Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -2 ° Nebel

Navigation:
Rodriguez: „Es wird mehr auf mich geachtet“

WAZ-Interview Rodriguez: „Es wird mehr auf mich geachtet“

Die vergangene Saison war seine beste – qualitativ und quantitativ. Als einziger Spieler des VfL Wolfsburg verpasste Ricardo Rodriguez keine einzige Minute in der Fußball-Bundesliga, spielte sich ins Notizbuch großer Klubs und legte für das Team der Schweiz auch noch eine gute WM nach. Was kommt jetzt in der neuen Spielzeit? WAZ-Sportredakteur Andreas Pahlmann sprach mit dem Linksverteidiger, der am Montag 22 Jahre alt wird.

Voriger Artikel
Bendtner mit dabei
Nächster Artikel
Auftakt: Hecking in Poker-Laune

WAZ: Ich habe alle Fotoarchive durchkämmt, die wir kennen - ich habe von Ihnen kein Bild mit offenen Haaren gefunden. Das ist doch kein Zufall...

Rodriguez: Nein (lacht), ich trage immer diesen Zopf. Offen sind meine Haare eigentlich nur, wenn ich schlafen gehe - aber da ist dann kein Fotograf dabei.

WAZ: Ist das Aberglaube oder Eitelkeit?

Rodriguez: Ich weiß nicht, ich hatte immer lange Haare, auch schon, als ich klein war. Ich habe früher auch mit offenen Haaren gespielt, allerdings mit so einem Band um die Stirn. Beim FC Zürich war‘s irgendwann Zopf und Haarband; und dann schließlich nur noch Zopf. Mittlerweile ist das eine Art Markenzeichen geworden. Mir gefällt es, und alle kennen mich so. Aber vielleicht lasse ich sie mir irgendwann schneiden.

WAZ: Markenzeichen ist ein gutes Stichwort; Sie sind in der vergangenen Saison vom „normalen“ Bundesliga-Spieler zum Bundesliga-Star geworden. Inwieweit merken Sie das selbst?

Rodriguez: Ich merke schon, dass ich im Fokus stehe, dass es eine andere Wahrnehmung gibt. Es wird mehr auf mich geachtet.

WAZ: Stört Sie das?

Rodriguez: Nein, gar nicht, ich finde das gut. Ich habe mir das ja auch erarbeitet. Viele erwarten viel von mir, auch jetzt für die neue Saison.

WAZ: Spürt man da den Druck?

Rodriguez: Ja, klar. Aber das ist ein positiver Druck, mit meinen Leistungen da weiterzumachen, wo ich in der vergangenen Saison aufgehört habe. Ich denke mir: Die Leute wissen, was du kannst - und jetzt wollen sie das weiterhin sehen. Das motiviert mich. Ich weiß, dass das nicht einfach wird. Wichtig ist es, am Boden zu bleiben.

WAZ: Wie leicht ist es, am Boden zu bleiben, wenn sich Real Madrid und Manchester United nach einem erkundigen?

Rodriguez: Leicht. Ich glaube, bei mir ist die Gefahr abzuheben nicht sehr groß. Ich habe meine Familie, meinen Berater. Sie kennen mich, sie sorgen dafür, dass ich am Boden bleibe.

WAZ: Hatten Sie in Ihrer Zeit als Fußballer jemals das Gefühl, dass es von Vorteil ist, Linksfuß zu sein? Die gibt es ja seltener als Rechtsfüße...

Rodriguez: Als ich klein war, habe ich das ja nicht so realisiert, dass ich den anderen Fuß nehme (lacht). Ob es ein Vorteil ist, weiß ich nicht. Aber ich finde es gut. Am besten ist es, wenn beide Füße funktionieren.

WAZ: Und?

Rodriguez: Bei mir klappt‘s.

WAZ: Wenn Sie den nächsten Elfer mit rechts schießen müssten...

Rodriguez: ...dann würde ich das tun!

WAZ: War eigentlich immer klar, dass Sie mal Fußballer werden?

Rodriguez: Mein Vater hat Fußball gespielt, in der dritten, vierten Liga. Er hat den Sport geliebt, hatte aber selbst nie die Unterstützung, die wir dann von ihm bekommen haben. Für meine Brüder und mich war Fußball deshalb immer ein großes Thema. Und als ich in der Schule war, war schnell klar, dass meine Leistungen dort... (grinst). Nun ja, sagen wir: Daraus hätte man beruflich nicht allzu viel machen können. Also habe ich mich darauf konzentriert, Fußballer zu werden, weil ich wusste: Das muss klappen.

WAZ: Hat es daheim in Zürich irgendwann mal eine Rolle gespielt, dass Ihre Eltern nicht aus der Schweiz kommen?

Rodriguez: Nein, eigentlich nicht. Wo ich aufgewachsen bin, gab es viele Menschen anderer Herkunft. Uns ging es gut, aber reich waren wir nicht. Wenn ich Schuhe brauchte, bekam ich welche - aber wir mussten halt auf den Preis schauen.

WAZ: War Geld ein Antrieb, Fußballer zu werden?

Rodriguez: Nein. Es war einfach immer ein Traum, Profi zu werden. Und meine Familie hat mich unterstützt.

WAZ: Ihre beiden Brüder sind auch Profis, sind Sie der talentierteste?

Rodriguez: Das kann man nicht sagen, weil wir drei verschiedene Positionen spielen. Aber ich glaube, wir sind alle drei gut. Ich bin allerdings der einzige Linksfuß.

WAZ: Warum spielt Ihr jüngerer Bruder Francisco jetzt für Chile?

Rodriguez: Weil Chile ihn nominiert hat.

WAZ: War das für Sie nie ein Thema?

Rodriguez: Sie haben einfach nie gefragt, ich bin ihnen in der Schweiz vielleicht nie so aufgefallen. Möglicherweise tut das dem chilenischen Verband jetzt weh, sie wollen den Fehler nicht noch mal machen und haben darum rechtzeitig Francisco nominiert. Ich selbst spiele seit der U 17 für die Schweiz und bin mir sicher, dass das eine gute Entscheidung war.

WAZ: Hat Ihr Bruder Sie deswegen um Rat gefragt?

Rodriguez: Nein, ich bin ja selten in der Schweiz, wir sehen uns leider zu selten. Er fragt mich schon ab und zu, dann sage ich, was ich denke. In diesem Fall muss er darauf hören, was sein Kopf und sein Gefühl ihm sagen.

WAZ: Spielen Sie in der Saison 2015/16 auf jeden Fall in der Champions League; wenn nicht in Wolfsburg, dann anderswo?

Rodriguez: Champions League ist ein Ziel, klar. Ob es was wird, weiß ich nicht. Wir sind eine super Mannschaft...

WAZ: Jetzt weichen Sie aus. Muss der VfL in die Champions League kommen, damit sie bleiben?

Rodriguez: Nein, das nicht. Außerdem denke ich wirklich nur darüber nach, dass wir es selbst mit dieser Mannschaft packen können.

WAZ: Haben Sie einen Plan für Ihre Karriere?

Rodriguez: Natürlich habe ich auch Ziele. Erst einmal will in dieser Saison der Mannschaft noch mehr helfen. Dann sehen wir weiter.

WAZ: Ihr Vertrag läuft noch bis 2016, der VfL kann sich eine vorzeitige Verlängerung vorstellen. Sie auch?

Rodriguez: Es muss alles stimmen. Aber noch haben wir darüber nicht gesprochen.

WAZ: Mit welchem Ziel geht die Mannschaft in die neue Saison?

Rodriguez: Wir wollen wieder zeigen, dass wir eine gute Mannschaft sind. Die neuen Spieler helfen uns dabei. Ziel ist es, oben mitzuspielen, vielleicht sogar noch besser zu sein als in der vergangenen Saison.

WAZ: Los geht‘s ausgerechnet bei den Bayern. Dort hat er VfL bisher nie eine Chance gehabt - diesmal wird das anders, weil...

Rodriguez: Weil wir bereit sind. Es wird nicht einfach, Bayern hat eine gute Mannschaft. Unsere kämpferische Einstellung wird stimmen, wir können da was mitnehmen. Und sowieso: Ich will immer gewinnen. Wir wissen nicht so genau, wo die Bayern stehen; sie wissen nicht so genau, wo wir stehen. Ich denke, das ist eine ganz gute Situation für uns. Wir geben alles. Ich habe ein gutes Gefühl.

WAZ: Ein Fehlstart in die Saison wäre nicht gut...

Rodriguez: Nein, aber in der vergangenen Saison sind wir auch mit einer Niederlage gestartet - und haben dann das zweite Spiel gegen Schalke zuhause 4:0 gewonnen. Im Fußball ist alles möglich.

Voriger Artikel
Nächster Artikel