Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -4 ° wolkig

Navigation:
Der Fall Alaeddine T.: Das sagt die Schwester

Wolfsburg Der Fall Alaeddine T.: Das sagt die Schwester

Der Wolfsburger Alaeddine T. (24) starb bei einem Gefecht für die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Irak. Familienmitglieder hatten vergeblich versucht, ihn nach Hause zu holen (WAZ berichtete). Im Gespräch mit der WAZ gibt seine Schwester (25) jetzt Einblicke in das Leben ihres Bruders.

Voriger Artikel
Obdachloser bewegt ganz Wolfsburg
Nächster Artikel
Tom2Rock und Bella Garcia treffen ihre Fans

Ein Mann, zwei Gesichter: Alaeddine T. postete im Internet Fotos von sich an einem Flugabwehrgeschütz und auf einer Wiese.

Wie wurde er zum IS-Kämpfer, was tat er im Kampfgebiet?

Vier Geschwister waren es damals in Wolfsburg, drei Brüder und eine Schwester. Zu Hause habe es schwere Probleme gegeben, erst recht, als der Vater habe eine neue Frau kennengelernt habe, sagt die 25-Jährige, die heute in Berlin lebt. Mit zehn oder elf Jahren kamen die Kinder in ein Heim. In dieser Zeit habe Alaeddine den Weg in die Moschee gefunden. „Er fühlte sich dort wohl, Leute hörten ihm zu“, erklärt seine Schwester. Dort habe er aber auch Kontakte geknüpft, die ihn Jahre später zum Krieg auf Seiten der IS-Terroristen bringen sollten.

Zu Beginn soll Alaeddine T. in Syrien noch Krankenwagenfahrer für eine Vorgängerorganisation des IS gewesen sein. Bei einem solchen Einsatz habe er vor anderthalb Jahren eine Kugel in den Rücken bekommen – sie steckte neben der Wirbelsäule. „Er hatte Angst, dass er stirbt, und bat uns, zu ihm zu kommen“, erzählt seine Schwester. Sie und ihr Bruder Bilel reisten nach Syrien. Bleiben wollte sie zwei Wochen, doch ihre Ausreise gelang erst fast ein halbes Jahr später.

„Ich habe gesehen, was er dort gemacht hat“, sagt die 25-Jährige. Er sei zwar auch Krankenwagen gefahren, Alaeddines Schwester bestätigt aber: „Er war in Kriegsgebieten und hat gekämpft.“ An Folterungen, wie es der in Celle angeklagte frühere IS-Kämpfer Ayoub B. vor Gericht ausgesagt hat (WAZ berichtete), habe ihr Bruder sich definitiv nicht beteiligt. „Das stimmt nicht!“

kn

Brief an den Vater

Im Internet kursiert ein Abschiedsbrief, den der Wolfsburger IS-Kämpfer Alaeddine T. an seinen in Wolfsburg lebenden Vater (57) geschrieben haben soll. Darin erhebt der 24-Jährige Vorwürfe, untermauert aber auch seine fanatische religiöse Einstellung.

„Dies ist eine Nachricht für meinen geliebten Vater“, schrieb Alaeddine und erklärte, dass sich sein Leben dem Ende nähere. Womöglich wusste er von einem besonders gefährlichen Kampfeinsatz, in dem er tatsächlich starb.

Dann werden viele Vorwürfe erhoben, es geht um Geld, fehlende Liebe und um „Verrat“ an der Religion. Schließlich wütet Alaeddine T., „bei Allah, Dein Ende ist nah und jeder wird den Tod kosten“. Diese Welt sei nicht von Dauer und habe keinen Wert. Der Abschiedsbrief endet dann aber versöhnlich mit der Bitte um Vergebung, falls Alaeddine Fehler begangen haben sollte. Unterzeichnet ist er mit „Dein kleiner Sohn“.

Auch wenn er für die Terrororganisation gekämpft hat, trauert seine Schwester (25) um ihren Bruder. Mittlerweile sieht sie sich aber auch selbst in der Schusslinie. „Manche nennen mich jetzt die Schwester des Terroristen“, sagt die 25-Jährige, die in Berlin lebt.

kn

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Stadt Wolfsburg

Hier lesen Sie die Sonderveröffentlichungen von AZ und WAZ zu vielen interessanten Themen. mehr

Borth im Radio - der wöchentliche Talk mit WAZ-Chefredakteur Dirk Borth auf radio21

Dirk Borth, der Chefredakteur der Wolfsburger Allgemeinen ist jetzt jeden Freitag um 16.30 Uhr bei Radio21 zu hören. "Borth im Radio" - aktuelle Kommentare aus der Region. mehr

Ihre Tageszeitung auf dem Tablet lesen: Wir haben die besten Geräte, das passende Zubehör und tolle Angebote! Lassen Sie sich jetzt unverbindlich im AZ/WAZ Media Store beraten. mehr

Fallersleben: Feuerteufel legt acht Brände