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Hat der VfL ein Fan-Problem?

WAZ-Interview Hat der VfL ein Fan-Problem?

Nach dem Sieg gegen Bremen wollten die meisten VfL-Fans mit den Spielern des Wolfsburger Fußball-Bundesligisten feiern. Einigen, vor allem Ultras, gefiel das nicht. Sie tragen den Profis die Derby-Blamage nach und beschimpften sie sowie jubelnde Anhänger. Über die Lage in der Fanszene unterhielt sich WAZ-Sportredakteur Robert Schreier mit dem VfL-Fanbeauftragten Holger Ballwanz.

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Erst gab‘s Kritik über Transparente, dann wurde es richtig aggressiv: Die VfL-Fans waren sich am Samstag uneinig, ob die Mannschaft für ihren Sieg Applaus verdient hatte.

WAZ: Hat der VfL ein Problem mit seinen Ultras?

Ballwanz: Nein, das sehe ich nicht so. Es gibt einige wenige VfL-Anhänger, die weiterhin den 5. Oktober (Tag der Derby-Niederlage/d. R.) zum Anlass nehmen, um die Mannschaft und andere Fans zu beleidigen. Ich bin froh, dass es am Samstag trotz allem relativ ruhig geblieben ist. Das haben wir auch der Deeskalation der Ordner zu verdanken.

WAZ: Gab es zwischen der Derby-Niederlage und dem Heimspiel gegen Bremen Gespräche mit den kritischen Fans?

Ballwanz: Wir haben bei einigen Fangruppen nur die Chance, mit wenigen zu sprechen. Wir hatten uns aber am Mittwochabend vor dem Spiel gegen Bremen mit einigen Repräsentanten der Fangruppen getroffen. Da ging es vor allem um die Spruchbänder, die in der Nordkurve aufgehängt werden sollten. Wir haben sie als Verein genehmigt, weil wir akzeptieren, dass Unmut über die Derby-Niederlage geäußert wird.

WAZ: War da schon mit solchen Reaktionen zu rechnen, wie es sie nach dem Spiel gab?

Ballwanz: Nein, mit solchen extremen Reaktionen war nicht zu rechnen. Aus meiner Sicht war in den Gesprächen zu erkennen, dass die Fans die Mannschaft von Beginn an unterstützen wollten. Für ihre Leistung hatten sich die Spieler nach der Partie den Applaus verdient. Was dann bei einigen passiert ist, ist für uns kaum nachvollziehbar. Es muss auch mal zählen, dass die Mannschaft in Augsburg gewonnen und am Samstag das gezeigt hat, was der Fan als einen Teil der Wiedergutmachung erwartet hatte.

WAZ: Sollte nun alles wieder gut sein?

Ballwanz: Es geht nicht darum, dass man seine freie Meinung nicht äußern darf. Die Möglichkeit war durch das Aufhängen der Spruchbänder gegeben. Aber dann muss auch akzeptiert werden, dass die Mehrheit die Mannschaft feiern will. Es ist ein No-Go, andere Fans zu bepöbeln oder sogar zu bespucken. Das trägt nicht zu einer einheitlichen Kurve bei, die wir uns alle wünschen.

WAZ: Was erwarten Sie, wie es weitergeht?

Ballwanz: Das ist schwer zu sagen. Aber es kann keine Dauersituation sein, die ganze Saison wegen des Derbys frustriert zu sein. Wenn man nicht unterstützen will, sollte man wenigstens akzeptieren, dass es andere machen.

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