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„Ich bin nicht sicher, was mein Image ist“

WAZ-Interview mit Nicklas Bendtner „Ich bin nicht sicher, was mein Image ist“

Nicklas Bendtner – er ist einer, der polarisiert. Im Interview mit WAZ-Sportredakteur Robert Schreier spricht der Stürmer des Wolfsburger Fußball-Bundesligisten über den VfL, Hüte und das Internet.

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Nicklas Bendtner

WAZ: Haben Sie damit gerechnet, dass der VfL so eine starke Saison spielt, als Sie im Sommer hier unterschrieben haben?

Bendtner: Ich wusste, dass die Champions League das Ziel war. Die Mannschaft war stark, davon wollte ich ein Teil sein.

WAZ: Aber Sie hatten damit gerechnet, dass Sie mehr spielen?

Bendtner: Das war mein Wunsch, und er ist es noch immer.

WAZ: Sind Sie enttäuscht?

Bendtner: Ja, auf die eine oder andere Art bin ich enttäuscht. Ich bin da nicht anders als jeder andere Spieler. Ich hatte erwartet, dass die ersten drei Monate schwierig werden, um sich an alles zu gewöhnen. Aber als ich dann fünf Tore in wenigen Spielen erzielt hatte, dachte ich, dass das der Start von etwas sehr Gutem ist. Als ich dann nicht in der Mannschaft war, hat mich das enttäuscht. Jetzt ist es schwer, in die Startelf zu kommen, weil die Mannschaft gut spielt.

WAZ: Wissen Sie, warum Sie nicht spielen?

Bendtner: Da wird es einige Gründe geben.

WAZ: Welche?

Bendtner: Ich weiß es nicht zu 100 Prozent.

WAZ: Aber Sie sind noch glücklich in Wolfsburg?

Bendtner: Ja, das bin ich.

WAZ: Auch, weil Sie sehen, dass sich der VfL zu einem großen Klub entwickelt?

Bendtner: Ich denke, Wolfsburg war immer ein großer Klub. Nur die Konstanz hat gefehlt. 2009 gab es ein Highlight, seitdem gab es immer den Anspruch, in der Champions League zu spielen. Das ist ein Ziel, das mir sehr gefällt. Aber um ein anerkannt großer Klub wie Bayern, Leverkusen oder Dortmund zu werden, muss der VfL auch jedes Jahr unter die ersten Drei.

WAZ: Wie weit ist der VfL auf diesem Weg?

Bendtner: Wenn wir nicht so stark wären, hätte sich André Schürrle nicht für uns entschieden. Diese Verpflichtung ist eine starke Aussage. Wolfsburg hat keine Angst, seine Ambitionen durch solche Transfers zu untermauern. Das ist gut. Wenn wir den Platz behalten, den wir jetzt haben, ist es eine sehr erfolgreiche Saison für den Klub. Aber in der Europa League haben wir jetzt zwei sehr schwere Spiele. Sporting ist ein harter Gegner.

WAZ: Wie wichtig ist es für Sie, jedes Jahr in der Champions League zu spielen?

Bendtner: Es ist der beste Wettbewerb überhaupt. Dort zu spielen, ist fantastisch. Und jetzt, da ich fit bin und mich an alles gewöhnt habe, weiß ich, dass ich der Mannschaft dabei helfen kann.

WAZ: Sie wurden wegen Ihrer schlechten Trainingsleistungen kritisiert - ist das vorbei?

Bendtner: Ja, es war für mich anfangs schwer zu begreifen, dass die Trainingsleistung sehr wichtig ist. Es war ja nicht so, dass ich in den Einheiten rückwärts gelaufen bin. Aber ich musste die deutsche Trainingskultur verstehen.

WAZ: Sie haben ein Image. Sind Sie damit zufrieden?

Bendtner: Ich bin mir nicht ganz sicher, was mein Image ist. Ich glaube, das ist für viele Menschen unterschiedlich. Meine Mutter hat mir immer gesagt, dass ich ein Mensch bin, der polarisiert, in Dänemark sagt man: Du bist jemand, der das Meer teilt. Ich treffe Menschen, die denken, ich bin der Größte der Welt. Dann treffe ich aber auch Leute, die mir Flaschen an den Kopf werfen wollen.

WAZ: Manchmal wirkt es, als würden Sie das erste denken...

Bendtner: Wirklich? (lacht)

WAZ: Ja, oder spielen Sie mit Ihrem Image?

Bendtner: Sagen wir so: Ich nehme das alles nicht so ernst. Es wundert mich immer wieder, wie viel Zeit manche Leute aufbringen, um sich im Internet mit mir zu beschäftigen. Da habe ich bessere Dinge zu tun.

WAZ: Sind Sie mit Ihrem Spitznamen Lord zufrieden?

Bendtner: Das Problem an der Sache ist: Ich weiß nicht, woher es kommt und wie ich es verstehen soll. Ist es lustig? Werde ich damit veralbert? Ist es ernst gemeint? Aber ich glaube, es ist ein Phänomen der Jugend. Die denken, das klingt gut.

WAZ: Klingt es nicht?

Bendtner: (lacht) Doch, doch - klingt sehr gut...

WAZ: Seit einiger Zeit sind Sie wieder mit Ihrer Freundin Julie Zangenberg zusammen. Sie war jetzt auch in Wolfsburg, Sie waren zusammen auf der Berlinale. Beflügelt diese Beziehung Ihre Leistung auf dem Platz?

Bendtner: Das wird man sehen (lacht). Ich denke, wenn du Freude oder Ärger im Privatleben hast, kann sich das schon auswirken. Ich musste bereits mit einigem in meinem Leben klarkommen und will mich immer auf Fußball konzentrieren.

WAZ: Wir sehen Sie oft mit unterschiedlichen Hüten - ist das Ihre Macke?

Bendtner: Ja ich sammle Hüte. Ich weiß gar nicht, wie viele ich habe. Sie sind auf meine Wohnungen in London, Kopenhagen und Wolfsburg verteilt.

WAZ: Mode spielt bei Ihnen eine wichtige Rolle...

Bendtner: Ja, aber ich habe entschieden, dass ich nicht mehr zu gut angezogen zum Training komme. Ich mag es, Anzüge zu tragen. Aber die anderen Spieler finden, das ist ein bisschen zu viel für Training. Daher habe ich auch einen großen Teil meiner Garderobe in London gelassen. Die City dort ist doch ein bisschen anders als in Wolfsburg.

WAZ: Wirklich?

Bendtner: (lacht) Klar. Aber ich bin ja zum Fußballspielen nach Wolfsburg gekommen - und für nichts anderes.

WAZ: Für die letzte Chance in Ihrer Karriere?

Bendtner: Ich weiß es nicht. Ich hatte viel Pech mit Verletzungen und bin jetzt 27. Ich bin glücklich und dankbar, in Wolfsburg zu sein.

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