Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 4 ° wolkig

Navigation:
WAZ-Interview mit VfL-Kapitän Benaglio

VfL Wolfsburg WAZ-Interview mit VfL-Kapitän Benaglio

Er war nie ein Lautsprecher, sondern ein Leisetreter. Daran hat sich bei Diego Benaglio nichts geändert. Sportlich aber hat sich einiges verändert: Die langjährige Nummer 1 sitzt beim VfL in der Fußball-Bundesliga nur noch auf der Bank. Wie kann der VfL-Kapitän den in Schieflage geratenenen Wolfsburgern trotzdem helfen? Im Interview mit WAZ-Sportredakteur Engelbert Hensel sagt er es.

Voriger Artikel
Ex-VfLer Kutschke: So schlägt man die Bullen
Nächster Artikel
VfL gegen Leipzig wieder mit Gomez und Gustavo

Sein Wort hat immer noch Gewicht: Diego Benaglio verlor vor dieser Spielzeit seinen Posten als Nummer 1 der Wolfsburger. Nur im Pokal darf der Schweizer noch spielen. Allerdings: Der erfahrene Schlussmann ist weiterhin Kapitän - und will seinen Kollegen helfen, wieder in die Erfolgsspur zu finden.

Quelle: Imago

Nur sechs Punkte aus den ersten sechs Spielen - wie bewerten Sie den Start?

Die nackten Zahlen sind nicht rosig. Wir sind nicht da, wo wir sein wollen. Aber die Spiele waren eng, drei von den vier Unentschieden hätte man auch gewinnen können. Am Ende stehen vier Remis, eine Niederlage gegen Dortmund, bei der jedoch vieles in unserem Spiel gut war. Wirklich schlecht war die Leistung nur beim 1:2 bei Werder Bremen.

Steckt der VfL in der Krise?

Wir stehen unter Druck. Wenn man nur die Ergebnisse betrachtet, muss man sagen, dass wir in einer unangenehmen Situation sind - aber Krise ist für mich das falsche Wort.

In den vergangenen Jahren waren Sie stets die Nummer 1 beim VfL, jetzt sitzen Sie als Kapitän auf der Bank. Fällt es da schwerer, den Mitspielern zu helfen, sie zu packen?

Ich versuche, weiterhin voranzugehen, mich so einzubringen, wie ich es immer getan habe. Ich sehe es für mich als eine neue Herausforderung. Aber es ist natürlich nicht ganz leicht, wenn man am Wochenende nicht spielt. Doch ich versuche, unter der Woche viel zu beeinflussen.

Wie machen Sie das?

Den Spielern, die solch eine Situation erstmals erleben, versuche ich zu vermitteln, dass man weiter Gas geben muss, gleichzeitig aber nicht die Ruhe verlieren darf. Denn als junger Spieler fängst du schnell an, gewisse Dinge zu hinterfragen - aber das muss man jetzt noch nicht. Es sei denn, wir hätten sechsmal so schlecht gespielt wie in Bremen.

Die Fans werden unruhig...

Das ist doch normal, das ist Teil des Geschäfts. Wenn die Resultate ausbleiben, ist das eben so. Aber auch wenn um den Klub herum Unruhe da ist, dürfen wir jetzt nicht den Fehler machen und uns aus der Ruhe bringen lassen.

Wie schwer fällt es, gerade in solch in einer Situation auf der Bank sitzen zu müssen?

Natürlich ist das nicht leicht, gerade, wenn du gewohnt warst, immer zu spielen. Es ist schon komisch, wenn du bei den Spielen nicht mit aufs Feld läufst, sondern kurz nach dem Spieler-Tunnel Richtung Bank abbiegen musst. Aber ich habe in der Vergangenheit von meinen Kollegen eingefordert, dass der Erfolg der Mannschaft über allem steht. Das fordere ich auch von mir ein. An der Einstellung zum Beruf hat sich bei mir nichts verändert.

Nach den Spielen sind Sie meist einer der Ersten, der bei Koen Casteels ist. Ist das selbstverständlich für Sie?

Ja, klar. Koen kann ja nichts dafür, dass die Situation so ist, wie sie ist. Meine Konkurrenten in den vergangenen Jahren hier haben sich mir gegenüber immer fair verhalten. Es ist selbstverständlich, dass ich Koen genauso unterstütze wie die anderen Jungs in der Mannschaft auch.

In der Rückrunde der vergangenen Saison ist die Mannschaft auf dem Platz nicht als Einheit aufgetreten. Ist die Gruppe in dieser Saison stärker?

Absolut! Die Mannschaft zieht an einem Strang. In der Rückrunde konnte man den Eindruck gewinnen, es verfolgen nicht mehr alle ein Ziel, es sitzen nicht mehr alle im selben Boot - aber dieses Gefühl habe ich jetzt überhaupt nicht. Im Training ist Zug drin, da ist Feuer drin. Gerade jetzt müssen wir als Einheit stark sein - und das sind wir.

Welchen Eindruck macht Trainer Dieter Hecking auf Sie?

Er ist sehr fokussiert und konzentriert darauf, uns das an die Hand zu geben, was wir für die nächsten Aufgaben brauchen.

Reden Sie öfter mit ihm als sonst?

Er fragt schon mal, wie ich gewisse Dinge wahrnehme. Wir tauschen uns intensiv aus, aber nicht mehr als sonst.

Wie oft sprechen Sie derzeit mit Julian Draxler und Mario Gomez, die dickste Möglichkeiten nicht nutzen konnten?

Ich rede gern mit beiden, weil beide gute Typen sind, die Erfolg haben wollen. Natürlich versuche ich, Einfluss zu nehmen. Aber Mario braucht keine Tipps von mir. Er hat auf höchstem Niveau nachgewiesen, was er kann. Er weiß, wo die Hütte steht. Das hat er in der Vergangenheit leider auch gegen mich bewiesen... Das Einzige, was man ihm mitgeben kann, ist: ,Deine Qualität ist nicht weg‘. Von uns zweifelt keiner an Mario und an Julian.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Aktuell