Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Stadt Wolfsburg Die Müllers fanden ihr Glück
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Die Müllers fanden ihr Glück
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:02 19.04.2018
Marke Eigenbau: Das Haus in Heiligendorf hat der gelernte Maurer mit seiner Frau selbst gebaut – beim Dachdecken reichte sie ihm die Schindeln an. Quelle: Boris Baschin
Heiligendorf

Schon mit drei Jahren lernt Klaus-Jürgen in Frankfurt an der Oder seine spätere Ehefrau kennen: „Ich hatte damals die Masern – Wilma sollte auf mich aufpassen“, erzählt er. Während die Eltern ausgingen, blieben die beiden Kinder allein zu Hause. Dabei war Wilma sogar einige Monate jünger als er – doch das Babysitten funktionierte. Gut aufeinander eingespielt sind sie noch heute: „Sie ist meine Chefin“, lacht der 80-Jährige.

Zwei dramatische Fluchten

Mit sieben Jahren flieht Klaus-Jürgen – im Viehwaggon – aus Frankfurt, später lernt er in Hitzacker Maurer, geht danach zum Bund. Wilma studiert chemische Technologie im Osten. Als Stipendiatin des „Arbeiter- und Bauernstaats“ wird ihr der Kontakt zur Bundesrepublik nicht leicht gemacht, trotzdem besuchen sich die beiden heimlich und schreiben sich Briefe. „Die wurden vermutlich abgefangen“, erzählt Wilma heute. „Die Stasi kam in meine Hochschule und verhörte mich – es wurde immer enger.“ So bricht sie ihr Studium ab und flieht im Dezember 1958 mit dem Flugzeug. Das Ticket haben Verwandte ihr besorgt, mit dabei hat sie lediglich einen Koffer und einen Teddybären – „der sollte mich beschützen.“

Endlich vereint: 1959 heiraten Wilma und Klaus-Jürgen im Standesamt in Wolfsburg. Quelle: Boris Baschin

Schließlich kommt sie nach Köln, wo Klaus-Jürgen gerade seinen Wehrdienst beendet. 1959 zieht das Paar nach Wolfsburg und heiratet. Dort hat Klaus-Jürgens Vater eine Festanstellung bei der Polizei. Im Brahmsring Nummer 19 teilen sie sich zunächst ein winziges Zimmerchen. „Aber: Eine Musiktruhe hatten wir!“, erinnert sich Wilma, und ihr Mann ergänzt: „Das war das erste Möbelstück, das wir gekauft haben.“ Im selben Haus ziehen sie noch zwei mal um, jedes Mal in eine etwas größere Wohnung. Klaus-Jürgen arbeitet von Anfang an bei VW, schafft es durch Lehrgänge schließlich in die höchste Lohngruppe für Ungelernte.

Das erste eigene Auto: Als VW-Mitarbeiter bekommt Klaus-Jürgen Müller den Käfer günstig. Insgesamt arbeitet er 37 Jahre lang für den Autobauer. Quelle: Boris Baschin

1967 suchen die beiden ein Baugrundstück – und finden es in Heiligendorf. Als gelernter Maurer baut Klaus-Jürgen das Haus selbst, sogar das Dach deckt er zusammen mit seiner Frau. „Die ersten Handwerker waren der Zimmermann und der Elektriker“, berichtet seine Frau – der Stolz auf ihren Mann leuchtet noch immer in ihren Augen. Sie selbst ist nicht weniger tüchtig: Durchgehend arbeitet sie, erst im Kaufhaus Hertie, später als Röntgenhelferin beim Urologen Dr. Hermann Coors. Sie bleibt sogar berufstätig, als in den Jahren 1960 bis 1966 ihre vier Kinder geboren werden.

Zwei der vier Kinder kommen ums Leben

Doch das Glück des Paares wird erschüttert: Der jüngste Sohn ertrinkt noch vor seinem zweiten Geburtstag – auf dem eigenen Baugrundstück in Heiligendorf. Auch der ältere Sohn kommt ums Leben, er stirbt als junger Mann bei einem Autounfall. Beim Erzählen bricht Wilma Müllers Stimme – manche Schmerzen lindert die Zeit nicht. Doch sie blickt nach vorne: „Umso mehr freut man sich jetzt an den Enkelkindern.“ Die sind zwar inzwischen alle schon erwachsen, doch eine Tochter der Müllers wohnt noch immer mit ihrem Mann auf dem elterlichen Grundstück, alleine sind die beiden Rentner nicht.

Angekommen in der Dorfgemeinschaft

Auch sonst haben sie im Dorf Wurzeln geschlagen. „In die Gemeinschaft kommt man nur, wenn man selbst dazu bereit ist“, so Wilma. Über Elternabende, den Sportverein und das DRK lernen die beiden langjährige Freunde kennen. „Wir sind schon ein bisschen Heiligendorfer.“ Das war nicht immer so: „Ich hatte vorher noch nie auf dem Dorf gewohnt. In Heiligendorf dachte ich manchmal: ,Das hältst du nicht aus!’“, lacht die 79-jährige Wilma. „Aber später war ich gerade nach Feierabend immer froh, in meine Oase hier zurückzukommen.“

Rückblick auf eine bewegte Geschichte – doch das Paar hat seinen Frieden gefunden. Quelle: Boris Baschin

Es ist gemütlich im sonnendurchstrahlten Wohnzimmer der Müllers. An den Wänden hängen Fotos der Kinder und Enkelkinder. Trotz der tragischen Vergangenheit strahlt das Ehepaar Zufriedenheit aus – mit ihrem Leben und miteinander. Ihren je 80. Geburtstag feiern sie selbstverständlich zusammen. Ins Schützenhaus kommen dann auch all ihre Heiligendorfer Freunde: Stolze 58 Personen haben sie eingeladen.

Alle Artikel dieser Serie finden Sie auf unserer Themenseite unter www.waz-online.de.

Von Frederike Müller

Bei einem Einbruch in den City-Kiosk am Brandenburger Platz hatte es ein 19-jähriger Wolfsburger auf Zigaretten abgesehen. Das Amtsgericht verlängerte am Mittwoch eine bereits bestehende Haftstrafe gegen ihn.

19.04.2018

Präsident Dr. Peter Haase gibt weitere Einblicke in das millionenschwere Projekt des VfL-Wolfsburg-Gesamtvereins. Demnach muss kein Sportler fürchten, dass sein Training ausfällt: Alle Gruppen sollen direkt vom alten ins neue Gebäude umziehen können.

19.04.2018

Der Mann stellte ein paar Fragen zur Nutzung des Öffentlichen Personennahverkehrs. Damit wollte er aber offenbar herausfinden, wann die Seniorin aus der Nordstadt nicht zu Hause ist.

21.04.2018