Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
Lothar Matthäus: Darum ist der VfL heute Favorit gegen Bayer

WAZ-Interview Lothar Matthäus: Darum ist der VfL heute Favorit gegen Bayer

Er ist nicht nur Sky-Experte, er ist auch Leverkusen-Experte. Für den Pay-TV-Sender war Lothar Matthäus (52) vor einer Woche bei Bayers 1:2 gegen Schalke vor Ort, am Dienstag saß er bei Leverkusens 0:4-Pleite gegen Paris St. Germain am Mikrofon. Heute kommt er nach Wolfsburg – um mit der Sky-Expertenrunde das Spiel gegen Bayer Leverkusen zu analysieren. Zuvor sprach er mit WAZ-Sportredakteur Andreas Pahlmann über das Spiel, den VfL, die Wolfsburger Currywurst und natürlich über Felix Magath.

Voriger Artikel
Zusammenhalt für Europa: Hecking schwört sein Team ein
Nächster Artikel
Dieser Sieg macht ganz viel Hoffnung

WAZ: Herr Matthäus, was kann der VfL aus dem 0:4 von Leverkusen gegen Paris lernen?

Matthäus: Die richtigen Schlüsse wird Dieter Hecking bestimmt ziehen. Er hat das Spiel gesehen und wird wissen, was zu tun ist.

WAZ: Was ist das aktuelle Bayer-Problem?

Matthäus: Die Psyche. Das war am Dienstag deutlich zu merken. Nach dem frühen Gegentor war die Mannschaft sofort angeknockt - eine Kopfsache.

WAZ: Ist Bayer in der Krise?

Matthäus: Setzen Sie „Krise“ in Anführungszeichen, aber ja: Das fing schon vor der Winterpause an, mit den Niederlagen gegen Bremen und Frankfurt, gegen zwei Abstiegskandidaten also. Deswegen ist Wolfsburg für mich gegen Leverkusen auch Favorit.

WAZ: Was sagt es über den deutschen Fußball, wenn der Tabellenzweite der Bundesliga gegen Paris so untergeht?

Matthäus: Ich würde das nicht dramatisieren. Leverkusen hat in der Champions League gute Leistungen gezeigt, hat in der Gruppe gegen Schachtar Donezk gewonnen - das ist ein Verein mit großem finanziellen Spielraum und entsprechend qualitativ guten Spielern. Nein, das Spiel am Dienstag sagt eher etwas über die Qualität von Paris St. Germain aus. Das ist eine Weltklasse-Mannschaft, nicht nur wegen Ibrahimovic, sondern auch wegen Spielern wie Thiago Motta oder van der Wiel. Ich kenne den Präsidenten ganz gut, und glauben Sie mir: PSG möchte in der Champions League nicht nur ins Achtelfinale, die Pariser wollen die Champions League gewinnen.

WAZ: Wie sehen Sie den VfL?

Matthäus: Man hört das in Wolfsburg vielleicht nicht gerne, aber der VfL kann selbstverständlich die Champions League erreichen - und bei den Möglichkeiten in Wolfsburg müsste das eigentlich auch das Ziel sein. Nicht nur die Mannschaft, der ganze Verein ist in letzter Zeit seriöser, ernsthafter, stabiler geworden - sicher ein Verdienst von Klaus Allofs und Dieter Hecking. Nach dem Sieg in Berlin klopfen die Wolfsburger jetzt oben an. Und immer, wenn ich den VfL in dieser Saison gesehen habe, hat er mich überzeugt.

WAZ: Dass der Verein die Möglichkeit hat, ganz oben zu spielen, ist unstrittig - aber ist der aktuelle Kader auch stark genug?

Matthäus: Ich glaube schon. Diego ist nicht mehr da, dafür haben sie jetzt De Bruyne. Das ist keine Schwächung. Diego ist ein herausragender Fußballer, aber er war immer auch ein bisschen eine Primadonna.

WAZ: Kommen Sie gern nach Wolfsburg? Bei Ihrem letzten Besuch haben Sie nach der VW-Currywurst verlangt...

Matthäus: Ich probiere in jedem Stadion, was es da so zu essen gibt. Und wenn ich in Wolfsburg nach einer Currywurst frage, dann mache ich das meistens für Markus Merk (lacht). Der hat immer so viel Hunger und traut sich nicht, selbst zu fragen.

WAZ: In der sportlichen Leitung des VfL gab es seit der Meisterschaft viele Personalwechsel. Waren Sie selbst eigentlich auch mal für einen Job in Wolfsburg im Gespräch?

Matthäus: Nein, da gab es nie einen Kontakt oder eine Anfrage. Und ich bin mit meinem Job als Experte bei Sky auch sehr glücklich und würde das gerne noch eine Weile machen.

WAZ: Viele finden es langweilig und schädlich, dass die Bayern an der Spitze so einsam davonziehen. Sie auch?

Matthäus: Als Fan kann man das langweilig finden, deswegen hatte ich in der Hinrunde auch auf einen Dortmunder Sieg gegen Bayern gehofft - damit es noch ein wenig länger spannend bleibt. Aber ich gönne es den Bayern natürlich, ich habe bei diesem Klub lange selbst gespielt und weiß, was für ein toller Verein das seit Jahrzehnten ist. Sie haben in der Vereinsführung Leute, die aus dem Fußball kommen, die wirklich wissen, worum es geht. Das unterscheidet sie von den meisten anderen Klubs, an deren Spitze oft Personen sitzen, die vielleicht Spaß und Interesse am Fußball haben, ihn aber nicht wirklich kennen.

WAZ: Wohin das führt, sieht man beim HSV...

Matthäus: Den HSV haben Sie jetzt genannt.

WAZ: Felix Magath wäre fast dort gelandet, Sie haben ihn stark kritisiert - er hätte den HSV verarscht.

Matthäus: Das wurde leider sehr verkürzt wiedergegeben. Ich würde den Gedanken nochmal ausführen wollen...

WAZ: Gern.

Matthäus: Ich habe Felix nicht dafür kritisiert, dass er auch mit Fulham verhandelt hat. Er kann von mir aus mit zehn Vereinen gleichzeitig verhandeln, kein Problem. Aber er hat sich vorher beim HSV öffentlich selbst ins Gespräch gebracht, hat sich an die Fans gewandt, etwa auf Facebook. Und das, obwohl mit Bert van Marwijk noch ein Kollege unter Vertrag war. Das ist ein absolutes No-Go, das ist eine Katastrophe. Das gehört sich unter Kollegen einfach nicht.

Voriger Artikel
Nächster Artikel