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Dieser VfL funktioniert nicht

VfL Wolfsburg Dieser VfL funktioniert nicht

Im 20. Jahr seiner Zugehörigkeit zur Fußball-Bundesliga befindet sich der VfL Wolfsburg in einer seiner schwersten Krisen. Am Samstag gab es nach einem unfassbaren Leistungseinbruch in der zweiten Hälfte eine verdiente 1:2-(1:0)-Niederlage gegen Bayer Leverkusen. Maxi Arnold hatte den VfL vor 26.400 Zuschauern in Führung gebracht, Ahmed Mehmedi und Tin Jedvaj drehten mit ihren Treffern innerhalb von nur vier Minunten das Spiel – und hinterließen in Wolfsburg Frust und wütende Fans.

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Admir Mehmedi (l.) ist frei, Ricardo Rodriguez kann nicht mehr eingreifen – Leverkusens verdienter Ausgleich.

Quelle: dpa

Wolfsburg. „Als Gruppe sehe ich das Team für den Abstiegskampf gerüstet“, sagte Manager Klaus Allofs hinterher. Viel mehr Mut-mach-Potenzial bot das Wochenende nicht.

Als Robin Knoche gegen Bayer nach wenigen Minuten verletzt raus musste, kam Hendrik Hansen aus der U 23 aufs Feld, bildete zusammen mit dem gelernten Linksverteidiger Ricardo Rodriguez die Wolfsburger Innenverteidigung. Dass der einzige einsatzfähige Innenverteidiger, Philipp Wollscheid, derweil mit schlechter Laune auf der Bank saß, sagt viel über die Probleme des VfL aus: Der Kader ist  miserabel zusammengestellt. Dass aktuell auch noch Verletzungspech dazukommt, entschuldigt die Versäumnisse nicht, sondern macht sie eher sichtbar. Allofs selbstkritisch: „Mit der Erfahrung, die wir jetzt gemacht haben, würden wir uns anders verhalten, auch ich persönlich würde das anders angehen, was die Gestaltung  der Mannschaft angeht.“

Die erste Halbzeit gegen Leverkusen war ordentlich, die VfLer wirkten geistig etwas frischer, das Spiel insgesamt selbstbewusster. Danach war‘s die alte Leier: Den wenigen Lichtblicken unter den VfL-Profis fehlt das Miteinander, der Rest ist verletzt, nicht in Form oder spielt, als wüsste er nicht, was er tun soll. Wofür steht der VfL, dessen VW-getriebener Anspruch auf das internationale Geschäft zunehmend unangemessen überehrgeizig wirkt? Für welchen Fußball? Seit dem Pokalsieg 2015 bleiben diese Fragen unbeantwortet; die Ratlosigkeit wurde am Samstag noch größer.  Allofs: „Wir haben gute Spieler im Kader, aber wir funktionieren als Mannschaft nicht. Jeder spielt weit unter seinen Möglichkeiten.“
Und dann ist da noch Julian Draxler.

Ausgerechnet der Mann, der die zentrale Figur im Wolfsburger Spiel sein soll (und es auch am Samstag überhaupt nicht war), wollte im Sommer weg – und ließ damit Allofs doof dastehen. Denn statt das Draxler-Problem zu lösen, hatte der Manager über Wochen offen und versteckt über alle Berichterstatter geschimpft, die es hatten kommen sehen. Und dass im Fahrwasser der Draxler-Diskussion Spieler wie Luiz Gustavo und Ricardo Rodriguez auf einen Abschied schielten, machte es nicht besser. Wolfsburg war der „Da-wollen-alle-weg“-Verein.

Und das stellt die Mannschaft bei den Fans bis heute unter einen generellen Untreue-Verdacht, der sich am Samstag in den „Scheiß-Millionäre“-Sprechchören nach Abpfiff in der Nordkurve und dann vor der Arena entlud. Man traut dieser Mannschaft nicht zu, dass sie als Mannschaft funktioniert oder auch nur funktionieren will. Und die zweite Halbzeit am Samstag sah leider so aus, als würden es sich die Spieler selbst auch nicht zutrauen.

Der Trainerwechsel blieb effektlos, was nicht an Interimscoach Valérien Ismaël liegt, aber auch keine große Überraschung ist. Zwar maulten die VfL-Profis immer mal wieder über das bisweilen eintönige Training unter Dieter Hecking, aber die sportlichen Probleme lagen woanders.

Und wo liegt die Lösung? Kurzfristig geht‘s seit Samstag um den Klassenerhalt – und  darum, ob man aus dieser Wolfsburger Spieler-Ansammlung mit viel individuellem Talent doch noch eine Mannschaft machen kann.

von Andreas Pahlmann

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