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Vieirinha: Ich habe das Fahrrad des Trainers versteckt...

WAZ-Interview Vieirinha: Ich habe das Fahrrad des Trainers versteckt...

Beim VfL ist er eigentlich der Offensiv-Dribbler. Doch nachdem sich gleich drei Rechtsverteidiger verletzt haben, muss Vieirinha nun den Abwehrspieler geben. Der Portugiese macht es wie immer im Leben: mit einem Lächeln. Kabinen-DJ, Spaßvogel und einer der besten Fußballer im Kader – im Trainingslager des Wolfsburger Fußball-Bundesligisten unterhielt er sich mit WAZ-Sportredakteur Robert Schreier.

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WAZ: Vieirinha, Sie sind der Mannschafts-DJ. Welche Musik würden Sie zur aktuellen Situation des VfL auflegen?

Vieirinha: Wir arbeiten hart, um in Form zu kommen. Eigentlich müsste die passende Musik jetzt schneller sein.

WAZ: Wie fit sind Sie in Ihrer neuen Rolle als Rechtsverteidiger?

Vieirinha: Okay, es ist nicht meine Traumposition. Aber ich bin da, um der Mannschaft zu helfen. Wenn wir so viele verletzte Spieler auf einer Position haben, müssen wir etwas anderes probieren. Dafür, dass ich das lerne, trainieren wir.

WAZ: Auch im neuen 3-5-2-System ist Ihre Rolle eine andere. Da sind Sie auf der rechten Außenbahn ganz allein...

Vieirinha: Das stimmt, und es ist vielleicht sogar noch ein bisschen schwieriger. Als Rechtsverteidiger weißt du, dass du einen Spieler vor dir hast. Wenn du allein auf dem Flügel bist, musst du lernen, richtig zu laufen. Du musst verteidigen und attackieren.

WAZ: Wenn Sebastian Jung als erster Rechtsverteidiger in zwei Wochen wieder fit ist, rücken Sie vor ins offensive Mittelfeld. Aber die Konkurrenz ist größer geworden. Dort hat während Ihrer Verletzung Kevin De Bruyne gespielt...

Vieirinha: Für jeden ist es schwerer geworden, in den Stamm zu kommen. Aber für mich ist es immer besser, wenn ich einen Konkurrenten habe. Mir hilft es, um härter arbeiten zu können. Aber Angst hat niemand vor seinem Konkurrenten. Für den Trainer ist es jetzt schwerer zu entscheiden.

WAZ: Es sieht so aus, als ob Sie immer Spaß bei der Sache haben. Kein anderer lacht so viel wie Sie. Sie gelten als Spaßvogel der Mannschaft...

Vieirinha: Als ich verletzt war, war das alles andere als lustig. Aber die meiste Zeit ist es doch so: Du musst genießen, was du machst - jeden Tag musst du es mögen. Gut, in den Trainingslagern ist das Laufen nicht zum Genießen. Aber das geht ja auch vorbei. Es gibt immer die richtigen Momente für harte Arbeit, Spaß und Ausruhen. Hier habe ich viel Spaß.

WAZ: Was war Ihr bester Gag der Vorbereitung?

Vieirinha (lacht): Der beste? Ich glaube, als ich in Bad Ragaz das Fahrrad des Trainers auf einen Kühlschrank gelegt habe, um es zu verstecken. Aber er ist nicht der Einzige, mit dem ich solche Scherze mache...

WAZ: Genießen Sie gerade den Fußball auch so, weil Sie nach einem halben Jahr Verletzungspause wieder fit sind?

Vieirinha: Ja, mein Knie ist okay. Wie alle anderen Spieler werde ich zum Saisonstart bei 100 Prozent sein und werde keine Probleme mehr in der Saison haben. Für mich war wichtig, dass ich im WM-Kader war, auch wenn ich nicht so viele Minuten gespielt habe, wie ich es erhofft hatte.

WAZ: Woran lag das? Die portugiesische Presse hatte Ihre Einsätze gefordert...

Vieirinha: Es war die Entscheidung des Trainers. Er hat die anderen Spieler besser als mich gesehen. Er machte nicht, was die Presse forderte. Für mich war der Sommer aber dennoch wie ein Neubeginn. Ich hatte weniger Urlaub, konnte ihn zur Reha nutzen.

WAZ: Wie sah das aus?

Vieirinha: In meiner ersten von drei Wochen Urlaub nach der WM bin ich nach Portugal geflogen und habe hart an meinem operierten Knie gearbeitet. Dann bin ich mit meiner Familie nach Mykonos geflogen...

WAZ: Dort wurden Bilder von Ihnen und Ihrer Frau am Strand gemacht. Das freut nicht jeden...

Vieirinha: In Griechenland ist das normal. Wenn du dort Urlaub machst, weißt du, dass Paparazzi da sind. Damit musst du leben, und ich kann es auch, sonst könntest du im Urlaub nicht entspannen.

WAZ: Griechenland ist Ihre zweite Heimat, könnte Deutschland Ihre dritte werden?

Vieirinha: Ich liebe Griechenland, weil meine Frau von dort kommt und weil ich dort zum ersten Mal richtig Spaß am Fußball hatte. Mein erster Trainer dort, Fernando Santos, war wie ein Vater für mich. Er hat immer an mich geglaubt. Er war so wichtig für mich. Wenn ich ihn nicht als Trainer gehabt hätte, wäre ich jetzt vielleicht nicht hier. Aber Deutschland kann etwas Ähnliches werden. Es ist eine ganz andere Kultur hier. Aber es ist unglaublich schön, hier Fußball zu spielen. Es gibt im Moment kein anderes Land in Europa, das eine bessere Liga hat. Die Stadien sind immer voll. Und was für mich das Wichtigste ist: Ich spüre, wie die Fans in Wolfsburg mich mögen. Das ist eine Riesenunterstützung.

WAZ: Wie groß ist Ihre Vorfreude auf die Saison mit drei Wettbewerben?

Vieirinha: In Griechenland habe ich immer international gespielt. Es ist schön, wieder im Europapokal zurück zu sein. Wir wollen überall weit kommen...

WAZ: In der Bundesliga unter die Top Vier?

Vieirinha: Warum nicht? Wir waren in der vergangenen Saison so nah dran. Wir haben die Qualität, wieder solch eine Saison zu spielen.

WAZ: Bleibt nur die Frage, wie viele Tore Sie in dieser Saison schießen. Zu Beginn der vergangenen hatte Ihnen Aufsichtsrats-Chef Francisco Garcia Sanz einen Lamborghini versprochen, wenn Sie zehnmal treffen...

Vieirinha (lacht): Ich weiß nicht, ob das Versprechen auch für diese Saison gilt. Das müsste man ihn mal fragen. In der vergangenen Saison war die Wette dann ziemlich unfair. Zwei Wochen, nachdem ich das Angebot bekommen hatte, habe ich mich so schwer verletzt.

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