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Gustavo: „Hatte Angst vor weiterer Operation“

VfL Wolfsburg Gustavo: „Hatte Angst vor weiterer Operation“

Dass vieles in dieser Saison nicht nach Wunsch lief für den VfL, lag auch daran, dass er nicht da war: Luiz Gustavo, Mittelfeld-Abräumer, Nationalspieler, feste Größe beim Wolfsburger Fußball-Bundesligisten. Jetzt hat sich der 28-Jährige zurückgemeldet – WAZ-Sportredakteur Andreas Pahlmann traf ihn vorm Spiel gegen seinen Ex-Klub Bayern München zum Gespräch.

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WAZ-Interview mit Luiz Gustavo: Der VfL-Brasilianer über das Spiel gegen die Bayern, Tabellenplatz acht und sein Knie.

WAZ: Haben Sie die Bayern am Dienstag in der Champions League gesehen?
Gustavo: Ja, aber ich habe ein bisschen hin- und hergeschaltet, weil ich auch das Barcelona-Spiel bei Arsenal sehen wollte. Ich gucke das immer über Satellit auf einem brasilianischen Sender, auch wenn ich mittlerweile Deutsch ganz gut verstehe.

WAZ: Ihr Eindruck von den Bayern?
Gustavo: Derselbe Eindruck, den ich vorher hatte. Die sind gut, auch wenn sie mal nicht den ganzen Kader zur Verfügung haben – und können jeden Gegner schlagen.

WAZ: Sie kennen die Bayern – sind sie besonders gut darin, nach so einem Spiel wie am Dienstag in Turin sofort wieder den Fokus auf die Bundesliga zu legen?
Gustavo: Ich glaube, jeder Verein, der in der Champions League spielt, kann das. Dass die Bayern dieses Spiel in Turin hatten, wird für unser Duell in der Bundesliga kein Faktor sein. Dafür spielt vielleicht was anderes eine Rolle...

WAZ: Was?
Gustavo: Dass die Bayern so einen großen Vorsprung in der Bundesliga haben, und es deswegen vielleicht etwas ruhiger angehen lassen. Aber selbst wenn sie das tun sollten, wird es alles andere als ein einfaches Spiel.

WAZ: Mit wem aus dem Bayern-Kader haben Sie noch Kontakt?
Gustavo: Rafinha, Alaba – und auch mit Douglas Costa. Mit ihm habe ich zwar in München nicht zusammengespielt, aber wir kennen uns aus der Nationalmannschaft.

WAZ: Mit zweieinhalb Jahren Abstand: Wie bewerten Sie heute Ihren Abschied vom FC Bayern?
Gustavo: Ich leide nicht unter der Erinnerung an meinen Abschied. Es gibt nur eine Sache, die ich aus der Zeit in München wirklich bedauere: Dass ich nur ein halbes Jahr unter Louis van Gaal arbeiten konnte. Ich habe sehr viel bei ihm gelernt und hätte ihn gern länger als Trainer gehabt. Aber ich war zufrieden mit meiner Zeit dort, wir haben viel erreicht. Es war intensiv – und wir haben Titel geholt und schöne Geschichten geschrieben.

WAZ: Wie sehen Sie heute Pep Guardiola? Es schien ja 2013 so, als wollte er Sie nicht mehr...
Gustavo: Ja, ich habe leider nur ein paar Wochen mit ihm zusammengearbeitet. Er ist ein super Trainer, als Typ kenne ich ihn nicht gut genug. Aber ich bin ihm nicht böse – die gemeinsame Zeit war wohl auch zu kurz, um jemandem böse zu sein (lacht).

WAZ: War aus heutiger Sicht der Wechsel nach Wolfsburg die richtige Entscheidung?
Gustavo: Absolut, ja. Der Hauptgrund war damals ja, dass ich wieder regelmäßig spielen wollte, um die WM nicht zu verpassen – das hat geklappt. Und ich glaube, dass ich trotz des 1:7 im Halbfinale gegen Deutschland eine gute WM gespielt habe. Im Jahr danach sind wir mit dem VfL Vizemeister und Pokalsieger geworden. Also habe ich alles richtig gemacht.

WAZ: In dieser Saison lief es bisher nicht so gut. Was ist der größte Unterschied zur vergangenen Spielzeit?
Gustavo: Du fängst in jeder Saison von vorne an. Ich habe den Eindruck, dass viele der anderen Mannschaften in dieser Saison besser spielen als in der davor und der Konkurrenzkampf oben in der Tabelle enger geworden ist. Wenn du dann wie wir ein paar Punkte zu viel liegen lässt, dann bist du eben Achter. Aber ich glaube fest daran, dass wir uns noch verbessern werden.

WAZ: Viele sehen immer noch den Abgang von Kevin De Bruyne als Hauptproblem...
Gustavo: Kevin war ein wichtiger Spieler, keine Frage. Aber wir haben neue, gute Spieler bekommen – und auch wenn die jetzt schon ein halbes Jahr da sind, muss man immer noch sagen: Sie brauchen Zeit. Es kann Monate dauern, bis einer bei einem Verein richtig ankommt und dann explodiert. Und das wird passieren, da bin ich ganz sicher.

WAZ: Maxi Arnold bezeichnet Sie oft als große Hilfe für sich...
Gustavo: Ich weiß nicht, ob ich das so sagen kann, aber ich hatte schon in der Jugend diese Qualität, anderen auf dem Platz immer wieder zu helfen und viel zu reden. Ich möchte immer, dass meine Mitspieler noch besser werden – das gilt für Maxi, das gilt aber auch für Josuha Guilavogui und andere.

WAZ: Das ist eine Qualität, die auch gut zu einem Kapitän passen würde...
Gustavo: Mag sein, aber wir haben Diego Benaglio, der macht das gut. Und wir haben mit Schäfi oder Naldo erfahrene, wichtige Spieler. Um eine Mannschaft zu führen, brauchst du keine Binde. Du brauchst den Respekt deiner Mitspieler. Und diesen Respekt musst du dir jeden Tag auf dem Platz neu erarbeiten.

WAZ: Auf was kommt es jetzt für den VfL für den Rest der Saison an?
Gustavo: Am wichtigsten wird sein, dass alle fit sind – und dass die, die zuletzt nicht spielen konnten, schnell wieder dabei sind. Wir haben wichtige Spiele in der Liga und sind noch in der Champions League dabei. Da brauchen wir jeden.

WAZ: Sind Sie selbst nach Ihren Knie-Problemen wieder komplett fit?
Gustavo: Ich habe immer noch das Gefühl, dass es in jedem Spiel besser wird, dass das Vertrauen ins Knie und die Sicherheit zurückkommen.

WAZ: Ihr Meniskus im rechten Knie war schon in der vergangenen Saison nicht ganz okay, Sie haben sogar mal gesagt, dass Sie quasi eine Saison lang verletzt gespielt haben. War das im Nachhinein ein Fehler?
Gustavo: Nein, ich glaube nicht. Aber vielleicht war es nicht gut, dass ich nach der Knie-OP im Juni relativ schnell wieder angefangen habe. Ich dachte damals, alles wäre in Ordnung. Aber als wir dann relativ viele Spiele hatten, war das fürs Knie ein bisschen zu viel. Aber sowas weiß man vorher nicht.

WAZ: Sie sind dann nach dem 6:0 gegen Bremen im November wieder ausgefallen. Wie frustriert waren Sie?
Gustavo: Nicht so sehr frustriert, aber ich hatte Angst vor einer weiteren Operation und Angst davor, dadurch wieder länger zu fehlen.

WAZ: War denn eine erneute OP ein ernsthaftes Thema?
Gustavo: Nein, zum Glück nicht. Aber wenn du immer wieder Probleme hast, dann denkst du automatisch darüber nach, dass es vielleicht doch nicht ohne einen erneuten Eingriff geht. Aber mittlerweile bin ich mir sicher, dass das Knie keine Probleme mehr macht.

WAZ: Sie sind jetzt 28, wenn Ihr Vertrag 2018 ausläuft, sind Sie 30. Haben Sie einen Plan für den weiteren Verlauf Ihrer Karriere?
Gustavo: Nein, so denke ich nicht. Man muss immer Ziele haben – aber mein Ziel ist es, so gut wie möglich zu spielen. Der Rest kommt von alleine.

WAZ: England wird immer mehr zu einem interessanten und lukrativen Ziel für Bundesliga-Spieler...
Gustavo: Die Premier League ist eine tolle Liga, mit guten Vereinen. Aber ob das für mich interessant ist, weiß ich nicht – und ich denke auch erst darüber nach, wenn ich ein Angebot bekommen sollte.

WAZ: Ist ein Karriere-Ende beim VfL vorstellbar?
Gustavo: Ja. Ich fühle mich sehr wohl, bin Deutschland sehr dankbar für alles.

WAZ: Und dann zurück nach Brasilien?
Gustavo: Ja. Nicht um dort Fußball zu spielen, sondern um dort nach der Karriere zu leben. Aus heutiger Sicht kann ich es mir nicht vorstellen, noch mal in Brasilien auf dem Platz zu stehen. Aber ich spiele ja noch ein paar Jahre. Mal sehen, was die Zeit bringt. Ich habe eine Frau, einen Sohn und bis dahin vielleicht noch ein Kind. Wir werden dann entscheiden, was das beste für alle ist.

WAZ: In dieser Saison warten wir noch auf ein Tor von Ihnen...
Gustavo: Stimmt, aber das wird noch kommen. Ich habe immer drei, vier Tore in einer Saison gemacht.

WAZ: In 100 Pflichtspielen für Bayern waren es nur sechs Tore, in 97 Spielen für den VfL schon elf...
Gustavo: Sehen Sie. (lacht) Das ist doch ein gutes Zeichen.

WAZ: Fehlt dem VfL ein richtig guter Stürmer?
Gustavo: Max macht das im Moment gut, Bas ist leider verletzt, und wir haben ja noch Nicklas Bendtner...

WAZ: ...der aber keine Rolle spielt. Ist das ein Thema für Sie?
Gustavo: Ich denke, er ist ein guter Fußballer. Er muss  sich nur entscheiden, was er will. Wenn er das für sich richtig beantworten kann, dann wird er uns auch noch mal helfen.

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