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„Schluss mit großen Tönen“

WAZ-Interview „Schluss mit großen Tönen“

Klartext zum Saisonstart: Vorm VfL-Auftakt heute in Hannover stellte sich Diego den Fragen von WAZ-Sportredakteur Robert Schreier (l.). Der Spielmacher des Wolfsburger Fußball-Bundesligisten sprach über die Qualität der Liga, die Aussichten des VfL, seine Vertragsverlängerung und über Luiz Gustavo.

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Quelle: Boris Baschin

WAZ: Haben Sie das Champions-League-Finale und den Supercup zwischen Bayern und Dortmund gesehen?

Diego: Während des Champions-League-Finals war ich im Flugzeug, aber den Supercup habe ich gesehen. Auch wenn sie in der Bundesliga gegeneinanderspielen, schaue ich mir das gern an.

WAZ: Wie weit ist der VfL von diesem Level entfernt?

Diego: Das ist schwierig in Prozent auszudrücken. Aber es ist klar: Wir sind nicht Bayern München oder Borussia Dortmund. Wir sind der VfL Wolfsburg. Die beiden Vereine sind nicht unbedingt die richtigen Vorbilder. Sie haben lange auf dieses Niveau hingearbeitet, haben einige der besten Spieler der Welt. Es ist gefährlich, wenn wir auf den Platz gehen und die Spielweise der Bayern im Kopf haben. Wir müssen unsere Stärken und Schwächen kennen, Schritt für Schritt gehen. Und ich bin mir ganz sicher, dass wir eines Tages auf demselben Level wie Bayern und Dortmund sein können.

WAZ: Auf welchem Level steht der VfL im Augenblick?

Diego: Die Bundesliga ist eine der besten Ligen der Welt, vielleicht ist sie auf dem Weg an die Spitze.Viele wichtige Spieler wollen hier spielen. Und Wolfsburg kann im Augenblick auf dem gleichen Level spielen wie jedes andere deutsche Team, außer Bayern und Dortmund, die sind einen Schritt voraus. Aber zu den anderen Klubs kann ich keine großen Unterschiede erkennen.Wenn wir alles abrufen, können wir gegen jeden gewinnen. Daher denke ich, dass wir eine gute Saison spielen - wenn wir uns als Mannschaft noch verbessern.

WAZ: Dass der VfL auf diesem Level spielen kann, hört man vor fast jeder Saison. Ist es jetzt eine andere Situation?

Diego: Für mich persönlich ist es eine ganz andere Saison. Es ist das erste Mal seit Jahren, dass ich die Vorbereitung bei demselben Klub mache, bei dem ich auch die Saison spiele. Ich hatte mich vor zwei Jahren bei Juventus vorbereitet, dann aber die Saison mit Wolfsburg begonnen. Dann war ich mit dem VfL in der Vorbereitung und wechselte nach Madrid. Die Situation jetzt ist sehr positiv für mich. Und so denke ich, dass wir bereit sind, eine gute Saison zu spielen. Aber wir müssen etwas anders machen.

WAZ: Was denn?

Diego: Es ist wirklich wahr, dass wir Schritt für Schritt denken müssen. Wenn wir über Europa sprechen, sind das tolle Worte, das sieht in der Zeitung gut aus. Aber was bringt dir wirklich Respekt? Nur, was du tust, nicht, was du sagst. Also groß denken, ja. Denn wir haben eine gute Mannschaft, einen tollen Trainer, einen starken Manager. Es ist Schluss mit großen Tönen - wir müssen eine andere Ausstrahlung zeigen.

WAZ: Aber Sie sagen, es geht schrittweise auf das höchste Level. Wann darf der VfL dann wieder von Europa träumen?

Diego: Nach den ersten drei, vier Spielen können wir entscheiden, worüber wir sprechen. Wenn wir da drei-, viermal gewonnen haben, können wir über Europa reden. Wenn wir wieder verlieren wie letztes Jahr, dann sprechen wir wieder über andere Dinge. Darum bin ich zwar optimistisch für die Saison, aber auch vorsichtig aus Erfahrung.

WAZ: Wie glücklich sind Sie in der Bundesliga?

Diego: Sehr, ich hatte die besten Jahre meiner Karriere in Deutschland. Die Erinnerungen sind toll, und ich hoffe, die Saison wird so gut wie eine dieser besten.

WAZ: Denken Sie nur an die kommende Saison oder an den langen Weg, mit Wolfsburg an die Spitze zu kommen?

Diego: Man muss aufhören, über die verschiedenen Möglichkeiten nachzudenken, sonst wirst du verrückt. Fußball ist der Moment. Das habe ich in meinem Leben gelernt. Du musst jetzt 100 Prozent da sein. Ich denke zum Beispiel gerade nur daran, gegen Hannover fit zu sein und zu gewinnen.

WAZ: Sind Sie in der besten Form Ihres Lebens?

Diego: Ja, ich bin sehr gut drauf. Mein Körper gibt mir das, was ich abrufe, und die Atmosphäre stimmt. Man braucht gute Ergebnisse, um noch stärker zu sein. Das ist im Moment da und macht mich glücklich.

WAZ: In einem Jahr läuft Ihr Vertrag aus. Wie lange können Sie gut ohne eine geklärte Zukunft leben?

Diego: Ich muss so lange warten, wie der Klub will. Aber die anderen Vereine kennen auch die Situation. Dann kommen die Angebote. Viele fragen mich, wie meine Zukunft aussieht. Dann muss ich denen antworten. Wenn ich hier keinen neuen Vertrag unterzeichne, muss ich meine Zukunft vorbereiten und irgendwann schauen, welche Optionen es gibt. Ich kann nicht vorhersehen, wann Stichtag ist, aber ab Dezember kann man bei einem anderen Verein einen Vertrag unterschreiben. Das weiß jeder. Aber ich denke auch noch nicht so weit, was im Dezember passiert. Der Saisonstart ist wichtig für mich. Ich will Wolfsburg helfen, nach oben zu kommen. Wenn das klappt, bin ich glücklich.

WAZ: Kann sich denn eine ungeklärte Vertragssituation auf Ihre Leistung auswirken?

Diego: Ich muss ja nicht lügen: Natürlich ist es ein tolles Gefühl, wenn der Klub zu dir kommt, und du spürst, dass sie dich mögen und schätzen; wenn du merkst, dass du wichtig für die Mannschaft bist. Es macht dich stark und selbstbewusst, wenn der Klub dich wirklich will und um dich kämpft.

WAZ: Was brauchen Sie, um gute Leistungen zu bringen?

Diego: Was ich brauche, habe ich beim VfL. Vor allem den Respekt und das Vertrauen der anderen Spieler, des Trainers und des Managers. Ich muss nicht um mehr bitten.

WAZ: Der VfL will Luiz Gustavo. Würde er die Mannschaft aufs nächste Level heben?

Diego: Er ist ein besonderer Spieler. Im Confed-Cup war er sehr stark. Er ist ein Top-Spieler. Und Top-Spieler machen den Unterschied. Wenn wir die Chance haben, ihn zu bekommen, wäre es fantastisch. Mit ihm wären wir als Team viel stärker. Das könnte uns helfen, eine gute Saison zu spielen.

WAZ: Was kann ihn überzeugen, nach Wolfsburg zu kommen?

Diego: Das ist seine persönliche Entscheidung. Ich weiß nicht, was er für seine Zukunft plant. Aber ich kann viele positive Dinge für den VfL sehen. Hier hat er eine große Chance, viele Spiele zu machen. Er kennt die Bundesliga, hier vertraut man ihm. Und er wäre in einer Mannschaft, die eine gute Saison spielen kann - vor allem, wenn er kommt. Wenn er andere Optionen hat: Bei Chelsea oder Real Madrid ist die Konkurrenz sehr hart. Da kann viel passieren. Er kann spielen oder nicht. Er muss es dort erst allen beweisen, das Risiko ist größer. Aber manchmal ist es im Leben nötig, ein Risiko einzugehen. Ich hoffe, er entscheidet sich für den VfL.

WAZ: Luiz Gustavo hat gute Chancen, bei der WM dabei zu sein. Wie groß sind Ihre Chancen?

Diego: Im Moment sind sie sehr klein. Aber das ist ein Anlass, um zu kämpfen. Die Tür ist nicht komplett zu. Für mich ist es nie möglich, die Nationalmannschaft zu streichen. Es ist mein großes Ziel, zurückzukehren. Dafür werde ich bis zum letzten Tag kämpfen.

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