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Ein Mann ohne Moral mit psychischer Macke

Brecht-Stück im Scharoun-Theater Ein Mann ohne Moral mit psychischer Macke

Ein bisweilen recht freier Umgang mit dem jeweiligen Bühnenstoff ist im deutschen Theater schon lange keine Seltenheit mehr. So verlegte das Hessische Landestheater Marburg den Handlungsort des Brecht-Stücks „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ in das Gangstermilieu Chicagos.

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Vielseitiges Ensemble: Die Darsteller verkörperten in dem Brecht-Stück wechselnde Rollen.
 

Quelle: Jan Bosch

Wolfsburg.  „Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.“ Brauner, stinkender Müll, aktuell wiederzufinden in der Parteienlandschaft der deutschen Politik. Bertolt Brecht erkannte diese Gefahr schon 1941, als er im finnischen Exil die satirische Parabel „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ über die Machtergreifung Hitlers schrieb. Am Montag gastierte das Hessische Landestheater Marburg mit der Inszenierung von Matthias Falitz im Scharoun-Theater.

Brecht verlegte die Ereignisse und Personen des Dritten Reiches in das Gangstermilieu von Chicago. Dort treibt eine Gruppe von Verbrechern in einem Karfioltrust ihr Unwesen. Ihr Anführer ist der Ganove Arturo Ui, er als Hitler, seine Helfer unschwer als Goebbels, Göring und Röhm zu erkennen. Ui ist ein Mann ohne Moral, ein sexuell verklemmter, eiskalter Schleicher mit einer psychischen Macke und hemmungslosem Machtdrang.

Regisseur Falitz hat mehr als ein Drittel des Textes gestrichen, lässt die bitterböse Politposse in gerade mal 100 Minuten abrollen, jeweils unterbrochen durch das Einblenden von Texttafeln mit den tatsächlichen historischen Geschehnissen. Im Titelpart ist Thomas Huth zu sehen: Er gibt einen Arturo Ui, der im Laufe der Aufführung an darstellerischer Stärke und Glaubwürdigkeit gewinnt. Sehr schön ist die berühmte Szene, in der er sich von einem Schauspieler (großartig: Sebastian Muskalla) das richtige Reden, Gehen, Stehen und Sitzen beibringen lässt. Es ist exakt die Komik des Grauens.

Als einzige Frau in der fünfköpfigen Männer-Runde (neben Huth und Muskalla sind das Artur Molin, Ogün Derendell und Karl-Heinz Schmitt) beeindruckt Lisa-Marie Gerl, wie ihre Mitspieler in mehreren Rollen, durch Körpersprache und Beweglichkeit. Den Protagonisten wird viel abverlangt – allein schon durch das zunächst recht gewöhnungsbedürftige Bühnenbild Harm Naaijers: Gestapelte, wuchtige Holz-Schreibtische mit Fächern und Türen für überraschende Auftritte der Akteure.

Von Katrin Mauke

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