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„Meine Mama war ein Fan von mir“

WAZ-Interview mit Luiz Gustavo „Meine Mama war ein Fan von mir“

Großer Medien-Tag für Luiz Gustavo: Der neue Mittelfeld-Star des Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg musste gestern einige Interviews geben. Zunächst sprach der Brasilianer in großer Runde, dann nahm er sich auch Zeit für Einzel-Interviews. Ein besonders emotionales führte der Ex-Profi von Triple-Sieger Bayern München mit den WAZ-Sportredakteuren Engelbert Hensel und Robert Schreier.

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WAZ: Wenn Sie auf den Platz gehen, geht Ihre rechte Hand kurz auf den Rasen – und was folgt dann bei Ihnen?

Luiz Gustavo: Ich spreche ein paar Worte zu Gott. Er soll auf mich aufpassen, auf meine Mannschaft und die gegnerischen Spieler, dass keiner größere Probleme bekommt und dass wir guten Fußball spielen.

WAZ: Haben Sie das immer schon gemacht?

Luiz Gustavo: Ja, viele Menschen in Brasilien sind sehr gläubig. Ich persönlich brauche das, schließlich habe ich in meinem Leben schon einiges mitgemacht. Es gab auch negative und schwierige Momente.

WAZ: Welche meinen Sie?

Luiz Gustavo: Meine Mutter ist gestorben, als ich 16 Jahre alt war.

WAZ: Inwiefern ist Ihre Familie damals noch enger zusammengerückt?

Luiz Gustavo: Wenn so etwas passiert, gehen dir viele Sachen durch den Kopf. In diesem Moment denkst du nicht an dich, sondern an alle, die dir wichtig sind. Ich bin damals weggegangen von zu Hause, um Fußball zu spielen.

WAZ: Es heißt, Sie hätten diese Karriere auch Ihrer Mutter zuliebe gemacht?

Luiz Gustavo: Ja, sie war ein großer Fan von mir und hat mir geholfen. Sie hat mich beim Fußball immer unterstützt. Heute kann ich sagen, dass ich viel für meine Mama und meine Familie erreicht habe und alle, die mir wichtig sind, unterstützen kann.

WAZ: In Wolfsburg haben Sie noch kein Zuhause gefunden. Was braucht es denn, damit Sie sich hier richtig wohlfühlen?

Luiz Gustavo: Nichts Besonderes, einfach nur genug Platz für meine Familie und mich sowie die Freunde, die mich besuchen werden.

WAZ: Ihre Verlobte Milene ist schwanger, wie groß muss denn das Kinderzimmer in diesem Haus sein?

Luiz Gustavo: (lacht) Klar, das ist wichtig, denn unser Baby kommt Ende Dezember, Anfang Januar zur Welt. Ich habe also noch ein bisschen Zeit, um Möbel zu kaufen. Meine Frau ist noch in Brasilien, sie wird aber in dieser oder in der nächsten Woche zu mir kommen.

WAZ: Apropos Kinderzimmer, wie war Ihre Kindheit?

Luiz Gustavo: In Brasilien haben viele Leute nicht viel. Ich war immer einer, der sein Geld selbst verdienen wollte. Ich wollte nicht, dass mir mein Papa etwas geben muss. Schon als Kind habe ich immer versucht, selbst etwas zu erreichen.

WAZ: Sie haben beim VfL vom ersten Tag an eine unheimliche Wertschätzung erfahren...

Luiz Gustavo: Das habe ich auch gleich gespürt. So etwas freut einen. Dafür möchte ich mich auch bedanken.

WAZ: Wonach streben Sie mit dem VfL?

Luiz Gustavo: Bei den Bayern bist du auf den Platz gekommen und warst der Favorit. Sich das zu erarbeiten, das braucht Zeit. Nichtsdestotrotz möchte ich diese Gefühl auch mit Wolfsburg erleben dürfen.

WAZ: Als Sie bei 1899 Hoffenheim gespielt haben, hatten Sie ein bisschen den Ruf, auf dem Platz ein Treter zu sein. Haben Sie sich als Spieler verändert?

Luiz Gustavo: Damals habe ich die eine oder andere Rote Karte bekommen. Man muss lernen, mit solchen Phasen umzugehen. Ich bin immer noch der gleiche Typ, jedoch mit ein bisschen mehr Erfahrung. Ich spiele ein bisschen anders, aber an meiner Aggressivität auf dem Platz hat sich nichts verändert.

WAZ: Sie können sich mit Ihren Kollegen auf Deutsch verständigen. Viele Brasilianer können auch nach längerer Zeit in Deutschland die Sprache nicht so gut. Warum ist das bei Ihnen anders?

Luiz Gustavo: (lacht) In Hoffenheim hatte ich ein Jahr Unterricht, danach habe ich alleine versucht, etwas zu lernen. Ein bisschen ist mir das gelungen, aber dennoch bleibt‘s für mich eine schwere Sprache...

WAZ: Wie verständigen Sie sich auf dem Platz mit ihrem Nebenmann Ja-Cheol Koo?

Luiz Gustavo: Wir sprechen Deutsch, er ist ein sehr guter Junge, der unglaublich Fußball spielen kann.

WAZ: Sprechen Sie eigentlich auch Bayerisch?

Luiz Gustavo: Nein, und meine Lederhose habe ich auch in München gelassen. Die brauche ich hier nicht mehr.

WAZ: Bei den Bayern hatten Sie den Spitznamen „Gustl“...

Luiz Gustavo: Ich hab‘ keine Ahnung, wer damit angefangen hat. Ab und an bin ich so gerufen worden, aber ich wusste erst nicht, warum.

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