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"Wir müssen kleine Schritte gehen"

Bundesliga "Wir müssen kleine Schritte gehen"

Die vergangene Rückrunde war nur ein „Vorspiel“, jetzt wird es ernst für Dieter Hecking. Der 48-Jährige steht vor seinem ersten Saisonstart als Trainer des VfL Wolfsburg. über seine Karriere und seine Ziele sprach er für das Bundesliga-Sonderheft 2013/14 mit WAZ/AZ-Sportredakteur Andreas Pahlmann. Auszüge:

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Sie waren Offensivspieler, hatten als Trainer aber lange den Ruf, eher defensiv zu denken...

Das stimmt ja nicht, Lübeck, Verl, Aachen – bei meinen ersten Stationen haben wir immer offensiven Fußball gespielt. Erst in Hannover wurde das ein bisschen anders. Als ich dort anfing, hat Präsident Martin Kind zu mir gesagt: „Trainer, es geht hier darum, jedes Jahr in der Bundesliga zu bleiben. Wie Sie das schaffen, ist mir egal.“ Und da hatte ich dann eine Mannschaft, bei der man spürte, dass sie gar nicht nach vorn ausgerichtet werden möchte. Dann spielst du eben von Haus aus erstmal defensiv. In Nürnberg war das dann ganz ähnlich.

Hat Sie einer Ihrer Trainer geprägt?

Ich würde eher sagen, dass es ein Beispiel gibt, das mich geprägt hat. In Leipzig waren wir totaler Bundesliga-Underdog, und Bernd Stange als Trainer hatte für diese Mannschaft und diese Situation genau den richtigen Ansatz: Er wollte, dass wir eklig spielen, defensiv spielen und dass sich die Gegner in unserem Abwehrnetz verfangen. Das lief richtig gut, von den ersten sieben Spielen haben wir nur zwei verloren. Dann standen in einer Zeitung plötzlich Geschichten über unseren angeblich destruktiven Fußball, nach dem Motto „Die Abwehr-Mauer muss weg“ – das war auch so ein bisschen an diese DDR-Mauer-Vergangenheit angelehnt. Stange ließ dann offensiver spielen, wir verloren gegen den HSV mit 1:4 und unsere innere Stabilität war plötzlich weg. Am Ende wurde Stange entlassen und wir stiegen ab.

In Hannover lief es fast drei Jahre gut, am Ende standen Sie sehr in der Kritik – und erlebten öffentlichen Gegenwind, den es für Sie vorher und nachher bei anderen Klubs nicht gab.

Das lag daran, dass ich in Hannover zuvor auch als Spieler gewesen bin. Da war ich einfach für viele der Dieter, auch für manche Journalisten dort. Da hieß es dann Dieter hier, Dieter da, komm wir telefonieren und so weiter. Ich habe den Fehler gemacht, das zuzulassen. Dadurch wurde ich angreifbarer. Doch daraus habe ich gelernt. Ich schotte mich auch mal ab. Damals kam auch noch erschwerend hinzu, dass ich jede Kritik immer sofort persönlich genommen habe. Das mache ich heute nicht mehr.

Sie hatten offenbar das Glück, dass sich für Sie immer zum richtigen Zeitpunkt die richtige Tür aufgetan hat. Nach dem Abschied aus Hannover kam ja relativ schnell Nürnberg...

Da war ich dann nicht in der Situation, lange warten zu können. Ich hatte mir ja noch nicht so den Namen als Bundesliga-Trainer gemacht. Länger abzuwarten, hätte vielleicht für mich bedeutet, wieder den Weg über die 2. Liga nehmen zu müssen. Auch deswegen war Nürnberg eine super Aufgabe, diesen Traditionsklub vor dem Abstieg zu retten. Das haben wir über die Relegation geschafft, dann ging es überraschend schnell nach vorn, mit Platz sechs, Platz zehn und einer guten Hinrunde 2012.

Entsprechend groß war die Verwunderung, als Sie dann nach Wolfsburg gingen.

Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich mich immer zu 100 Prozent mit meinem Verein identifiziere. Wenn ich in Aachen bin, gibt es nur Aachen, wenn ich in Nürnberg bin, gibt es nur Nürnberg – und in Wolfsburg ist es jetzt genauso. Das lebe ich auch jeden Tag. Aber damit bist du eben auch schnell, wenn du dich mal anders entscheidest, der Buhmann bei den Fans. Nach dem Motto: „Ja, aber er hat doch gesagt, es gibt nur uns.“ Irgendwann kommt aber eben der Punkt, wo du dich fragst: Was ist der richtige Schritt für dich? Ich hätte im vergangenen Dezember ja auch zu Klaus Allofs sagen können: Du, ich komme im Sommer. Das wollte Klaus Allofs aber nicht, also musste ich mich entscheiden. Und die Ausstiegsklausel hat das dann ermöglicht. Heute sage ich: Das war ein Zeitpunkt, der richtig gewählt war.

Sie haben Ihre Familie angesprochen, Ihre älteren Kinder sind zwischen 19 und 27 Jahren alt – also ziemlich genau in dem Alter, in dem auch Ihre Spieler sind. Hilft das im täglichen Umgang?

Perfekt. Du bist in den Themen drin, du weißt, was sie beschäftigt und welche Musik sie hören – auch wenn meine Spieler natürlich ganz anders verdienen und ihre Zukunft finanziell abgesichert ist. Da sind die Zukunftsthemen meiner Kinder und ihrer Freunde schon andere. Aber es ist schon sehr interessant, wenn meine Kinder am Sonntag erzählen, wen sie abends in Hannover so alles getroffen haben.

Spieler von 96?

Ja, auch Spieler. (grinst) Aber nicht nur von 96.

International zieht die Bundesliga im Moment, die Erfolge von Bayern und Dortmund haben die Liga attraktiv gemacht. Ist sie die beste Liga der Welt?

Wenn ich das Abschneiden unserer Vereine in der Europa League sehe, habe ich auch Zweifel. Wir sollten uns durch Bayern und Dortmund nicht zu sehr blenden lassen. Wir hatten keinen Klub im Europa-League-Viertelfinale, das spricht eher gegen die internationale Qualität der breiten Masse.

Der Rest der Bundesliga spielt 2013/14 um Platz drei hinter Bayern und Dortmund?

Danach sieht es im Moment aus.

Wo ordnet sich der VfL da ein?

Wenn wir Schalke und Leverkusen nehmen, fehlt uns noch was – aber so weit sind wir da auch nicht weg. Dann hast du Stuttgart, Gladbach, den HSV, dazu noch eine Überraschungsmannschaft, die oben mitmischt. Hannover hat Ansprüche. Bei Bremen muss man abwarten, ob sie in diesem Jahr schon so weit sind. Frankfurt oder Freiburg wollen den Erfolg wiederholen. Da hast du also schon ein richtig breites Mittelfeld. Wenn du dabei bist, brauchst du zwischendurch mal einen richtig guten Lauf, dann ist viel möglich.

  • Das vollständige Interview lesen Sie im WAZ/AZ-Sonderheft zur neuen Saison. Erschienen am 6. August 2013.
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