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Olic im WAZ-Interview: „Zum ersten Mal sind wir eine echte Mannschaft“

VfL Wolfsburg Olic im WAZ-Interview: „Zum ersten Mal sind wir eine echte Mannschaft“

Mit sieben Treffern ist er bester VfL-Torschütze der Hinrunde – Wolfsburgs Tor-Oldie Ivica Olic. Im Trainingslager in Abu Dhabi sprach er mit WAZ-Redakteur Robert Schreier über die aktuelle Saison und seine persönlichen Zukunftspläne.

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15 Tore sind sein persönliches Ziel für die aktuelle Saison: Ivica Olic trifft für den VfL so gut wie nie zuvor.

Quelle: Hermstein

WAZ : Herr Olic, tut solch ein Trainingslager mit 34 mehr weh als mit 22?
Olic : (lacht) Ich merke die Beine. Es ist schon anstrengend...

WAZ : Dabei sind Sie in der Form Ihres Lebens...
Olic : Ach, ich merke auch nach den Spielen, dass ich viel gelaufen bin. Ich brauche länger für die Regeneration. Aber ich habe mich gefreut, als Freunde mir neulich eine Statistik geschickt haben.

WAZ : Welche denn?
Olic : Dass ich der Bundesliga-Spieler mit den meisten Sprints bin. Da war ich stolz.

WAZ : Eigentlich machen Fußballer in zunehmendem Alter immer mehr mit dem Auge statt mit den Beinen. Warum ist das anders bei Ihnen?
Olic : Vielleicht würde ich weniger machen. Aber der Trainer verlangt von mir, dass ich viel nach hinten arbeite. Ich denke viel mehr an die Defensive als früher. Also muss ich jetzt noch mehr laufen als damals.

WAZ : Ist das neu für Sie?
Olic : Neu ist es nicht. Es ist das Gleiche, was wir bei Bayern gespielt haben, als Louis van Gaal da war. Damals hat Andries Jonker das System erklärt. Auch hier arbeitet er mit daran. In München war es für mich das erste Mal als Stürmer, allein vorne drin zu sein. Das war anfangs nicht so einfach. Jetzt sieht man, dass wir deutlich besser geworden sind.

WAZ : Der Trainer korrigiert Sie oft in den Einheiten. Lernen Sie als 34-Jähriger gerade viel?
Olic : Ab und an ist es gar nicht so einfach. Manchmal bin ich schon etwas müde, und dann kommt auch noch der Trainer und sagt etwas. Als junger Spieler war ich dann manchmal sauer. Jetzt weiß ich, dass der Trainer mich besser machen will. Das kann ich also nicht schlecht finden. Ich verstehe ihn.

WAZ : In was sind Sie heute besser als früher?
Olic : Ich bin viel ruhiger vor dem Tor. Als junger Spieler dachte ich immer, dass ich schon alles weiß. Wenn ich heute sehe, wie ich damals war, dann muss ich über mich lachen. Ich war so hektisch vor dem Tor...

WAZ : Warum sind Sie immer noch so gut?
Olic : Mein ganzes Leben war Training. Ich habe also eine gute Basis. Ich hatte nie Probleme damit, mich zu quälen. Ich hatte auch immer einen persönlichen Trainer, elf Jahre lang. Ich wusste nicht, was es heißt, müde zu sein. Ich wollte immer auf den Platz, um besser zu werden.

WAZ : Sie haben gesagt, dass Sie sich vorstellen könnten, zum Karriereende in Arabien zu spielen. Jetzt sind Sie gerade in Abu Dhabi. Ist das immer noch ein Ziel?
Olic : Ich habe mir ein Spiel der Golf-Liga im Fernsehen hier angesehen. Man sieht, dass es nicht die Belastung wie im europäischen Fußball ist. Ich denke, hier spielt man, wenn man ein, zwei Jahre vor der Rente steht. Ich weiß nicht, ob ich das will.

WAZ : Wie nah stehen Sie vor der Rente?
Olic : Wenn man 34 ist, kann immer etwas passieren, das die Rente nah kommen lässt. Aber ich habe noch jeden Tag Spaß und bin hungrig auf Tore und auf das Training. Und ich bin noch schnell. Das ist wichtig.

WAZ : Haben Sie sich Gedanken darüber gemacht, dass Sie vor dem letzten halben Jahr in der Bundesliga stehen könnten?
Olic : Es sind nicht viele Gedanken, weil ich in der Winterpause genügend Anfragen hatte, weiterzuspielen. Meine Söhne sagen, ich soll in der Bundesliga bleiben. Es ist die beste Liga der Welt. Das ist ein Problem für mich.

WAZ : Warum?
Olic : (lacht) Weil sie die Macht haben, Druck auf mich auszuüben. Sie sind mir wichtig.

WAZ : Also verlängern Sie beim VfL oder gehen zum HSV?
Olic : (lacht) Ich habe das noch nicht entschieden. Ich werde Anfang Februar mit dem VfL sprechen.

WAZ : Es ist vielleicht Ihr letzter Vertrag. Was ist das wichtigste Kriterium dabei?
Olic : Mir ist es nur noch wichtig, Spaß zu haben. Ich habe genügend Jahre in der Bundesliga gespielt. Ich muss nicht mehr aufs Geld schauen. Ich werde die Entscheidung treffen, die für mich und die Familie am besten passt.

WAZ : Vielleicht wird diese Saison eine der erfolgreichsten Ihrer Karriere...
Olic : Ja wir stehen im Moment ganz gut da. Aber ich sage: Es wird nicht einfacher. Bisher haben uns die Gegner auch mal unterschätzt, jetzt werden sie Druck auf uns machen. Jeder will jetzt den VfL Wolfsburg schlagen. Der Start in die Rückrunde wird ganz schwierig. Ich habe mit dem VfL nie gegen Hannover gewonnen. Und jetzt kommen sie mit einem neuen Trainer. Das ist gefährlich.

WAZ : Was ist nach oben drin?
Olic : Wenn wir wie in der Hinrunde nochmal 30 Punkte holen, stehen wir am Ende bei 60. Das wäre ein Traum. Wir haben gesehen, dass wir das können. Zum ersten Mal, seit ich hier bin, sind wir eine echte Mannschaft. Gute Spieler gab es hier immer...

WAZ : Was muss klappen, damit es die 60 Punkte werden?
Olic : Wir müssen konzentriert bleiben und mit der gleichen Begeisterung spielen. Wir müssen gewinnen wollen. Denn: Wenn wir zweimal verlieren, dann ist unser Polster nach hinten weg.

WAZ : Was ist mit dem DFB-Pokal?
Olic : Ich habe in meiner Karriere immer um Titel gespielt. In dieser Saison können wir auch einen holen. Der Pokal ist der kürzeste Weg. Ich habe meinen Traum...

WAZ : Von wie vielen Toren träumen Sie?
Olic : Der Trainer hat mir gesagt, dass er will, dass ich am Ende 15 Tore geschossen habe. Ich fühle mich gut. Ich kann das Ziel erreichen.

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