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Axel Bosse: „Bürger sollten noch stärker einbezogen werden“

Direktkandidaten zur Landtagswahl Axel Bosse: „Bürger sollten noch stärker einbezogen werden“

Der Wolfsburger (Grüne) mischt seit vielen Jahren in der Wolfsburger Politik mit. Den Kampf ums Direktmandat sieht er als durchaus „offen“. Ob’s dann für mehr Blumen in Wolfsburg reicht, wird sich zeigen.

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Wolfsburg. Warum kandidieren Sie für den Landtag?

Niemand konnte damit rechnen, dass die Landtagswahl bereits am 15.Oktober stattfindet. Das hat uns Grüne hier in Wolfsburg etwas unter Zugzwang gesetzt. Wir haben also jemanden gebraucht, der in Wolfsburg schon relativ bekannt ist und auf Grund seiner politischen Erfahrung einen kurzen Wahlkampf erfolgreich führen kann. So bin ich zum Kandidaten gewählt worden. Ich bewerbe mich um das Direktmandat, ich will also die Mehrheit der Erststimmen erhalten. Die Situation ist aus meiner Sicht offen, da die Gewinnerin der letzten Landtagswahl  nicht mehr zur Wahl antritt.

Welche Vorbilder haben Sie?

Da gibt es für mich zwei Namen, die ich nennen will, beides Menschen, die kein geradliniges Leben geführt haben: Robert McNamara und Wilhelm Busch. Robert McNamara war 1960 der erste Chef der Ford Motor Company, der nicht aus der Familie Ford stammte. Er war US-Verteidigungsminister in der Kubakrise und im Vietnamkrieg. 1968 wurde er Präsident der Weltbank und hat dort viel Positives für die Dritte Welt bewirkt. Sein Weg vom „Falken“ zum Verfechter der weltweiten atomaren Abrüstung zeigt mir, dass sich Menschen immer auch positiv weiter entwickeln können. Wilhelm Busch hat wie ich Maschinenbau studiert und ist kurz vor dem Ende seines Studiums zur Kunstakademie nach Düsseldorf gewechselt. Maschinenbau, das Zeichnen und schelmischer Humor, das sind Dinge, die für mein Leben auch wichtig waren und sind.

Welche Konsequenzen muss Ihre Partei aus den Ergebnissen der Bundestagswahl ziehen?

Wir haben es im Bundestagswahlkampf nicht immer geschafft, unsere Grünen Zukunftsthemen wie den Klimaschutz, die Auswirkung von Digitalisierung und demografischem Wandel in den Mittelpunkt des Wahlkampfes zu stellen. Stattdessen haben wir Grünen uns in Diskussionen über das Ende von Verbrennungsmotoren verlaufen. Das bundesweite Ergebnis der Grünen ist für mich trotzdem überraschend gut gewesen. Eine „Jamaika“-Diskussion wie im Bund erwarte ich in Niedersachsen nicht, dazu haben sich die führenden FDP- und CDU-Politiker viel zu sehr in ihre politischen Schützengräben verbuddelt.

(Wie) Unterstützt Sie Ihre Familie in Ihrem politischen Engagement?

Ohne meine Familie ginge das nicht. Auch meine beiden Kinder und die beiden Enkelkinder sind für mich wichtige Bezugspersonen. Da ich auf Grund des Wahlkampfes drei Wochen daheim nicht so viel machen kann, hat meine Frau mir ein Versprechen für die Zeit nach der Wahl abgerungen. Darüber möchte ich hier aber nicht weiter sprechen.

Womit beschäftigen Sie sich außerhalb Ihrer Arbeit, wobei entspannen Sie?

Seit 2011 bin ich im Ruhestand, arbeite also nicht mehr. Ehrenamtlich bin ich im Kunstverein Wolfsburg tätig. In der Städtischen Galerie moderiere ich eine Gesprächsreihe, den Wolfsburger Kunst Salon, WKS. Aktivitäten im Bereich Kunst und Kultur sind für mich wesentliche Bestandteile meiner Freizeit. Ich male und zeichne selbst und habe an einigen Kunstwettbewerben teilgenommen.

Welchen Film haben Sie zuletzt gesehen/Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?

Ich bin kein regelmäßiger Kinogänger, in guter Erinnerung habe ich den grandiosen französischen Film „Der Vorname“, eine Komödie über Political Correctness. Und ich freue mich natürlich auf den nächsten James Bond mit Daniel Craig. Gelesen habe ich gerade das Buch „Die Gabe – Wie Kreativität die Welt bereichert“ von Lewis Hyde. Das Buch hatte ich im öffentlichen Bücherschrank in Detmerode gefunden, für den ich lange gekämpft habe.

Was schätzen Sie an Wolfsburg am meisten?

Unsere Wolfsburger Vorfahren waren 1945 ein zusammen gewürfelter Haufen aus wenigen Einheimischen, Flüchtlingen und anderen Heimatlosen. Auch ein Teil meiner Vorfahren waren Flüchtlinge aus Pommern, die als Ostseefischer hier gestrandet waren. In den 1960er Jahren kamen Flüchtlinge aus der DDR, eine große Zahl italienischer Arbeitsemigranten, später Russlanddeutsche und Tunesier. Dass aus all diesen so unterschiedlichen Menschen eine lebendige Stadtgesellschaft entstanden ist, dass wir hier bei aller Verschiedenheit und bei allen Unterschieden zusammen gewachsen sind, das schätze ich an dieser Stadt am meisten. Heute ist es normal, eine Pizza beim „Italiener“ zu essen. Die gleiche Normalität werden wir in Zukunft erleben, wenn wir zum „Syrer“ gehen, um Falafel zu essen.

Was würden Sie in Wolfsburg gern ändern?

Wolfsburg ändert sich immer wieder in rasantem Tempo, manchmal sind die Sprünge doch etwas heftig. Gerade im Wohnungsbau ist das manchmal so. Ich wünsche mir, dass die Bürger noch stärker von der Verwaltung mit einbezogen werden. Ich wünsche mir deutliche Verbesserungen für den Fahrradverkehr, kann mir gut eine Radwegverbindung zwischen Wolfsburg und Braunschweig vorstellen. Die könnte auf der alten Eisenbahntrasse über Lehre und Hondelage verlaufen. Als ich vor kurzem im Elsass war, habe ich in Straßburg, aber auch in Städten wie Molsheim oder Zabern, unendlich viele blühende Blumen im öffentlichen Raum gesehen. Jedes Brückengeländer, jeder Zaun, selbst Straßenlaternen waren mit Blumenkästen versehen. Das ist sicher nicht pflegearm, aber es macht eine Stadt doch sehr, sehr freundlich. Wolfsburg so zu erleben, wäre sicher traumhaft schön.

Nach dem Trainerwechsel: Was kann der VfL Wolfsburg in der neuen Fußballbundesliga-Saison erreichen?

Ich bin kein Freund von ständigen Trainerwechseln und Martin Schmidt hatte ich gar nicht auf dem Zettel. Er hat mich positiv überrascht, schon beim Spiel gegen Hannover 96. Ich habe seit 1997 eine Dauerkarte und seit Eric Gerets keinen Trainer erlebt, der so aktiv an der Außenlinie gearbeitet hat. So kann der VfL tatsächlich den Wandel zu Arbeit und Leidenschaft schaffen und im oberen Mittelfeld landen.

Welchen privaten Wunsch wollen Sie sich in diesem Jahr noch erfüllen?

Ich war in diesem Jahr noch nicht am Meer, außer Silvester in Kühlungsborn. Da würde ich in diesem Jahr gern noch ein Wochenende verbringen.

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