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„Ich mach' mir einfach keine Platte"

VfL Wolfsburg „Ich mach' mir einfach keine Platte"

Wie wird man Shootingstar in der Fußball-Bundesliga? Und wie ist es so, wenn man einer geworden ist? WAZ-Sportredakteur Andreas Pahlmann sprach mit VfL-Jungstar Maxi Arnold.

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Er motzt nicht mehr so viel auf dem Platz wie früher: Das verriet VfL-Jungstar Maxi Arnold WAZ-Sportchef Andreas Pahlmann im großen Interview.

Quelle: Pahlmann

WAZ: Haben Sie mittlerweile aufgehört, sich für die Schlagzeilen über Sie zu interessieren?

Arnold: Ja. Früher habe ich schon versucht, möglichst viel mitzubekommen. Mittlerweile geht das nicht mehr. Es muss auch nicht sein.

WAZ: Ärgern Sie sich über Schlagzeilen wie „Wegen Arnold: VfL braucht Diego nicht mehr“?

Arnold: So will ich nicht ins Licht gerückt werden. Ich weiß, was es noch für ein weiter Weg bis zur Klasse von Diego ist. Er hat sehr, sehr viel Qualität. Außerdem spielen wir ja auch unterschiedlich...

...

WAZ: Kennen Sie Ihren Leistungswert bei „FIFA 14“ auf der Playstation?

Arnold: Nein.

WAZ: Heute morgen waren‘s 76.

Arnold: 76? Dann ist der aber ganz schön hochgegangen. Also, ich habe mich auch schon mal selbst gespielt, mittlerweile mache ich das nicht mehr so oft. 76 hört sich ordentlich an, aber ich weiß, dass es noch besser geht (grinst).

WAZ: Nehmen Sie beim Zocken nicht den VfL?

Arnold: Eher Real Madrid oder Manchester United, unter anderem.

WAZ: Sind Sie gut darin?

Arnold: Es geht. Robin Knoche und Stefan Kutschke sind besser.

WAZ: Beim Online-Managerspiel „Comunio“ steht Ihr Wert bei 6,3 Millionen...

Arnold: Nicht schlecht, oder? Ein Kumpel hat mich neulich sogar für 7,1 Millionen gekauft, da musste ich erst mal schmunzeln. Aber im Ernst: Ich bekomme so was hier und da mal mit, aber es ist für mich nicht überlebenswichtig, meinen Wert bei FIFA oder bei Comunio zu kennen.

WAZ: Aber wenn Sie merken, dass Sie bei diesen Spielen, die Sie schon lange kennen, plötzlich selbst auftauchen - sind das so Momente, in denen man sich kneifen möchte?

Arnold: Ja, auf jeden Fall. Allein, dass ich jetzt Bundesliga spiele, ist immer noch ein geiles Gefühl. Ich muss manchmal ein bisschen in mich rein grinsen, wenn ich ins Stadion einlaufe.

...

WAZ: Ehemalige Jugendtrainer bezeichnen Sie als ehrgeizigen Hitzkopf. Stimmt das?

Arnold: Ja, schon ein bisschen, leider. Aber was den Hitzkopf angeht, bin ich schon ruhiger geworden. Früher habe ich auf dem Spielfeld viel gemotzt, das ist nicht mehr so schlimm.

WAZ: Früher haben 30 Leute zugeguckt, heute sind‘s 30.000 und dazu vielleicht noch ‘ne Million am Fernseher. Spürt man den Unterschied?

Arnold: Direkt beim Spielen eher weniger. Aber es wird eben alles aufgezeichnet, was man so tut, da sollte man dann schon aufpassen, dass man sich nicht ständig in der Nase bohrt.

WAZ: Daran muss man sich doch auch gewöhnen.

Arnold: Ja, das versuche ich gerade.

WAZ: Beim Spiel gegen den HSV hat Ihnen Tomás Rincón ins Gesicht gelangt, das wäre so eine typische „Ausrast“-Situation gewesen...

Arnold: Das habe ich zum Glück nicht so richtig mitbekommen, sonst...

WAZ: Sonst?

Arnold: Belassen wir es bei „Nicht so richtig mitbekommen“.

WAZ: Sie haben auch noch Gelb bekommen in der Szene.

Arnold: Der Schiedsrichter hat‘s eben so wahrgenommen.

WAZ: Klingt abgeklärt.

Arnold: Was wollen Sie denn hören? Dass ich auf ihn losgegangen wäre? (lacht). Das ist doch Quatsch. Die Sache ist gegessen.

WAZ: Sie stehen in den Fußball-Geschichtsbüchern als der jüngste Bundesliga-Spieler des VfL Wolfsburg, der jüngste Bundesliga-Torschütze des VfL, der jüngste Rotsünder des VfL...

Arnold: ...das mit dem Rotsünder würde ich am liebsten gern im Nachhinein streichen, wenn das ginge.

WAZ: Ist dieses Prädikat „Der Jüngste“ irgendwas wert?

Arnold: Nein. Also, ich hab‘ das schon registriert, aber das sind ja alles Sachen, die in der Vergangenheit liegen. Und ich beschäftige mich lieber mit dem Hier und Jetzt oder mit der Zukunft. Als ich‘s gelesen habe, fand‘ ich‘s schön - aber dann war es schon wieder vergessen. Ich glaube, meine Eltern und meine Familie nehmen so etwas eher wahr und sind dann vielleicht auch stolz; für mich ist das nicht so wichtig.

...

WAZ: Sie sind jetzt 19. Haben Sie einen Karriereplan? Oder hat Ihr Berater einen für Sie?

Arnold: Ich telefoniere jede Woche mit meinem Berater, aber dann reden wir über das letzte Spiel - und nicht darüber, was in vier, fünf Jahren sein wird. Er hat mal zu mir gesagt: „Fußball ist ein Tagesgeschäft“ - und damit hat er absolut Recht. Ich danke kaum darüber nach, was in vier Monaten oder in vier Wochen sein könnte. Darum gibt‘s auch keinen Karriereplan - solche Gedanken habe ich noch nie gehabt und werde sie auch nie haben.

WAZ: Der „Kicker“ schrieb über Sie „Der neue Özil“, Jürgen Klopp hält Sie für „eines der größten Talente“ der Liga - finden Sie sich in solchen Aussagen wieder?

Arnold: Naja, Mesut Özil ist schon eine Hausnummer. Jürgen Klopp natürlich auch. Aber ich mach‘ mir einfach keine Platte, wenn irgendwo über mich etwas gesagt oder geschrieben wird. Ich muss ja keinem was beweisen außer mir selbst - und natürlich dem Trainer. Aber wenn man alles andere immer wieder an sich ranlassen würde, dann würde man wahrscheinlich irgendwann umfallen oder abdrehen.

WAZ: Was bringt Sie auf den Boden?

Arnold: Meine Familie, meine Freundin und meine Freunde in Dresden - das sind die Menschen, die mir Halt geben.

WAZ: Wie?

Arnold: Indem wir mal über Fußball quatschen - und mal eben gerade nicht.

Das vollständige Interview mit Maxi Arnold lesen Sie im AZ/WAZ-Sonderheft „Bundesliga 2014“.

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