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Brüder aus Damaskus betreiben das Syriana

Neue Jobs: Lokal in der Poststraße Brüder aus Damaskus betreiben das Syriana

Die Brüder Tayfur aus Damaskus kamen im Januar 2015 in Deutschland an und zogen vor gut einem halben Jahr aus München nach Wolfsburg, wo schon ihre Eltern ein neues Zuhause gefunden hatten. Auf Sozialhilfe wollten die beiden aber nicht auf Dauer angewiesen sein: Sie übernahmen jetzt ein Restaurant in der Poststraße und schufen so noch drei weitere Jobs für Bekannte. Die Familie Hicheri – Wolfsburger mit tunesischen Wurzeln – unterstützten sie bei Behördengängen und Formularen.

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Die Brüder Mohamad (l.) und Khaled Tayfur (2.v.l.) betreiben ein syrisches Restaurant in der Poststraße – und schufen dort drei weitere Jobs.
 

Quelle: Britta Schulze

Wolfsburg.  2015 kamen sie aus Syrien nach Deutschland, jetzt betreiben sie in der Poststraße ein Restaurant: Kahled (30) und Mohamad Tayfur (22). Sie wollten nicht auf Sozialhilfe angewiesen sein, sagt der ältere Bruder auf arabisch zu Ramzi Hicheri, der für die WAZ übersetzt. Statt dessen schufen sie Jobs, und das nicht nur für sich selbst. Sie stellten noch drei weitere arabisch sprechende Arbeitssuchende ein.

Unter ihnen ist Hani Hawileh (20), der ebenfalls beim Übersetzen hilft. im Gegensatz zu den Tayfur-Brüdern spricht er nämlich gut deutsch, lebt aber auch erst seit knapp zwei Jahren in Deutschland. „Ich habe Kurse gemacht und ich spiele Fußball beim SSV Vorsfelde“, erzählt er. Das hilft offensichtlich sehr bei der Integration – und es hilft dem Restaurant, denn Hawileh kann auch deutschsprachige Kundschaft bedienen.

Das Syriana in der Poststraße

Das Syriana in der Poststraße.

Quelle: Britta Schulze

Beim Gang zu Behörden und Ausfüllen von Formularen half die Familie Hicheri – Wolfsburger mit tunesischen Wurzeln. Ramzi Hicheri macht sich jetzt allerdings ein wenig Sorgen, denn das Restaurant „Syriana“, das die Existenz der Brüder sichern soll, hat nicht die besten Startbedingungen: Die Poststraße, die gerade umgestaltet wird, ist seit kurzem komplett für den Verkehr gesperrt – nur zu Fuß kann man das Syriana erreichen.

Dort gibt es neben Spezialitäten wie Fatusch (gebratenes Brot mit Olive, Gurke, Petersilie, Tomate Minze und Zwiebeln) oder Kubbah Labanieh (mit Lammfleisch und Pinienkernen gefüllter Weizenschrotteig) übrigens auch Cordon Bleu und Grillhähnchen mit Pommes. Die gleichen Gerichte hätten die Brüder auch in Damaskus schon auf ihrer Karte gehabt, sagt Kahled Tayfur. Dort habe die Familie zwei Restaurants betrieben, und sein Großvater sei schon seit 50 Jahren in der Gastronomie tätig

WAZ-Info: Aufnahme von Flüchtlingen

Laut der aktuellsten Erfassung Ende Juni leben zurzeit 613 Personen in den Flüchtlingssammelunterkünften in Wolfsburg. 1177 Plätze stünden zur Verfügung. Geschlossen wurden mittlerweile die Unterkünfte Jugendwerkstatt, Reislingen (Bötzel), Lerchenweg und – als größte – Heinenkamp. Letzere könnte aber jederzeit wieder genutzt werden.

Insgesamt gab es im vergangenen Jahr 563 Zuweisungen nach Wolfsburg, davon 493 im ersten Quartal. Allerdings kamen damit 349 Personen weniger als erwartet und vom Bundesamt quotiert.

Laut der aktuellen Quote ist Wolfsburg angehalten, insgesamt noch 709 Personen aufzunehmen. Die vorhandenen Kapazitäten reichen dafür aus, der Zuzug ist aber zurzeit gering.

Im Bau befinden sich noch die Unterkünfte in Vorsfelde und am Hageberg (bis Ende 2017). Die Gebäudekomplexe sind so ausgelegt, dass sie langfristig als reguläre Sozialwohnungen genutzt werden könnten. Erst nach Fertigstellung wird entschieden, wer dort einzieht. Weitere Bauten sind vorerst nicht geplant.

Die häufigsten Herkunftsländer der Antragsteller waren Afghanistan, Syrien, Balkan, Irak, Iran, Sudan, Georgien und Algerien.

Für 467 Personen wurden finanzielle Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetzt mittlerweile eingestellt, 217 sind nach Abschluss ihrer Asylverfahren ins SGB II gewechselt. In den ersten fünf Monaten 2017 wechselten außerdem 300 ins Jobcenter.

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Von Andrea Müller-Kudelka

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