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Naaaaaldooooo!

VfL Wolfsburg Naaaaaldooooo!

Fußball-Bundesliga, 2:1 für den VfL gegen Eintracht Frankfurt, 29.200 Zuschauer. Das sind die Fakten, aber die können nicht wiedergeben, dass sich das Spiel am Samstag in Wolfsburg eigentlich auf einen Moment konzentriert. Diesen Moment nach achtundachtzigeinhalb Minuten, als Naldo ausholt.

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Und so geht der Ball mit 106 km/h rein: Frankfurt-Torwart Kevin Trapp hat keine Chance, Naldo dreht zum Siegtor-Jubel ab.

Die Wucht, mit der der Brasilianer dann schießt, ist auch die Wucht des Moments. 34 Meter, diesen Wert wird die TV-Technik später nachliefern, ist der Ball vom Tor entfernt; zwei oder vielleicht drei Minuten sind noch zu spielen. Auf dem Platz und drumherum wissen alle, dass nur eine Schluss-pointe, ein Sekunden-Showdown diesen Nachmittag retten kann.

Und der Ball fliegt.

Die, die dem Ball hinterherschauen, dürfen für einen Moment vergessen, was vorher war. Das unglückliche Gegentor durch Stefan Aigner, bei dem Timm Klose den Ball und seine weitere Einsatzfähigkeit verlor. Den Ballbesitz-Fußball, den der VfL vorher spielte, aber kaum zu Chancen kam. Die gute Gelegenheit von Maxi Arnold und die zwei weiteren Gefahren-Momente, die der VfL mit Hinterkopfball-Versuchen nach Freistößen heraufbeschwor. Das zweite Eintracht-Tor von Joselu, das hätte zählen müssen, weil es kein Abseits war. Und die Unruhe, die Kevin De Bruyne mit fahrigem, zu risikofreudigem Spiel verursachte – und doch dafür belohnt wurde, als er das 1:1 durch Ivica Olic mit feinem Trick vorbereitete.

All das verblasst, als der Ball auf 106 Stundenkilometer beschleunigt und eben genau die Flugbahn nimmt, die er nehmen muss, um diesen Moment zu etwas Besonderem werden zu lassen.

Ganz leicht küsst die Kugel unmittelbar über dem fliegenden Kevin Trapp noch die Latte, dann fällt sie ins Tor, und im Fanblock dahinter, beginnt der Wettbewerb: Wer schafft es, schnell von ungläubigem Staunen auf großen Jubel umzuschalten?

Naaaaaaaaaaldoooooo!

Wahnsinn, Hammer-Tor, drei Punkte für Europa. Dass Alex Madlung anschließend fast das 2:2 köpft, war sowas wie der Gag, den sich Filmemacher manchmal für nach dem Abspann aufheben. Nett, aber für die Dramaturgie nicht wichtig.
Denn das, was vorher war, war großes Kino.

apa

VfL-Traumtor! Manager Allofs dachte noch: „Bitte schieß‘ nicht...“

Es war das Siegtor, ein Traumtor, ein Hammer, eine Rakete, eine Erlösung für die Fans, ein Schock für den Gegner, eine Überraschung für die eigenen Kollegen: Naldo sorgte mit seinem 34-Meter-Treffer gegen Frankfurt für einen der schönsten Momente der Wolfsburger Bundesliga-Zeit.

Als der Innenverteidiger kurz vor dem Ende am Mittelkreis den Ball bekam und ausholte, wäre Manager Klaus Allofs am liebsten dazwischen gegrätscht. „Ganz ehrlich dachte ich: Bitte schieß‘ nicht! Aber das kommt davon, wenn die Spieler nicht hören“, meinte er schmunzelnd. Und auch Trainer Dieter Hecking gab zu: „Das Tor war für alle überraschend – auch für mich.“

Naldo kann seine Vorgesetzten verstehen: „Das haben sie gedacht, weil ich gegen Augsburg einen Schuss auf die Tribüne gejagt hatte. Aber diesmal hatte ich sehr viel Selbstvertrauen. Also dachte ich mir: Warum sollte ich nicht abziehen. Ich habe dann schnell gesehen, dass es auch mit dem Tor klappen kann.“

Nicht nur Allofs, wahrscheinlich alle in der Arena hatte der Brasilianer mit seinem Hammer überrascht. „Ein Zufall ist es zwar nicht, dass er da trifft. Naldo hat schon einige Tore aus der Entfernung geschossen. Aber dass der reingeht, ist auch nicht normal, sondern außergewöhnlich“, lobte Frankfurts Trainer Armin Veh – und bestätigte, dass gegen Naldos Strahl kein Kraut gewachsen ist: „Der ist haltbar, wenn der Torwart genau da oben in der Ecke steht. Aber so steht eben kein Mensch. Das kannst du nicht verteidigen.“

Ein Geheimnis stecke hinter den Naldo-Knallern nicht. „Wir trainieren das eben“, sagt er lapidar – muss aber zugeben, dass dieses Tor besonders war: „So habe ich auch noch nicht getroffen. Es war das schönste Tor meiner Karriere und es war für meine Familie. Ich freue mich einfach riesig!“

rs

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