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Wie war das Jahr, Herr Knoche?

VfL Wolfsburg Wie war das Jahr, Herr Knoche?

Gut war‘s natürlich, dieses Jahr 2013 für Robin Knoche: Vom hoffnungsvollen Talent wurde der gebürtige Braunschweiger zum Stammspieler beim Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg – bei dem Verein, für den er seit der C-Jugend spielt. Keiner im Team ist so lange VfLer wie der 1,90-Meter-Abwehrmann.

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Im Gespräch: Robin Knoche und WAZ-Sportredakteur Andreas Pahlmann.

Quelle: Photowerk (he)

Für uns Grund genug, mit dem 21-Jährigen kurz vor dem Jahresende nochmal auf die letzten zwölf Monate zurückzublicken – nicht Woche für Woche, sondern anhand von vier Ereignissen, die den aufregenden Jahres-Verlauf des Innenverteidigers dokumentieren.

Ein paar Bundesliga-Einsätze unter Felix Magath hatte er schon im Karrierebuch stehen, als das Jahr begann. Dennoch musste er in die Regionalliga-Mannschaft, kämpfte sich zurück zu den Profis, hat seit seiner Einwechslung am 20. April in Bremen kein einziges Erstliga-Spiel mehr verpasst – und absolvierte die Hinrunde als bester VfLer in der WAZ-Notenstatistik.

3. Februar: Sein Jahr beginnt in der 4. Liga

WAZ: Gegen Cloppenburg und nicht gegen den FC Bayern – war es für Sie okay, dass Sie Dieter Hecking erst mal in der Zweiten spielen lassen hat?

Knoche: Ich habe zu der Zeit ja in der Woche bei den Profis trainiert, da fand ich es persönlich natürlich schade, dass ich dann bei den Spielen nicht dabei war. Der Trainer hat mit mir gesprochen, mir gesagt, dass er zufrieden ist. Aber die Tabellenlage war damals schwierig. Und die Konkurrenz war auch sehr groß. 

WAZ: Nie an einen Vereinswechsel gedacht?

Knoche: Nein. Es gab Anfragen, Paderborn und St. Pauli hatten sich im Sommer davor auch schon erkundigt. Aber es war immer klar, dass der VfL mich nicht gehen lässt – und ich wollte es lieber in der Bundesliga als in der 2. Liga probieren.

WAZ: Haben Sie in der Zweiten Innenverteidiger gespielt oder im Mittelfeld?

Knoche: Beides.

WAZ: Stimmt es, dass Sie eigentlich Spielmacher waren?

Knoche: Ja, bis zur B-Jugend, da bin ich dann immer weiter nach hinten gerutscht, weil in der Abwehr Leute ausfielen.

WAZ: Schwierige Umstellung?

Knoche: Andersrum ist es wahrscheinlich deutlich schwieriger. Als Verteidiger hat man das Spiel vor sich, da sieht man, was auf einen zukommt. Man sollte mit möglichst wenig Risiko spielen, denn wenn man den Ball verliert, hilft meistens hinter einem keiner mehr aus...

18. Mai: Vierter Startelf-Einsatz in Folge

WAZ: Am Saisonende standen Sie viermal in Folge in der Startelf. War das der Moment, in dem man sich als „echter“ Bundesliga-Spieler fühlt?

Knoche: So richtig glauben kann ich das manchmal immer noch nicht. Es ist manchmal noch so, dass ich denke: „Mensch, das ist richtig schön, da mitmachen zu dürfen.“ Ich freue mich auf jedes Spiel, ich freue mich jedes Mal, wenn ich aus dem Spielertunnel komme und von Anfang an spielen darf

WAZ: Wann hört man auf, alles über sich zu lesen?

Knoche: Ach, als Defensivspieler ist man in den Medien ja sowieso nicht so im Fokus. Und ich gucke montags wirklich nur ab und zu mal nach, welche Note mir der Kicker gegeben hat.

WAZ: Sie wurden schon „Mertesacker junior“ getauft und mit Mats Hummels verglichen – wenn Sie sowas lesen, denken Sie da manchmal „Die haben alle ‘n Vogel“?

Knoche: Ja, ehrlich gesagt schon. Man freut sich natürlich, wenn man Positives hört. Aber ich denke, ich kann das realistisch einschätzen.

WAZ: Oft wird beim Spielaufbau Ihr Nebenmann Naldo vom Gegner zugestellt, Ihnen hingegen lässt man Platz. Werden Sie immer noch unterschätzt?

Knoche: Ich denke schon. Wobei ich tatsächlich das kleine Problem habe, links auch mal den schwächeren linken Fuß  benutzen zu müssen. Aber auch das klappt mittlerweile ganz gut. Es ist okay, wenn ich da manchmal unterschätzt werde; für den Spielaufbau der Mannschaft ist das nicht schlecht.

5. Oktober: Die 0:2-Niederlage im Derby

WAZ: Sie wohnen noch in Braunschweig bei Ihren Eltern – wann soll sich das ändern?

Knoche: Es gibt keine konkreten Pläne. Würde ich jetzt nach Wolfsburg ziehen, wäre ich dann doch wieder relativ häufig dort, weil in Braunschweig, Freunde und Familie sind.

WAZ: Wie war denn der Freundeskreis so drauf nach dem 0:2 gegen Braunschweig?

Knoche: Es ging eigentlich. Es gab ein paar hämische SMS, die meisten habe ich ignoriert. Aber es war schon ärgerlich, die drei Punkte fehlen uns jetzt; allerdings war es auch ein Wachmacher. Die Niederlage, das Verletzungspech, das dann kam – da hat sich die Mannschaft zusammengerauft und ist noch geschlossener aufgetreten als vorher.

WAZ: War es für Sie nie ein Thema, als Braunschweiger für Eintracht zu spielen?

Knoche: Ich war sogar quasi schon da, das war in der E- oder D-Jugend. Aber in der Saisonvorbereitung gab es irgendwie Probleme mit dem Trainer, und dann sind wir mit mehreren Spielern geschlossen zu Olympia Braunschweig.

WAZ: Wieso dann der Wechsel in der C-Jugend zum VfL?

Knoche: Das lag auch an Trainer Mathias Stammann. Der hat alles mit der Schule und dem Fahrdienst geregelt, das war so gut organisiert, dass ich Fußball und Schule bis zum Abi 2011 gut unter einen Hut bringen konnte.

22. Dezember: Das Ende einer Top-Hinrunde

WAZ: Sie sind nach WAZ-Noten der beste VfL-Spieler der Hinrunde. Bedeutet Ihnen das was?

Knoche: Ist schön, aber darauf kommt es nicht an. Wichtiger ist natürlich der Erfolg der Mannschaft. 

WAZ: Als Spieler, der aus der eigenen Jugend kommt, stehen Sie auch so ein bisschen für den „neuen“ VfL. Fühlen Sie sich in der Rolle manchmal überfordert?

Knoche: Nein, ich denke, wir können gut damit umgehen, ich schließe Maxi Arnold da mal mit ein. Wir wissen, was von uns verlangt wird. Und der Trainer passt schon auf, dass nicht zu viel Druck aufgebaut wird. Und wenn man wie ich hier in der Region geboren wurde, ist es vielleicht schon was anderes, als wenn man aus dem Ausland hierher kommt – das heißt aber nicht, dass sich die anderen weniger mit dem VfL identifizieren.

WAZ: Für welchen Verein würden Sie gern mal spielen?

Knoche (lacht): Ich sag‘ jetzt mal Manchester United und Real Madrid, damit gleich klar ist, dass das nur Träume sind und keine Ziele.

WAZ: Hatten Sie Vorbilder?

Knoche: Ich hatte nie einen Lieblingsverein, immer nur Lieblingsspieler. Ich fand immer Marcelinho toll, da war ich dann quasi Hertha-Fan. Dann Bremen mit Micoud, Klose, Klasnic, die haben einen super Ball gespielt. Unter den Abwehrspielern war Rio Ferdinand früher immer eine Art Vorbild.

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