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Pokalfinale: Hecking im großen WAZ-Interview

VfL Wolfsburg Pokalfinale: Hecking im großen WAZ-Interview

Er war gut gelaunt, er flachste – die Vorfreude auf das Pokalfinale war Dieter Hecking beim Interview mit den WAZ-Sportredakteuren Andreas Pahlmann und Engelbert Hensel deutlich anzusehen.

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VfL-Trainer Dieter Hecking im großen WAZ-Interview zum Pokalfinale

Quelle: imago

Der 50-Jährige hat den VfL Wolfsburg wieder in die Spur gebracht, er hat ihn wieder so stark gemacht, wie es der Fußball-Bundesligist bei seinem Titelgewinn 2009 war. Jetzt greift der VfL wieder nach einer Trophäe, dafür braucht es am Samstagabend im Olympiastadion gegen Borussia Dortmund einen Sieg. Einen Sieg gegen Borussia Dortmund mit Jürgen Klopp, den Hecking schon ganz lange kennt.

WAZ: Haben Sie sich schon ein Abschiedsgeschenk für Jürgen Klopp überlegt?

Hecking (stirnrunzelnd): Nein... Aber ich werde ihn ja nach dem Finale auch noch öfter sehen.

WAZ: Sie kennen sich schon ziemlich lange, haben zusammen mal in der Hessenauswahl gespielt - also eigentlich haben meistens Sie gespielt, er nicht. Waren Sie so deutlich besser?

Hecking: Nein, ich hatte nur die bessere Position, wir hatten nicht so viele Stürmer. Jürgen hat hinten rechts gespielt, da war mehr Konkurrenz.

WAZ: Haben Sie sich gut verstanden?

Hecking: Um ehrlich zu sein, fehlt mir da ein bisschen die Erinnerung, das ist jetzt 25 Jahre her. Aber es muss gut gewesen sein, weil wir uns auch danach noch gut verstanden haben - etwa bei Duellen in der 2. Liga, als er in Mainz und ich bei verschiedenen Zweitligisten gespielt habe.

WAZ: Wie wird das Treffen am Samstag in Berlin sein?

Hecking: Vor dem Spiel freundschaftlich, da wird geflachst. Danach geht‘s darum, das Spiel zu gewinnen, mit allen Mitteln, die man halt so draußen zur Verfügung hat. Und nach dem Spiel nimmt man sich wieder in den Arm.

WAZ: Was ist Klopp für ein Kollege?

Hecking: Er hat einen klaren Plan für ein Spiel, er hat einen höchst attraktiven Spielstil entwickelt, und er versteht es wunderbar, Fans und Medien für sich zu gewinnen. Diese Art ist ihm angeboren.

WAZ: Hätten Sie auch gern ein paar dieser Attribute?

Hecking: Nein, jeder hat seine Kernkompetenzen, um als Trainer erfolgreich zu sein. Wenn Jürgen etwas über mich sagen müsste, würde er vielleicht auch Punkte nennen, warum ich erfolgreich bin.

WAZ: Kann Klopp Bundestrainer werden?

Hecking: Das traue ich ihm zu, ja.

WAZ: Haben Sie ein bisschen Angst, dass der Klopp-Abschied wie eine große Themenglocke über diesem Endspiel hängt und der VfL dadurch in der Betrachtung zu kurz kommt?

Hecking: Das ist doch schon so.

WAZ: Ist ihnen das möglicherweise sogar ganz recht?

Hecking: Nein! Man sollte auf Seiten der Medien nicht den Fehler machen, das Spiel als solches außer Acht zu lassen und das Finale nur auf Klopp zu reduzieren. Darum geht es nämlich am Samstag nicht. Der Jürgen ist ja danach nicht verschwunden, sondern wird irgendwann wieder zurückkehren. Aber soll ich Ihnen ganz ehrlich mal was sagen?

WAZ: Gern.

Hecking: Ob das jetzt Jürgens letztes Spiel ist, und wie die Dortmunder damit umgehen, ob die Borussia das letzte Spiel von Klopp lähmt, beflügelt oder emotionalisiert, interessiert mich alles überhaupt nicht. Wir müssen uns selbst emotionalisieren, was aber nicht schwierig sein wird. Wir wollen den Menschen im Stadion und vor den Fernsehgeräten zeigen, warum der VfL in diesem Jahr den Sprung auf die nächsthöhere Stufe geschafft hat.

WAZ: Sehen Sie einen Nachteil darin, dass der VfL weniger Endspiel-Erfahrung im Kader hat als Dortmund?

Hecking: Es ist hilfreich, wenn du solche Momente schon mal erlebt hast. Auf der anderen Seite ist die Motivation automatisch hoch, wenn du zum ersten Mal in so einem Finale stehst. Man muss dann allerdings aufpassen, dass man nicht staunend durchs Olympiastadion läuft und zu sich selbst sagt: ,Wow, was geht denn hier ab?‘. Ein Aaron Hunt etwa hat in meinem Kopf fürs Finale eine wichtige Rolle gespielt, weil er diese Momente kennt. André Schürrle kennt sie auch, er hat ein richtig großes Finale schon gespielt; er weiß, wie Finale geht.

WAZ: Wie werden Sie es erleben?

Hecking: Ich hab‘ das Finale in Berlin bislang immer nur als Zuschauer erleben dürfen, dabei war der Wunsch immer da, einmal einer der Hauptbeteiligten zu sein. Die Tage davor fühlen sich gerade super an, die Vorfreude ist überall zu spüren.

WAZ: Können Sie das an einem Beispiel festmachen?

Hecking: Ich war in dieser Woche bei einer privaten Feier in der Nähe von Osnabrück, da waren Menschen, die mit dem VfL gar nichts zu tun haben. Da kam die ehemalige Stadtsportbund-Referentin aus Bielefeld auf mich zu und sagte: „Auf Sie müsste ich ja ganz böse sein, weil sie meiner Arminia im Halbfinale weh getan haben.“ Aber dann sagte sie: „Der VfL war einfach besser und jetzt wünsche ich ihnen alles Glück der Welt, dass sie auch gegen Dortmund gewinnen.“ Das ist ein schönes Beispiel dafür, dass um den VfL herum etwas passiert ist. Das haben leider noch nicht alle verstanden.

WAZ: Wer denn nicht?

Hecking: Ich möchte gar keine Namen nennen, aber gerade habe ich wieder gelesen, dass Klaus Allofs und ich sinngemäß Gewinner sind, weil wir weiterhin die VW-Millionen ausgeben dürfen. Darauf werden wir oft reduziert.

WAZ: Von vielen...

Hecking: Ja, und ein Stück weit kann ich es auch verstehen, wenn man als Außenstehender so oberflächlich an den VfL herangeht. Ich schließe nicht aus, dass mir das auch mal passiert ist, als ich noch nicht in Wolfsburg war. Aber man darf nicht vergessen, wie viel Arbeit drinsteckt. Und diese Arbeit mussten alle leisten, die hier im Verein sind - von der Mannschaft und dem Trainerstab bis zur gesamten Geschäftsstelle und allen Mitarbeitern, die sich gerade jetzt in der Woche vor dem Pokalfinale noch mal richtig reinknien. Diese Menschen hätten mehr Respekt verdient.

WAZ: Würde ein Sieg im Pokalfinale den Blick auf den VfL verändern?

Hecking: So lange diese Denke von Meinungsmachern in Deutschland geprägt wird, ist das wahnsinnig schwer. Klar kann man solche Dinge einfach abtun - und trotzdem denke ich, dass es immer wieder hilfreich ist, wenn man die Stirn zeigt und sagt: Macht nicht einfach so eine Schublade auf, sondern beschäftigt euch mit dem VfL! Wenn wir das Finale gewinnen, werden viele sagen, dass es nach diesem tollen Jahr verdient ist. Aber es wird auch wieder die geben, die sagen: Ohne VW ist das nicht möglich.

WAZ: Was entgegnet man denen?

Hecking: Dass auch Dortmund, der HSV oder die Bayern vor der Saison viel Geld ausgegeben haben. Es ist doch das gute Recht von VW, Geld zur Verfügung zu stellen. Dafür wird ja auch eine Gegenleistung erwartet. Und in diesem Jahr ist sie zu hundert Prozent erbracht worden.

WAZ: Ist das Pokalfinale unter der Überschrift „Echte Liebe gegen VW-Millionen“ zu sehen?

Hecking: Einige werden das Spiel so aufmachen. Das interessiert mich aus besagten Gründen nur am Rande. Entscheidend ist, dass wir es gewinnen wollen.

WAZ: Mit dem Satz „Das Stadion wird überwiegend gelb sein, wenn VW nicht dem ganzen Werk freigibt“ hat doch auch Jürgen Klopp diese Schublade aufgemacht...

Hecking: Ich habe diese Aussage nicht gehört, nur gelesen. Jürgen ist ein Meister des Wortes. Wenn die Aussage so gefallen ist, wird Jürgen wissen, dass wir ihr nur wenig abgewinnen können...

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