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Spricht Klartext: Allofs im großen WAZ-Interview

VfL Wolfsburg Spricht Klartext: Allofs im großen WAZ-Interview

Aus dem VfL hat er einen Spitzenklub und einen Pokalsieger gemacht. Dass Klaus Allofs (58) in der neuen Saison die Erfolge der letzten Spielzeit bestätigen will, hat er oft betont. Wie er die Situation eine Woche vorm Punktspiel-Start sieht, verriet der Manager und Geschäftsführer des Wolfsburger Fußball-Bundesligisten im Gespräch mit AZ/WAZ-Sportredakteur Andreas Pahlmann.

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VfL-Manager Klaus Allofs (r.) im Gespräch mit AZ/WAZ-Sportredakteur Andreas Pahlmann.

Quelle: Photowerk (he)

WAZ: Am Ende der vergangenen Saison haben Sie den FC Bayern kritisiert, nachdem er allzu leicht Spiele verloren hatte. Zuletzt flogen ein paar kleine Giftpfeile hin und her, weil der FCB gern das Supercup-Spiel in München ausgetragen hätte. Muss man ein bisschen auf die „Abteilung Attacke“ zurückgreifen, wenn man Bayern-Konkurrent ist?

Allofs: Ich bevorzuge es, lieber zu handeln als zu reden. Seit ich beim VfL bin, versuchen wir dem Klub noch mehr Selbstbewusstsein zu geben, auch als Appell an die eigenen Spieler. Wir machen uns nicht kleiner, als wir sind. Wir haben es aber auch nicht nötig, uns größer zu machen, als wir sind - wir sind groß genug.

WAZ: Groß genug, um die Bayern weiterhin immer mal wieder sportlich zu ärgern?

Allofs: Wir haben keinen Grund, überheblich zu werden oder uns unrealistische Ziele zu setzen. Wir möchten uns weiterentwickeln, uns unter den besten drei, vier Mannschaften etablieren, den Abstand zu den Bayern verkürzen. Aber wir sollten uns nicht in eine Position drängen lassen, in der man von uns erwartet, mit einem Drittel des Budgets die Bayern zu übertrumpfen. Ganz unabhängig davon werde ich weiterhin sagen, was ich denke. Wenn die Bayern meinen, der Supercup sollte in München ausgetragen werden, dann sage ich eben: Nein, aus unserer Sicht ist das falsch.

WAZ: Klingt, als könnte es zwischen Ihnen und Karl-Heinz Rummenigge ein so inniges Gegeneinander geben wie zwischen Uli Hoeneß und Willi Lemke vor 25 Jahren.

Allofs: Diesen Vergleich würde ich als Beleidigung auffassen.

WAZ: Wegen Hoeneß oder wegen Lemke?

Allofs: Wegen beiden. Ich finde, das hat damals den Qualitäten der beiden nicht entsprochen, wie sie sich da manchmal beharkt haben. Da habe ich an mich selbst einen anderen Anspruch, was den Umgang angeht. Sie werden von mir keine persönlichen Beleidigungen oder Angriffe hören.

WAZ: Das Duell Bayern gegen VfL ist ja auch deswegen sehr reizvoll, weil es keinen anderen Konkurrenten der Münchner in der Liga zu geben scheint...

Allofs: Man will uns zum Bayern-Jäger machen - aus verschiedenen Gründen. Ein Grund mag sein, dass man mehr Spannung möchte, das kann ich auch nachvollziehen. Andere wollen uns vielleicht auch in diese Rolle reindrängen, damit unsere Fallhöhe ein bisschen größer ist. Dann gibt es vielleicht auch welche, die von ihren eigenen Angelegenheiten ein bisschen ablenken möchten.

WAZ: In welche Kategorie fällt Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke?

Allofs: In die Kategorie „Konkurrenzverhalten“; der VfL und der BVB sind in der Liga Konkurrenten. Wären wir an 16. Stelle, würden sich vielleicht andere über uns aufregen, die dann aber wohl weniger Gehör fänden.

WAZ: Haben Sie sich über den Watzke-Spruch „Wir sind nach Titeln auf einen Laster geklettert, die Wolfsburger steigen in Lamborghini-Cabrios“ aufgeregt?

Allofs: Das ist zu sehr an der Oberfläche, als dass ich mich darüber aufregen könnte. Es führt nur leider dazu, dass die Leute das trotzdem aufnehmen und drüber reden. Ich würde mir wünschen, dass man dann gleich sagt: „Herr Watzke, das ist doch Quatsch, sie wissen doch ganz genau, dass Lamborghini eine Marke des VW-Konzerns ist und darum dafür genutzt wird.“

WAZ: Kurze, knackige Sätze verbreiten sich heutzutage halt leichter - ob sie Quatsch sind oder nicht.

Allofs: Dann bin ich vielleicht zu altmodisch: Ich glaube daran, dass es immer noch ganz viele Menschen gibt, die das richtig beurteilen können.

WAZ: Wie wichtig ist es, da sportlichen Erfolg entgegenzusetzen?

Allofs: Es ist das wirksamste Mittel. Natürlich erkläre ich bei jeder Gelegenheit, wie der VfL Wolfsburg wirklich funktioniert, um uns ein bisschen aus der Schublade zu befreien, in der wir hier und da noch stecken. Aber Erfolg spricht nun einmal viel leichter für sich, ist nicht so interpretierbar. Denn gewonnen ist gewonnen, ein Titel ist ein Titel. Und das sind immer die besten Argumente.

WAZ: Der VfL, so heißt es immer wieder, ist nur dank des VW-Geldes erfolgreich. Inwieweit können Sie es nachvollziehen, wenn Fans anderer Vereine so denken?

Allofs: Nachvollziehen kann ich das sehr gut. Ich selbst habe in meiner Bremer Zeit auch anders auf den VfL geschaut. Diese Diskussion und vielleicht auch eine ablehnende Haltung kann ich bei denen verstehen, die sich nicht so gut auskennen. Die, die sich intensiver mit uns beschäftigen, werden sehen: Das ist hier kein Mäzenatentum und auch keine Alimentierung des Fußballs durch den Konzern. Was wir liefern, der Gesamtwerbewert des VfL, ist inzwischen viel größer als das reine Invest von Volkswagen beim VfL.

WAZ: Der Gegenwert ist also höher als das, was VW dem VfL zahlt?

Allofs: Sehr viel höher. Alles andere würde ja auch bedeuten, dass wir nicht wirtschaftlich arbeiten. Und die im Rahmen des Financial Fairplay überprüften Zahlen bezogen sich auf die Saison 2013/14 - eine Spielzeit später kamen auch noch die Eröffnungsspiele der Hin- und Rückrunde dazu, die Vizemeisterschaft, das Pokalendspiel, dann noch der Supercup. Das erhöht den Wert jetzt noch mal. Es ist einfach falsch zu sagen: VW zahlt das alles. Nein, wir liefern insgesamt einen viel wertvolleren Gegenwert. Viele wollen das nicht begreifen - und sagen dann lieber: Der VfL bekommt das Geld einfach von VW. Schauen sie sich den FC Bayern an. Ich kann ja auch nicht sagen: Bayern ist so erfolgreich, weil Audi, Adidas und Allianz für ihre Anteile überzogen viel Geld investiert haben. Nein: Diese Anteile sind so viel wert, weil der FC Bayern diesen Wert geschaffen hat.

WAZ: Verglichen mit der englischen Premier League reden wir über kleine Summen. Muss man was tun, wenn der Letzte in England doppelt so viel TV-Geld bekommt wie der deutsche Meister?

Allofs: Wir müssen unsere Einnahmensituation verbessern. Ein Abstand zur Premier League war immer da, aber er darf nicht so groß werden, dass wir gar keine Chancen mehr haben, Spieler zu bekommen. Natürlich gibt es immer auch Argumente neben dem Geld. Aber das hat Grenzen, ich werde keinen Spieler überzeugen können, hier für die Hälfte zu spielen.

WAZ: Die Liga diskutiert weitere Anstoßzeiten, um mehr TV-Geld zu bekommen. Spielt die Bundesliga bald auch am Montag?

Allofs: Ich glaube schon, ja - wenn man dadurch die Einnahmesituation verbessern kann. Es gibt ja keinen Grund, den Montag der 2. Liga exklusiv zu überlassen.

WAZ: Wird das wirklich spürbar mehr Geld bringen? Es gibt in Deutschland nur Sky - und anders als in England keine nennenswerte Konkurrenz unter den Pay-TV-Sendern.

Allofs: Entscheidend ist: Das Produkt, das wir als Bundesliga anbieten, muss für Sky interessant sein. Damit es interessant bleibt, brauchen wir die entsprechenden Voraussetzungen.

WAZ: Momentan ist die Liga bei uns spannend, weil das TV-Geld an alle verteilt wird. In Spanien etwa vermarkten sich die Klubs einzeln, Real und Barca erzielen darum Riesen-Erlöse. Die Bayern liebäugeln immer mal wieder mit einer Einzelvermarktung auch bei uns...

Allofs: Womöglich wäre das auch für den VfL gar nicht schlecht. Aber unser System, das von den Stärkeren Solidarität verlangt, hat sich bewährt - vielleicht nicht für die Einnahmesituation der Bayern, aber für die Spannung der Liga.

WAZ: Spüren Sie schon direkte Auswirkungen der finanziellen englischen Übermacht?

Allofs: Noch hat es keine direkten Auswirkungen auf uns direkt gehabt - André Schürrle, den wir jetzt wohl nicht mehr bekommen hätten, kam schon im Winter; Max Kruse hatte eine festgeschriebene Ablösesumme, Koen Casteels Wechsel stand sehr früh fest. Wir waren also aktuell nicht in Konkurrenz zu englischen Klubs.

WAZ: Aber die Diskussion um die vielen, vielen Millionen Pfund, die angeblich für De Bruyne geboten werden, zeigt doch schon, in welche Richtung es da geht.

Allofs: Ja, aber das macht uns nicht unruhig, weil wir das Heft des Handelns zu 100 Prozent in der Hand haben - das gilt nicht nur für Kevin, dass gilt auch für Ivan Perisic und andere Spieler.

WAZ: Wünschen Sie sich eine klare Entscheidung in Sachen De Bruyne?

Allofs: Wenn wir sagen: Es gibt kein Angebot und wir sind kein Klub, der verkaufen will, dann ist doch damit alles geklärt.

WAZ: Sie haben aber auch gesagt: Wenn Kevin wirklich irgendwann käme, um über einen Wechsel zu sprechen, würden sie sich damit beschäftigen...

Allofs: ...um ihm zu sagen, warum wir ihn nicht gehen lassen. Ich habe das immer so gehalten, auch in Bremen - wobei Werder ein Klub war, der auch verkaufen musste. Aber da mussten wir Spielern, die uns verlassen wollten, auch mal sagen: Nein. Und wir hatten Gründe dafür - der Zeitpunkt passte nicht, es war kein Ersatz zu bekommen oder die gebotene Ablöse war nicht hoch genug.

WAZ: Aber es ist doch ein Unterschied, ob die Zukunft eines Kevin De Bruyne besprochen werden muss oder beispielsweise die von Sebastian Jung - ohne ihm zu nahe treten zu wollen. De Bruynes Bedeutung fürs Team ist doch unfassbar groß.

Allofs: Wenn sie das nicht wäre, hätten wir doch die ganzen Diskussionen gar nicht. Wenn ein anderer Klub wegen Sebastian Jung anfragen würde, und wir „Nein“ sagen, dann wendet der Klub sich eben einem anderen Spieler zu. Aber von der Sorte De Bruyne gibt es in Europa eben nur ganz, ganz wenige, nur deswegen bleibt das ja immer wieder ein Thema.

WAZ: Wird Kevin De Bruyne mal die Champions League gewinnen?

Allofs: Ich hoffe mit uns (lacht).

WAZ: Könnte der VfL De Bruyne überhaupt ersetzen?

Allofs: Wenn es für De Bruyne eine Ersatzlösung gäbe, dann würden die anderen Klubs, die sich aktuell angeblich mit ihm beschäftigen, diese Ersatzlösung nehmen.

WAZ: Welchen Effekt hätte denn eine schnelle Vertragsverlängerung mit ihm?

Allofs: Was diese Diskussion angeht: Gar keinen.

WAZ: Warum wird dann darüber verhandelt?

Allofs: Das sind keine Verhandlungen, das sollte man vielleicht noch mal klarstellen. Wir wollen den bestehenden Vertrag verändern - egal, ob der dann weiter bis 2019 oder bis 2020 läuft. Das soll ein Signal sein, an Kevin und an andere Spieler. Denn wenn sich Spieler außergewöhnlich entwickeln, wollen wir das anerkennen - und uns nicht zurücklehnen, die Hände reiben und sagen: Prima, den haben wir jetzt bis 2019 zu super Konditionen unter Vertrag.

WAZ: Aber damit der VfL auch ein bisschen was davon hat, müsste man die Laufzeit doch wenigstens um ein Jahr verlängern.

Allofs: Das weiß ich noch nicht.

WAZ: Rein formal würden Sie ihm ohne Verlängerung damit Geld schenken.

Allofs: Nein, das ist einfach eine angemessene Würdigung seiner Leistung. Wobei es zugegebenermaßen etwas schade ist, dass das nie andersherum passiert.

WAZ: Dass ein Spieler kommt und sagt: Ich war nicht gut, zahlt doch mal etwas weniger?

Allofs: Oder dass einer sagt, macht doch aus meinem Garantiegehalt eine stark leistungsbezogene Entlohnung. Das wäre wirklich mal toll.

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