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Auge in Auge mit dem schwarzen Block

Wolfsburger Polizisten in Hamburg Auge in Auge mit dem schwarzen Block

20.000 Polizisten sicherten den G20-Gipfel in Hamburg – 35 Wolfsburger Beamte waren mittendrin im Geschehen. Zwei von ihnen schildern in der WAZ ihre Empfindungen über die Krawalle, den schwarzen Block und Gaffer.

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Krawalle beim G20-Gipfel: Hubertus Schrobsdorff und Aline D. waren in Hamburg im Einsatz.
 

Quelle: Britta Schulze

Wolfsburg/Hamburg.  Den eigenen Wasserwerfer im Rücken, den schwarzen Block vor Augen, Rauchschwaden über der halben Stadt - für 20.000 Polizisten war der Einsatz beim G-20-Gipfel in Hamburg eine ganz besondere Herausforderung. Mittendrin 35 Beamte aus Wolfsburg, deren Hundertschaft mit weiteren Kräften insbesondere die Elbphilharmonie zu sichern hatte. Und der erfahrene Polizeihauptkommissar Hubertus Schrobsdorff, vor Ort als Zugführer eingesetzt, sagt ganz deutlich: „Gerade für die jüngeren Kollegen war das ein sehr bedrückender Einsatz. Die Anspannung war nicht zu übersehen.“ Was ihn persönlich mehr verblüffte als die Gewaltbereitschaft vermummter Chaoten: Gaffer, die einfach nicht gehen wollen.

Schrobsdorff, 53, schilderte gegenüber Journalisten gemeinsam mit seiner Kollegin Aline D., 36, die Gefühle, die wohl auch viele der Kollegen am Wochenende bewegt haben. „Das war für jeden von uns erschreckend“, sagt Polizeioberkommissarin D. – aus polizei-internen Gründen kürzen wir ihren Namen hier ab. „Wir waren ja nicht direkt im Schanzenviertel im Einsatz. Aber wir haben immer gehofft, dass die Kollegen da alle gesund raus kommen.“

Die Luft brennt

Die Luft brennt: Der schwarze Block war in Hamburg nur auf Gewalt aus.

Quelle: epd

Kribbelig genug war aber auch der Einsatz rund um Elbphilharmonie und Hafencity. Am Donnerstag war die Lage dort noch „sehr ruhig“, sagt Schrobsdorff. Dann aber kam der Freitag mit dem Konzert in der Elbphilharmonie. Der Ort, an dem sich die Mächtigen der Welt bis hin zu US-Präsident Donald Trump treffen würden, wurde ab dem Mittag zum Ziel von Protestlern und Chaoten. Schon in einer normalen DGB-Demo seien 50 Vermummte mit marschiert, sagt der Hauptkommissar. Wenig später stieg Rauch auf, Leuchtmunition flog auf Polizeihubschrauber, dann kam die Info der eigenen Aufklärung: Der schwarze Block ist im Anmarsch. Die Wolfsburger und ihre Kollegen sicherten eine schmale Brücke, mehrfach wurden alle Menschen im Umkreis aufgefordert, den Bereich zu verlassen: „Der mögliche Einsatz von Wasserwerfer und Schlagstock wurde mehrfach deutlich angekündigt. Unbeteiligte hatten alle Zeit der Welt, sich zu entfernen“ – doch das taten viele zu Schrobsdorffs großer Überraschung nicht. Auch eine Gruppe junger Frauen, die weiter interessiert zuschaute. Ist es Sensationslust, Gier nach dem Spektakel? „Ich weiß es nicht“, sagt Schrobsdorff. Was er weiß: Stunden später passierten Mitglieder dieser Gruppe die Kontrollen, mit Akkreditierung für das Konzert in der Elbphilharmonie: „Die gehörten dort irgendwie zu den Beteiligten, spielten aber vorher die Gaffer – das war krass.“

Macht man sich Gedanken, warum Polizisten – Menschen, die halt eine Unform tragen – zur Zielscheibe nicht provozierter Gewalt werden? Nicht wirklich, sagt Schrobsdorff mit überraschendem Pragmatismus. Es gebe in unserer Gesellschaft nun mal Menschen, die reklamierten für sich einen rechtsfreien Raum – eine Realität, die er im Einsatzgeschehen schlicht akzeptiere: „Alles andere wäre fatale Selbstüberschätzung. Ich werde daran nichts ändern.“ Statt dessen sieht er seinen Job nüchtern und klar: „Ich versuche, meine Einheit so zu leiten, dass alle heil rauskommen und keiner plötzlich allein da steht. Das ist mein oberstes Ziel, unter dieser Prämisse erfülle ich meinen Auftrag.“

Sonnenaufgang vor der Elbphilharmonie

Sonnenaufgang vor der Elbphilharmonie: Da war die Welt für die Wolfsburger Polizeibeamten noch in Ordnung.

Quelle: Polizei

Die Wolfsburger Beamten kamen heil raus, allesamt. Und gewannen trotz aller Belastung eine mehr als wohltuende Erkenntnis. Ganz viele Bürger hätten Süßigkeiten an die Einsatzkräfte verteilt oder ihnen gedankt, einfach dafür, dass sie da waren und aufpassten. „Einen Einsatz mit so viel Rückhalt aus der Bevölkerung hatte ich wohl noch nie“, sagt Hubertus Schrobsdorff. Und Aline D. ergänzt: „Leute standen am Straßenrand und haben uns applaudiert. Da bekommt man Gänsehautfeeling.“

Anerkennung für einen Job, den wohl die wenigsten von uns gerne übernehmen würden.

Von Ulrich Franke

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