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Vier Tage, vier Themen: Maxi Arnold und sein 2015

VfL Wolfsburg Vier Tage, vier Themen: Maxi Arnold und sein 2015

Jahresende, Bilanzzeit: Maxi Arnold (21) hat zusammen mit WAZ-Sportredakteur Andreas Pahlmann auf sein 2015 zurückgeblickt – vier Tage führten zu vier Themen, die für den Mittelfeldmann das Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg von Bedeutung sind.

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Der größte Triumph: Ein Titel bleibt für immer, sagt Maxi Arnold in seinem persönlichen Rückblick aufs Jahr 2015.

30. Januar 2015: Der VfL gewinnt zum Rückrundenstart mit 4:1 gegen den FC Bayern

WAZ: Das 4:1 gegen die Bayern im Januar war auch eines Ihrer besten Spiele für den VfL. Haben Sie das Gefühl, endgültig in der Bundesliga angekommen zu sein?
Arnold: Wann ist man angekommen? Vielleicht kann man das erst nach der Karriere im Nachhinein richtig einordnen. Aber ich war dann nach dem Bayern-Spiel ja auch regelmäßig in der ersten Elf. Da hat man dann schon das Gefühl, fester Bestandteil der Mannschaft zu sein.

WAZ: Hatte die Mannschaft nach dem Spiel das Gefühl: „So, jetzt haben wir die Bayern gekriegt“?
Arnold: Nee, die sind ja immer noch meilenweit weg, spielen seit Jahren auf einem extrem hohen Niveau. Da kann man nicht einfach sagen: „Jetzt haben wir sie gekriegt“. Aber man hat vielleicht weniger Angst. Am Abend vor unserem Pokalhalbfinale in Bielefeld haben wir mit der Mannschaft das andere Halbfinale im Hotel geguckt. Und da war uns schon klar: Egal, ob sich da jetzt Bayern oder Dortmund durchsetzt, wir können beide schlagen.

WAZ: Hat das 4:1 eine breite Brust für den Rest der Saison gegeben, die dann ja mit Platz zwei und dem Pokalsieg endete?
Arnold: Vier Tage nach dem 4:1 haben wir 1:1 in Frankfurt gespielt. Da hatte sich das wieder erledigt mit der breiten Brust.

WAZ: Wie schaut man als Spieler eines anderen Klubs auf die Bayern und ihr Spiel?
Arnold: Sie spielen seit Jahren diesen dominanten Fußball, man guckt immer, ob man sich was abschauen kann – aber das ist manchmal gar nicht möglich. Das ist eine der besten Mannschaften der Welt, da hat man schon das Ziel, irgendwann vielleicht auch mal in so einer Mannschaft zu spielen.

WAZ: Sie wollen zu den Bayern?
Arnold: Nein (lacht), so war das nicht gemeint. Aber es gibt ja auf der Welt nur ein paar Vereine, bei denen jeder Spieler immer geehrt wäre, wenn sie anklopfen. Bayern gehört dazu.

30. Mai 2015: Der VfL wird mit einem 3:1 gegen Dortmund erstmals DFB-Pokalsieger

WAZ: Wo ordnen Sie für sich den Pokalsieg ein?
Arnold: Ganz oben. Erstes Bundesliga-Spiel, erstes Tor – das ist alles nach ein paar Jahren vielleicht vergessen. Ein Titel bleibt.

WAZ: Was hat Ihnen der Trainer vorm Finale gesagt?
Arnold: Er hat mich beim Abschlusstraining zu sich gerufen, da dachte ich schon: „Verdammte Sch..., hoffentlich lässt er mich nicht raus“. Mit einem Lächeln hat er dann gemeint: „Du spielst“, da war ich glücklich. Eine spezielle Aufgabe hatte ich nicht.

WAZ: Sie wurden in der 80. Minute ausgewechselt...
Arnold: Ich war völlig fertig, vor allem vom Kopf her. Die Tage davor hatten extrem viel Energie geraubt, das war ja alles komplett neu für mich, ich hatte so ein großes Spiel ja noch nie. Ich war froh, dass meine Freundin und meine Familie da waren. Ich habe sie vorm Spiel beim Aufwärmen gesehen, meine Familie hatte so eine grüne Fahne mit einer großen 27 drauf gebastelt. Da wusste ich: Egal was passiert, die wichtigsten Leute sind da, da fiel schon mal ein großer Teil der Anspannung ab. Und als das Spiel dann endlich angepfiffen wurde, war ich im Tunnel.

WAZ: Nach dem Spiel haben Sie Pierre Littbarski ein Bier über den Kopf gegossen.
Arnold: Um ehrlich zu sein: Wir hatten ihn vorher gefragt. Und er hat nur gesagt: „Ihr macht es ja sowieso...“

WAZ: Wann sind Sie aus dem Tunnel wieder raus?
Arnold: Ich bin am Montag mit meiner Freundin zu ihrer Uni gefahren, sie musste eine Klausur schreiben. Anschließend habe ich die knapp 200 Nachrichten auf meinem Handy beantwortet, danach ging‘s wieder.

27. Juni 2015: Für Arnold endet die U-21-EM ohne eine einzige Einsatzminute

WAZ: Mit der Euphorie des Pokalsiegs sind Sie zur U-21-EM gefahren...
Arnold: ...und habe da dann die Riesen-Enttäuschung erlebt. Schon im Vorfeld hatte ich gemerkt, dass der Trainer nicht unbedingt auf mich baut, aber ich konnte ja schlecht sagen: Ich komme nicht. Und man hofft natürlich immer, dass man noch ins Team rutscht, ich habe ja auch während des Turniers ordentlich trainiert.

WAZ: Hat Ihnen Trainer Horst Hrubesch erklärt, warum Sie gar nicht spielen durften?
Arnold: Nein. Aber ich habe so ein Gespräch auch nicht gesucht. Ich hatte so einen Hals, das hätte nicht viel gebracht.

WAZ: Wie sind Sie, wenn Sie „so einen Hals“ haben?
Arnold: Ich fahre dann schon mal schneller aus der Haut. Wenn in meinem privaten Umfeld dann einer was Falsches sagt, fühle ich mich schneller angegriffen. Ich bin deutlich reizbarer, leider. Deshalb ist es für meine Mitmenschen eigentlich besser, ich spiele immer (schmunzelt).

WAZ: Während der EM tauchten auch das erste Mal Bilder von Ihnen und Ihrer Freundin auf. War das okay?
Arnold: Ich bin schon eher froh, wenn sie oder auch meine Familie nicht auf Bildern zu sehen sind, weil ich das Private eigentlich raushalten möchte. In dem Moment war sie ein bisschen mein Blitzableiter, deswegen war ich auch glücklich, dass sie da war.

WAZ: Nach der EM haben Sie dann wieder für die U 21 gespielt...
Arnold: Ja, gegen Aserbaidschan – und dann trotz guter Leistung im Spitzenspiel gegen Österreich wieder nicht. Ich hatte gegen Aserbaidschan ein Tor gemacht und eines aufgelegt – und darf dann gegen Österreich die letzten acht Minuten ran. Das sind Dinge, die gehen nicht.

WAZ: Wie geht es mit Ihnen und dem Adler auf der Brust weiter?
Arnold: Wäre gut, wenn die U 21 langsam vorbei ist (lacht) und dann die A-Nationalmannschaft kommt. Aber im Ernst: Natürlich ist das ein Ziel. Allerdings ist auf meiner Position die Konkurrenz besonders groß – Kroos, Gündogan, Khedira, Schweinsteiger, die haben alle schon immens viel Erfahrung.

WAZ: Vielleicht nach der EM 2016?
Arnold: Immer langsam. Erstmal muss ich mein Level in der Liga halten.

12. Dezember 2015: Arnold erzielt beim 1:1 gegen den Hamburger SV sein erstes Saisontor

WAZ: Am vorletzten Hinrunden-Spieltag haben Sie endlich Ihr erstes Saisontor geschossen – und das auch noch aus Mittelstürmer-Position...
Arnold: Das habe ich von Bas gelernt (grinst). Ich hätte mich natürlich noch mehr gefreut, wenn wir das Spiel gewonnen hätten, aber Tore schießen ist immer noch das Geilste beim Fußball – und zu Hause ist es noch geiler.

WAZ: Sie kommen nicht mehr so oft zum Toreschießen, weil Sie etwas defensiver spielen. Vermissen Sie es?
Arnold: Ja.

WAZ: Als Sie eine Weile nicht zur ersten Elf gehörten, sprach der Trainer davon, dass Sie mehr Zug zum Tor zeigen sollen. Hat er Ihnen das erklärt?
Arnold: Nein, ich bin ja nicht blöd, ich weiß schon ganz gut selbst, was ich zu machen habe – außer vielleicht beim U-21-Nationaltrainer (lacht), da weiß ich es manchmal echt nicht. Beim VfL hatte ich teilweise nur einen Schuss pro Spiel. Es wäre schon besser, wenn ich mal einen Gegenspieler ausspiele und dann auch mal aus 25 Metern abschließe. Ob ich das hinkriege oder nicht, liegt ausschließlich an mir. Ich weiß einfach, dass ich da noch besser werden kann.

WAZ: Ist die Umstellung vom offensiven aufs defensive Mittelfeld schwer?
Arnold: Ich bin für mehr Defensivarbeit zuständig – klar, das muss man vom Kopf her erst einmal annehmmen.

WAZ: Müssen Sie auch mehr grätschen?
Arnold: Nein, das mache ich nicht, das habe ich noch nie gemacht, auch im Training nicht. Ich habe das Timing dafür gar nicht. Wenn ich das versuchen sollte, würden alle zurecht mit mir schimpfen. Nein, wenn ich mit Luiz Gustavo zusammenspiele, macht er das. Er kann das echt besser.

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