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Sportpsychologe: „So was kann sich festsetzen“

WAZ-Interview Sportpsychologe: „So was kann sich festsetzen“

Junior Malanda als Fehlschütze und die gesamte Mannschaft mit Konzentrationsproblemen - die VfL-Verantwortlichen schließen aus, jetzt einen Mentaltrainer zu Hilfe zu nehmen. Die WAZ fragte beim Sportpsychologen Werner Mickler nach, was in den Köpfen der Wolfsburger Bundesliga-Fußballer vor sich gehen könnte.

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Werner Mickler leitet die psychologische Ausbildung der Fußball-Lehrer-Schulung in Köln. Er gilt als einer der renommiertesten Sportpsychologen Deutschlands.

WAZ: Herr Mickler, Sie haben wahrscheinlich auch die Szenen von Malanda gesehen...

Mickler: Ja, natürlich. Und aus den Bildern heraus kann man erkennen, dass er sich meines Erachtens selbst so sehr unter Druck gesetzt hat, dass er den Ball fast nicht reinmachen konnte.

WAZ: Also keine Anzeichen von Lässigkeit oder verfrühtem Jubel?

Mickler: Nein, für Lässigkeit war gar keine Zeit. Ich vermisse sogar geradezu die Kaltschnäuzigkeit, was bei recht jungen Spielern aber normal ist. Vor allem beim zweiten Fehlschuss - jetzt gegen Frankfurt - war es wieder viel zu überhastet.

WAZ: Malanda gibt an, er habe sich in der Szene gesagt, dass er nicht an den Fehlschuss von München denken darf...

Mickler: Und schon hat man ein Vermeidungsziel im Kopf. Dabei muss man seine Aufmerksamkeit voll und ganz auf den positiven Ausgang einer Aufgabe legen.

WAZ: Trainer Dieter Hecking befürchtet, dass sich solche Szenen in Malandas Kopf festsetzen. Ist das eine Gefahr?

Mickler: Das Dominante an diesem Negativerlebnis sind die Konsequenzen: Die Aktionen haben Punkte gekostet. Das kann sich festsetzen. Das ist vergleichbar mit Prüfungsangst. Man hat mal eine schlechte Erfahrung gemacht - und immer, wenn man in eine ähnliche Situation gerät, hat man wieder Angst zu versagen. Das kann zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung werden. Aber gut ist, dass Dieter Hecking dieses Problem sieht. Ich halte ihn für einen sehr guten Trainer - auch in diesem Bereich.

WAZ: Wie kann man als Trainer da gegensteuern?

Mickler: Man arbeitet in diesem Fall immer unter dem Hinweis: Konzentriere dich nur auf das, was du zu tun hast. Man kann im Training Situationen schaffen, in denen der Spieler unter Zeitdruck schnell entscheiden muss. Oder aber man gibt ihm beim Torabschluss extra viel Zeit, damit er lernt, richtige Gedanken zu fassen.

WAZ: Noch eine Frage zur gesamten Mannschaft. Es ist aktuell immer wieder die Rede von Konzentrationsschwächen - wie kann man daran arbeiten?

Mickler: 90 Minuten volle Konzentration - das geht nicht. Wir gehen davon aus, dass man sie 20 bis 30 Minuten hochhalten kann. Die Kunst ist, im richtigen Moment zu regenerieren. Man muss die kleinen Pausen, die der Schiedsrichter bei Fouls, Einwürfen und so weiter schafft, nutzen, um kurz runterzufahren. Aber man muss auch sofort wieder den An-Schalter finden.

rs

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