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Kein „Blanko-Scheck“ für Mega-Windrad in Ehmen

Ortsrat reichen Infos zum Thema nicht aus Kein „Blanko-Scheck“ für Mega-Windrad in Ehmen

Ist das wohl das endgültige Aus für das Mega-Windrad zwischen Ehmen und Wettmershagen? Der Ortsrat Ehmen-Mörse konnte sich gestern nicht dazu durchringen, eine grundlegenden Änderung des Flächennutzungsplans zu befürworten, die es erlauben würde, Windräder mit mehr als 100 Meter Höhe aufzustellen.

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Windkraft in Ehmen: Noch gibt es kein grünes Licht für das Mega-Windrad.

Quelle: Archiv (2)

Ehmen. Nein sagten die Politiker aber auch nicht – sie wollen nochmals beraten, wenn es mehr Informationen gibt.

206 Meter hoch wäre das Windrad, das die drei vorhandenen Anlagen der „Windkraft Ehmen GbR“ ersetzen soll (WAZ berichtete). Eckart Zipse ist einer von vier Landwirten, die sich zu diesem Privatunternehmen zusammengeschlossen haben und die alten Windräder vor 15 Jahren aufstellten. Jetzt sind die Unternehmer in Zugzwang, denn im Januar ändert sich die Förderung durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, möchten sie vor Jahresende eine Baugenehmigung fürs neue Windrad. Das würde laut Zipse mehr Leistung bringen als die drei alten zusammen; drei Megawatt statt 1,8.

Aus der Verwaltungsvorlage war diese Leistungssteigerung nicht hervorgegangen. Die PUG hatte deshalb im Vorfeld der Ortsratssitzung kritisiert, es gebe gar keinen Grund, die alten Anlagen überhaupt zu ersetzen.

SPD und CDU im Ortsrat standen dem Vorhaben grundsätzlich zwar positiver gegenüber, die von der Verwaltung vorgestellten Ergebnisse der bisherigen Untersuchungen zur möglichen Auswirkungen reichten ihnen aber nicht aus. Denn die Prüfungen sind noch nicht abgeschlossen. Auch wenn Hansgeorg Pudack vom Umweltamt mitteilte: „Es hat sich bisher kein K.O.-Kriterium aufgedrängt.“

„Bei so einer Entscheidung müssen wir die Bürger mitnehmen“, sagte Ortsbürgermeister Peter Kassel, „wir werden keinen Blanko-Scheck ausstellen.“

Zipse und seine Mitstreiter haben noch die Hoffnung, dass der Rat der Stadt am Mittwoch anders entscheidet. Trotz positiver Signale wird die Verwaltung ohne Beschluss nämlich keine vorläufige Genehmigung aussprechen.

Angst vor Schattenwurf und Infraschall

Zwei Hauptargumente führen Gegner neuer Windkraftanlagen ins Feld – sie kamen auch gestern Abend in Ehmen zur Sprache: Schattenwurf durch die Rotoren und Infraschall.

Eckart Zipse versuchte als Sprecher des vierköpfigen Privatunternehmens „Windkraft      Ehmen GbR“ diese Ängste zu entkräften. „Wenn wir den wissenschaftlichen Gutachten glauben, hat das neue Windrad keine schädliche Auswirkungen“, versicherte er. Detlev Koch vom Planungsamt unterstützte ihn: Der Abstand von 1000 Metern zur Bebauung sei auch bei großen Windrad-Höhen ein ausreichender Schutz für Menschen.

Allein: Kritikern im Publikum fehlte der Glaube. Zweifel an der Neutralität entsprechender Gutachten wurden murmelnd geäußert. Eine Anwohnerin berichtete nach der Sitzung, durch die drei bestehenden Windräder fühle sie sich nicht gestört, es sei doch aber klar, dass ein Rotor in doppelter Höhe andere Folgen habe. Große Angst hatte sie vor Infraschall – für das menschliche Ohr unhörbare Geräusche, die Auswirkungen auf das körperliche Wohlbefinden haben könnten: „Das können sie googeln.“

Laut einer Veröffentlichung des Bayerischen Landesamts für Umwelt wurden Folgen des Infraschalls tatsächlich bereits dokumentiert. Die Lautstärke von Windrädern sei jedoch so gering, dass hier nicht damit zu rechnen sei, heißt es in der Info-Schrift weiter. Detlev Barth (PUG) bemängelte aber, es gebe keine Langzeitstudien.

Diskussion startet zu spät

ein Kommentar von Andrea Müller-Kudelka

Uns Journalisten wird von Politik oder Verwaltung häufiger mal vorgeworfen, dass wir Themen schon in der Öffentlichkeit diskutieren, obwohl es noch gar keine fassbaren Ergebnisse gibt. Im Fall des Mega-Windrades von Ehmen wäre es aber wohl doch ganz sinnvoll gewesen, wenn sich alle etwas früher um das Thema gekümmert und auch die Bürger informier hätten.

Dann müsste jetzt niemand Bauchschmerzen haben, weil möglicherweise ein zukunftsweisendes Projekt von Privatleuten im Rahmen der Energiewende verhindert wird. Bereits im Januar wurden Verwaltung und Politik die Pläne angekündigt – und auch der Stichtag 1. Januar 2017 war bekannt.

Trotzdem stehen noch immer wichtige Prüfungen aus. Dass Politiker jetzt deshalb kalte Füße kriegen, kann ich verstehen. Schade ist es trotzdem.

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