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Klaus Allofs: Jetzt beginnt der Feinschliff

Der VfL-Manager im WAZ-Interview Klaus Allofs: Jetzt beginnt der Feinschliff

Seit 21 Monaten ist er jetzt da, bis zum Zweijährigen ist es nicht mehr lange hin. Klaus Allofs sollte in Wolfsburg viel von dem machen, was er schon in Bremen gut und richtig gemacht hatte. Wie weit ist der Geschäftsführer und Manager des VfL Wolfsburg auf diesem Weg schon gekommen? Und wie geht‘s ihm dabei? Die WAZ/AZ-Sportredakteure Robert Schreier und Engelbert Hensel haben vor dem Start der neuen Saison nachgefragt..

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Quelle: WAZ

AZ/WAZ: Bekommen Sie eigentlich manchmal die Frage gestellt, warum es um den VfL Wolfsburg so ruhig geworden ist?

Allofs: Ist es wirklich so ruhig? Nein, die Frage stellt man mir nicht. Die meisten wissen aber auch, was ich vorhabe; dass wir versuchen, ein bisschen Ruhe reinzukriegen. So ganz ruhig soll‘s ja gar nicht werden. Wir wollen vorkommen, die Leute sollen nach Wolfsburg schauen. Eigentlich ist es mir auch gar nicht recht, wenn ich bei Transferfragen so mauern muss, wie in den vergangenen Wochen gelegentlich. Nur im Sinne der Erfolgsaussichten musste ich mir das auferlegen.

Dennoch ist es so: Sie können noch so wenig machen - wenn ein großer Transfer dabei ist, heißt es gleich wieder: typisch Wolfsburg!

Ich glaube, dass das aus einem Reflex heraus passiert. Wir werden immer mit Kritik leben müssen, wenn wir einen Spieler wie Luiz Gustavo oder Kevin De Bruyne holen. Aber die Wirkung lässt langsam nach. Man sieht, dass wir weniger machen. Und wir glauben auch, dass es für den Moment das Richtige ist. Ob das aber so bleibt, kann ich nicht sagen. Es hängt davon ab, ob unsere Spieler die erforderlichen Fortschritte machen. Wenn das nicht der Fall ist, kann es auch mal wieder eine Phase geben, in der es mehr Veränderungen gibt.

Ist es nicht erstaunlich, dass es solch eine Phase diesmal nicht gibt? Immerhin steht der VfL vor einer Saison, in der er mal wieder in drei Wettbewerben spielt.

Ich sehe das nicht als Problem an. Man kann sich das so zurechtlegen. Es ist eher umgekehrt schlimmer, wenn man lange in Europa dabei war und dann plötzlich nicht mehr. Aber ich sehe es nicht als Nachteil an, wenn man häufiger spielt. Gerade wenn man international spielt, kann man in der Meisterschaft davon profitieren. Denn es zwingt die Spieler und das Umfeld dazu, noch professioneller zu werden. Dann heißt es viel spielen und weniger trainieren. Freizeit bleibt da nicht mehr viel.

Sie haben gesagt, dass Sie Wolfsburg als lebenswerte Stadt bezeichnen würden...

Ja, das finde ich. Vielleicht liegt es an meinen Bedürfnissen, aber man kann sich hier in der Öffentlichkeit sehr gut bewegen. Die Menschen interessieren sich für den VfL, da bekommt man jede Menge Rückmeldungen. Aber auch die Freizeitangebote sind vielfältig. Da sind nicht nur Autostadt und Phaeno. Es gibt Museen, Schwimmbäder. Wir wohnen direkt am Wald und gehen dort gern spazieren oder fahren mit den Rädern. Und es gibt gute Restaurants. Für mich sind die sogar zu gut (lacht). Und Wolfsburg hat kurze Wege, nie Staus - außer, es ist gerade Schichtwechsel. Aber für mich ist das eine große Lebensqualität.

Können Sie Spielern, mit denen Sie über einen Wechsel zum VfL verhandeln, diese Vorteile vermitteln - oder kommen solche Fragen gar nicht?

Doch, doch - die Frage kommt schon. Ich muss das oft erklären. Da versuchen wir Überzeugungsarbeit zu leisten. Diese Gespräche finden dann vielleicht nicht unbedingt in der Arena statt, sondern auch mal bei mir zu Hause. Wobei wir da mit einem Junggesellen anders sprechen als mit einem Familienvater. Die Möglichkeiten, hier Kindergartenplätze oder gute Schulen zu finden, sind Argumente. Zum Beispiel bei Brasilianern kann man das Thema Sicherheit in den Mittelpunkt rücken. Ich glaube, bei all dem haben wir hier keinen Standortnachteil.

Wie wichtig ist die Stadt bei einer Transferentscheidung?

Ich kann das nicht in Prozent sagen. Das hängt auch immer von der Konkurrenz ab. Wenn die London heißt, kann es schon eine Rolle spielen. Wobei man wissen muss, dass man bei vielen Londoner Klubs als Spieler außerhalb wohnt. Vor ein paar Monaten war ich zu Besuch bei Per Mertesacker, der bei Arsenal spielt. Dem habe ich ein Restaurant in London empfohlen, in das wir gegangen sind. Da hat er sich bei mir bedankt, weil er erst das zweite Mal in seiner Zeit dort in die Innenstadt gekommen ist. Aber die Stadt spielt bei der Entscheidung schon eine Rolle. Bei einem Spieler weiß ich es, dass er sich gegen den VfL entschieden hat, weil die Frau das nicht so gut fand. Aber das Problem entsteht, wenn man sich das nicht vor Ort ansieht und durch Vorurteile zu sehr beeinflusst ist.

Dabei wird der VfL doch gern von einigen so stark geredet, als dritte deutsche Kraft bezeichnet. Sie winken immer wieder ab...

Weil wir noch nicht so weit sind. Dass wir daran arbeiten, darf uns keiner verübeln. Und wir haben den Abstand zu den Top Vier verringert. Aber nun wird es immer schwieriger. Jetzt beginnt der Feinschliff. Wir haben eine gute Mannschaft, aber wir werden sehen, ob alle Spieler stark genug dafür sind, den nächsten Schritt zu machen. Wir werden uns da nicht aus dem Fenster lehnen. Wir wissen doch, dass es für uns in dieser Saison in erster Linie darauf ankommt, das Erreichte zu bestätigen. Außedem sind unsere Möglichkeiten nicht unbegrenzt.

Das wird oft anders dargestellt - wie ist es denn richtig?

Wir wollen sportlich und auch wirtschaftlich erfolgreich sein. Sich innerhalb des vorgegebenen Budgets zu bewegen, ist unser Ziel. Sind darüber hinaus sinnvolle Investitionen nötig, bedarf es der Zustimmung des Aufsichtsrats. Ich denke, das ist eine normale Vorgehensweise - mit dem Wissen aus dem Kerngeschäft der Aufsichtsräte, dass man gewisse kalkulierbare Risiken eingehen kann. Dennoch müssen wir uns innerhalb der Regeln bewegen. Financial Fairplay sehe ich nicht als Gefahr, aber wir müssen das im Auge haben.

Der Weg der kleinen, aber stetigen Schritte bis hin zum großen Erfolg - das klingt nach einem Idealbild, das man sich malt. Aber genauso ist Ihre Anfangszeit als Manager in Bremen verlaufen. Ist das auf den VfL übertragbar?

Das stimmt, nach 1999 gab es eine stetige Verbesserung in der Tabelle. Und plötzlich waren wir Meister und Pokalsieger. Man greift immer auf Erfahrungswerte zurück. Aber die Aufgabenstellung und das Umfeld sind nicht mit dem bei Werder zu vergleichen. Der Fußball hat sich in den Jahren erheblich verändert. Doch am Ende steht weiterhin, dass man eine gute Mannschaft formt, die in der Lage ist, die gesteckten Ziele zu erreichen.

Ist Dieter Hecking dafür der ideale Gegenpart für Sie beim VfL?

Wir sind froh, dass wir einen Trainer haben, der unsere Erwartungen komplett erfüllt. Er identifiziert sich total mit dem Verein und dieser Stadt, ist immer dabei, die Mannschaft besser zu machen, er setzt sich mit den Spielern und der Taktik auseinander. Und er ist sehr ehrgeizig.

Manchmal wirkt es schon jetzt so, als sei das Duo Allofs/Hecking das Idealbild für die sportliche Führung des VfL...

Zumindest war die bisherige Zusammenarbeit erfolgreich und ich bin überzeugt, dass wir weitere Fortschritte machen werden. Es ist eine harmonische Zusammenarbeit, was aber nicht bedeutet, dass wir immer einer Meinung sind.

Und wenn es Differenzen gibt?

Dann werden sie intern ausgeräumt, immer das Wohl des VfL im Sinn. Ich glaube, das wird von der Öffentlichkeit auch wahrgenommen. Unser gemeinsames Ziel ist es, den VfL zu einem noch erfolgreicheren und respektierten Klub zu machen.

Kann Dieter Hecking Ihr Thomas Schaaf von Wolfsburg werden?

Kontinuität ist anzustreben - aber nicht aus reinem Selbstzweck. Wenn alles stimmt, man der Meinung ist, dass es keine bessere Lösung gibt, man erfolgreich ist, der Trainer zum Verein passt, er die Spieler besser macht - gibt es dann einen Grund etwas zu verändern? Ich finde nicht. Wenn es passt, ist es wunderschön. Wenn es nicht passt, versuchen wir, Schwierigkeiten zu überwinden. Wenn das nicht gelingt, werden es eben keine 13 Jahre in Wolfsburg.

Thomas Schaaf und Dieter Hecking hatten keine Titel gewonnen, als Sie mit Ihnen begonnen haben. Ist es gut, wenn ein Trainer mit dem Verein wächst?

Bei Thomas Schaaf war es etwas anders. Er war Anfänger, ich war es in meinem Bereich damals auch. Dieter Hecking ist schon viel rumgekommen, hat aber mit dem VfL zum ersten Mal die realistische Möglichkeit, dauerhaft im internationalen Fußball dabeizusein und vielleicht auch Titel zu gewinnen. Es ist für uns alle eine reizvolle Aufgabe - und eine große Herausforderung.

Das vollständige Interview finden Sie im WAZ/AZ-Sonderheft „Bundesliga 2014/15“.

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