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Altdeutsche Bierstube wird 75

Wolfsburgs älteste Kneipe Altdeutsche Bierstube wird 75

Am 30. September 1942 wurde die „Altdeutsche Bierstube“ in der Schillerstraße eröffnet – Wolfsburgs älteste Kneipe. Mit Wehmut blickt der frühere Betreiber Andreas Weinert zurück.

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Wird beim Blick in die Fotoalben wehmütig: Andreas Weinert, der die Altdeutsche Bierstube, Wolfsburgs erste Kneipe, von 1988 bis 1994 führte.

Quelle: Sebastian Bisch

Wolfsburg. Im Clubraum wurde Wolfsburger Sportgeschichte geschrieben, am Tresen traf man sich zum Feierabend-Bier nach der Schicht, ganze Abiturjahrgänge feierten hier über Jahrzehnte ihre Ehemaligentreffen – die Altdeutsche Bierstube ist Kult. Am 30. September besteht Wolfsburgs erste und damit älteste Kneipe 75 Jahre.

Zur Eröffnung seiner „Bierstube Schlieffenstraße/Ecke Richthofenstraße“ lud Gründer Albert Wöhleke für den 30. September 1942, 20 Uhr, ein. „Mein Großvater erhielt damals unter 200 Bewerbern den Zuschlag für diese erste Kneipe in der Stadt des KdF-Wagens“, blickt Andreas Weinert (55) zurück. Er war der letzte Spross aus der Gründerfamilie, der die Geschäfte in dem Lokal von 1988 bis 1994 führte, dazwischen waren seine Eltern Hanna (als Tochter von Albert Wöhleke) und Horst Weinert über 25 Jahre lang die Chefs hinterm Tresen.

Jahrzehnte, in denen das Lokal mit der Wolfsburger Stadtentwicklung eng verknüpft war. Im und nach dem Krieg diente die Gaststätte als Ausgabestelle für Mahlzeiten, die in der VW-Großküche für die Bevölkerung zubereitet worden waren. Die Vereine VfL und FC trafen sich in den Gründerjahren im Clubzimmer, die Feldhandballer des VfL feierten hier ihre Deutsche Meisterschaft, Olympiasiegerin Hildegard Falck gab sich ebenso die Ehre wie Footballer oder Eishockeyspieler. „Das war schon immer eine Sportkneipe“, blickt Andreas Weinert zurück. Aber nicht nur: „Es war halt auch die typische Kneipe an der Ecke“ – das Feierabendbier und die Zigarre gehörten ebenso dazu wie deftige Hausmannskost aus der Küche.

Anfang der 60er Jahre gab’s 0,2 Liter Bier für 35 Pfennig, in Zeiten der Wirtschaftskrise in den 70ern führte Horst Weinert das „Kurzarbeiterbier“ (halbe Menge, halber Preis) ein. Bitter wirkte sich die Einführung der Vier-Tage-Woche bei Volkswagen aus, Andreas Weinert: „Der Freitag mit dem Bier zum Wochenende war ein ganz umsatzstarker Tag, das fiel dann weg“, erinnert er sich.

Seit über 20 Jahren heißen die Pächter nicht mehr Wöhleke oder Weinert, nicht der einzige Unterschied zu früher. „Die Zeiten haben sich grundlegend geändert“, sagt Andreas Weinert mit ein wenig Wehmut.

Kneipensterben, Siegeszug der Systemgastronomie – die Altdeutsche aber überlebte. Und wenigstens das ist ein gutes Gefühl, denn: „Die Geschichte meiner Familie ist mit der Geschichte der Stadt Wolfsburg über ein halbes Jahrhundert eng verbunden gewesen.“

Von Ulrich Franke

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