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Babyleiche im Container: Verbrechen oder Totgeburt?

Wolfsburg / Lehre-Wendhausen Babyleiche im Container: Verbrechen oder Totgeburt?

Wendhausen. Grauenvoll: In einem Altkleidercontainer in Wendhausen bei Lehre ist am Dienstag eine Babyleiche gefunden worden. Ob es sich um ein Verbrechen handelt oder der kleine Junge als Totgeburt zur Welt kam, ist trotz Obduktion bisher ungeklärt.

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Babyleiche in Wendhausen gefunden: Kriminaltechniker, Spurensicherer und andere Einsatzkräfte sind im Einsatz.

Quelle: Roland Hermstein

Kurz nach 9 Uhr wollte der Fahrer eines Textilverwertungs-Unternehmens aus Salzgitter den Inhalt des Altkleider-Containers in der Hauptstraße in seinen Lkw verladen. Er öffnete die Klappe des Containers - und machte die grausige Entdeckung. Sofort verständigte der Mann über den Notruf die Polizei.

Ein Notarzt konnte vor Ort nur noch den Tod des Säuglings feststellen. Die Polizei ließ den Bereich vor dem ehemaligen Kindergarten durch die Feuerwehr blickdicht absperren, die Spurensicherung suchte stundenlang nach verwertbaren Indizien. Gegen Mittag wurde die Babyleiche mit einem Leichenwagen zur Rechtsmedizin nach Hannover gebracht, Ergebnis der Obduktion: „Zur Todesursache gibt es kein eindeutiges Ergebnis“, sagt Polizeisprecher Sven-Marco Claus.

Die Wolfsburger Polizei hatte bereits zuvor die 25-köpfige Mordkommission „Container“ eingesetzt, Beamte gingen gleich am Dienstag in der Umgebung von Haus zu Haus und befragten Nachbarn. Ob es sich allerdings um ein Tötungsdelikt oder eine Tragödie handelt, ist bislang ungeklärt - womöglich hatte die Mutter eine Totgeburt erlitten. „Wir appellieren nun dringend an die leibliche Mutter, sich bei uns zu melden“, sagt Claus, „um möglichst schnell die tatsächlichen Umstände zu klären, die zum Tod des kleinen Jungen führten.“ So könnte auch eine schnelle Beerdigung des namenlosen Babys erfolgen - ansonsten wären weitere zeitaufwendige medizinische Untersuchungen notwendig.

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Wer macht so etwas?

ein Kommentar von Ulrich Franke

Ich bin bei der WAZ seit vielen Jahren unter anderem als Polizeireporter tätig. Ich fahre zu brennenden Häusern, in denen Menschen knapp dem Tode entronnen sind, ich berichte von den Schauplätzen von Mord und Totschlag. Nichts von dem lässt einen Reporter unberührt. Ich habe über vieles berichtet, über das niemand gerne berichtet. Das Geschehen in Wendhausen aber lässt mich sprachlos zurück. In einem Altkleidercontainer liegt eine Babyleiche. Alles in mir will die eine Frage hinausschreien, die jedem von uns als erstes in den Sinn kommt: WER MACHT SO ETWAS?

Kann etwas anderes als ein unvorstellbares Maß an Verzweiflung einen Menschen so weit treiben, ein totes Kind zu entsorgen wie Müll? Welche Tragödien verbergen sich womöglich noch hinter dieser unfassbaren Tat? Noch kennt niemand die ganze Wahrheit. Und selbst, wenn die Polizei alles lückenlos aufklären sollte, werden wir vielleicht immer noch keine Antwort auf die Frage nach dem Warum finden. Zumindest keine, die zu akzeptieren uns leicht fällt.


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