waren von der Wanderung noch so geschafft, dass wir die Augen schlossen und kurz dösten. Als wir später wieder die Augen öffneten, waren wir auf einmal umringt von Spaniern, die auch auf den Zug warteten.

Am Ziel angekommen, trafen wir dann erneut all unsere Freunde aus den vergangenen Herbergen wieder. Dieses Mal setzten wir uns aber alle zusammen in den Aufenthaltsraum und teilten uns anderthalb Flaschen Wein. Die andere Hälfte brauchten unsere Freunde, um Spaghetti Bolognese zu kochen.

Nachdenkliche Gespräche

Kurioserweise waren während des Jakobsweges die Gespräche völlig anders, als wir sie aus unserem normalen Umfeld in Deutschland kennen. Es ging diesmal nicht um den Namen, das Alter und den Beruf, sondern um viel intimere Themen, wie zum Beispiel Probleme und Ängste. Der Italiener war zum Beispiel eigentlich ein Pizza-Bäcker, der keine Lust mehr hatte, weiterhin in seinem „langweiligen“ Dorf zu leben. Der Koreaner hingegen brauchte eine Pause von seinem harten Informatik-Studium in Korea und die Frau aus Gran Canaria hatte ihren Job als Krankenschwester verloren und nutzte die freie Zeit, um einen klaren Kopf zu bekommen. Kristin und ich hatten aber nicht wirklich viel zu erzählen. Wir waren schließlich nur Studenten, die vorlesungsfreie Zeit hatten.

Von Michaela Gebauer

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