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„Jetzt müssen wir kleinere Schritte machen“

VfL Wolfsburg „Jetzt müssen wir kleinere Schritte machen“

Klaus Allofs: Der Manager des VfL Wolfsburg im großen WAZ-Pokalsieger-Interview.

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Die Freude war groß: VfL-Manager Klaus Allofs nach dem Pokalgewinn.

Seit Samstagabend ist Klaus Allofs Rekordhalter. Der einstige Top-Stürmer hat mit vier verschiedenen Vereinen den DFB-Pokal gewonnen – mit Fortuna Düsseldorf und dem 1. FC Köln als Spieler, mit Werder Bremen als Spieler und als Manager, mit dem VfL Wolfsburg als Manager. Wenn also einer weiß, wie mit solchen Triumphen umzugehen ist, dann der 58-Jährige. WAZ-Sportredakteur Andreas Pahlmann sprach mit Allofs über die VfL-Perspektiven nach dem Triumph von Berlin.

WAZ: Wo ist der Pokal, Herr Allofs?

Allofs: Seit Sonntagabend in sicherer Verwahrung auf unserem Gelände, ich könnte ihn jetzt auch nicht in drei Minuten holen. Wir werden überlegen, was in den nächsten Tagen und Wochen mit ihm passiert, irgendwann wird er dann auch in unserer Fußball-Welt zu sehen sein.

WAZ: Am Tag nach dem Pokalfinale wurde die Wolfsburger Freude über den zweiten Titel schon wieder als Aufbruch zur Bayern-Jagd interpretiert...

Allofs: Das ist Blödsinn. Und alles, was am Pokal-Wochenende in diesem Zusammenhang gesprochen wurde, gilt eigentlich nicht. (lacht) Wenn sich Aussagen von uns tatsächlich in diese Richtung interpretieren lassen, dann ist das alles der Euphorie und der Angst vor der nächsten Bierdusche geschuldet. An unserer Haltung hat sich nichts verändert. Wir werden weiter sehen, dass wir gute Spieler dazu holen können, aber nicht in der Größenordnung De Bruyne oder Gustavo. Das lässt das Financial Fairplay auch schlicht und einfach gar nicht zu, wir haben da enge Grenzen, unsere Möglichkeiten sind ausgereizt. Wir haben ein ziemlich hohes Tempo vorgelegt, jetzt müssen wir kleinere, sichere Schritte machen.

WAZ: Kein Bayern-Jäger, aber vielleicht Bayern-Konkurrent? Das waren Sie auch mit Werder Bremen schon mal, sogar Double-Sieger. Was können Sie aus dieser Erfahrung mitnehmen?

Allofs: In Bremen war das Tempo in der Entwicklung zum Teil noch extremer, da waren wir auf einer Flughöhe, wo wir genau wussten, dass man auch mal abstürzen kann - oder riskante Manöver machen muss. Das müssen wir in Wolfsburg nicht. Aber denen, die glauben, dass wir in den nächsten Jahren mit Bayern auf Augenhöhe sind, muss man auch mal sagen, dass wir finanziell immer noch weit von Bayern entfernt sind. Der Umsatz des FCB liegt bei rund 500 Millionen. Auch Borussia Dortmund hat weiterhin einen höheren Etat für Personalausgaben als der VfL Wolfsburg, die Bayern haben mindestens das Doppelte.

WAZ: Der VfL wird vielleicht auch als Bayern-Jäger gesehen, weil es in der Liga keinen anderen Klub für diese Rolle gibt...

Allofs: Mag sein, trotzdem werden wir in die Falle, die da aufgestellt wird, nicht reintappen. Sätze wie „Jetzt greifen wir die Bayern an“ werden Sie von uns nicht hören.

WAZ: Die Messlatte nach einer Saison mit Vizemeisterschaft und Pokalsieg ist allerdings sehr hoch...

Allofs: Ich habe gerade mit Dieter Hecking zusammengesessen und werde in den nächsten Tagen und Wochen noch oft mit ihm über genau dieses Thema sprechen. Vor der Saison hatten wir gesagt: Wir wollen Platz fünf bestätigen. Jetzt geht es darum, wieder etwas zu bestätigen - nicht den Pokalsieg, nicht die Vizemeisterschaft, sondern die Teilnahme an der Champions League. Das ist eine anspruchsvolle Aufgabe, aber wir sind gerüstet.

WAZ: An welchen Stellschrauben muss im Kader gedreht werden?

Allofs: Da bin ich nicht so auskunftsfreudig, möchte lieber ein paar Sachen für mich behalten. Aber es kann auch richtig sein, den Kader einfach nur stabil zu halten und nicht an zu vielen Schrauben zu drehen.

WAZ: Aber ein bisschen Bedarf ist da...

Allofs: Wir haben einen Torwart und einen Stürmer verpflichtet. Also bleiben noch Mittelfeld und Verteidigung - wobei wir in der Defensive gerade den Luxus haben, dass wir mit Naldo, Timm Klose und Robin Knoche drei sehr gute Spieler haben. Aber weil die Zukunft von Felipe nicht absehbar ist, könnte es sein, dass wir uns da Gedanken machen.

WAZ: Das ist aber zurückhaltend formuliert...

Allofs: Es gibt eben nicht so viele Spieler, die uns weiterhelfen könnten. Und vielleicht ist dann eher ein Perspektivspieler für uns der richtige, deswegen lasse ich das mal offen.

WAZ: Die Stärke der Mannschaft in dieser Saison lag eher darin, dass sich einzelne Spieler noch mal weiterentwickelt haben - Daniel Caligiuri und Vieirinha beispielsweise - und weniger darin, dass Neuzugänge alles aufgemischt haben...

Allofs: Ja, das ist aber auch immer eine Wechselwirkung. Die Mannschaft macht den einzelnen Spieler besser; nicht der einzelne Spieler die Mannschaft. Wenn ein Team funktioniert, entwickeln sich alle weiter. Nehmen Sie Caligiuri als Beispiel. Als er kam, musste er sich erst mal zurechtfinden, sich auch an das Trainingsniveau gewöhnen. Und wenn man das schafft, dann ist man plötzlich ein besserer Spieler.

WAZ: Josuha Guilavogui wäre einer, bei dem man jetzt auf so einen nächsten Entwicklungsschritt hoffen darf.

Allofs: Er ist aber auch ein gutes Beispiel dafür, wie hoch unsere Ansprüche inzwischen sind: Wir brauchen den, der alles abräumt im Mittelfeld, der alle Bälle erobert und gleich auch noch überragend in der Spieleröffnung ist...

WAZ: Der würde dann wohl Maxi Arnold Konkurrenz machen. Ein weiterer Spieler, der wie Arnold als „Achter“ eher den offensiven Part im Mittelfeld-Zentrum interpretiert, ist jedenfalls aktuell nicht im Kader....

Allofs: Aaron Hunt kommt ja wieder fit zurück.

WAZ: Sehen Sie ihn auf der Arnold-Position?

Allofs: Ja, er kann Achter und Zehner spielen.

WAZ: Zehner wohl eher nicht, wenn Kevin De Bruyne bleibt.

Allofs: Ich habe gelesen, dass es die Bayern jetzt akzeptieren, dass er noch ein Jahr bei uns bleibt, weil Martin Winterkorn das gern so hätte...

WAZ: Und?

Allofs: Abenteuerlich. Wenn ich so etwas lese, frage ich mich immer, ob es sich wirklich lohnt, wenn man die Menschen schlauer machen will. Meistens nicht.

WAZ: Jetzt nach der Saison stehen bei De Bruyne erst mal Vertragsverlängerung und Gehaltsanhebung an.

Allofs: Ja, auch wenn ich dazu jetzt keinen Zeitplan verraten werde. Wobei es nicht so sehr um die Laufzeit geht, sondern eher darum, seine Entwicklung zu berücksichtigen. Man darf nicht vergessen: Als er von Chelsea zu uns kam, hat er auch auf Geld verzichtet.

WAZ: Die alte Transfer-Taktik der Bayern, den Verfolgern die besten Leute wegzukaufen, klappt offenbar beim finanziell sehr gesunden VfL nicht?

Allofs: Der finanzielle Aspekt spielt natürlich eine Rolle, aber die Bayern üben auch eine andere Faszination aus. Das haben sie sich über Jahre erarbeitet, haben die Champions League und die Klub-WM gewonnen. Da besteht immer die Gefahr, dass das einen unserer Spieler interessieren wird. Aber wir können mittlerweile dagegenhalten, nicht nur finanziell. Denken Sie an Luiz Gustavo, der gesagt hat: Ich gehe nicht nach England, sondern zum VfL Wolfsburg. Und er weiß nicht erst seit Samstag, dass er sich richtig entschieden hat.

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