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Große Ansprüche, kleine Triumphe

VfL Wolfsburg Große Ansprüche, kleine Triumphe

Die Europa-Cup-Geschichte des VfL Wolfsburg: Vom Wunder 1999 bis zur internationalen Rückkehr 2014 - zusammengefasst von Andreas Pahlmann:

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Der größte Erfolg: Durch ein Tor von Christian Gentner in der Verlängerung gegen Kazan zog der VfL 2010 ins Viertelfinale ein.

Nein, das sei doch nicht der Anspruch des VfL Wolfsburg. „Nur Platz acht? Ich bitte Sie, das ist zu wenig, das müssen wir ändern. Darum bin ich hier.“ Es war der Sommer 2010, als sich Steve McClaren bei denen einreihte, die mit dem VfL viel vorhaben. Fünf Monate später gehörte er zu denen, die gescheitert waren. Wie er als Trainer, wie Dieter Hoeneß als Manager oder wie Felix Magath in seiner zweiten Amtszeit als geschäftsführender Trainer-Manager. Wolfsburg muss international dabei sein, das ist der Anspruch, das muss der Anspruch sein, wenn man das Tochterunternehmen eines weltweit führenden Autobauers ist. An diesem Anspruch ist der VfL regelmäßig gescheitert. Bis jetzt. Bis heute. Der VfL ist wieder dabei auf der europäischen Fußball-Bühne. Endlich.

Anfang April 2010 hatte sich der VfL von dieser Bühne verabschiedet, gegen den FC Fulham, der damals eine Top-Mannschaft hatte, Juventus Turin mit 4:1 und 2:1 aus dem Wettbewerb feuerte und am Ende das Finale der Europa League nur knapp verlor. Als „Absteiger“ aus der Champions League war Meister Wolfsburg in die Europa League gerutscht, es war seine dritte Teilnahme an diesem kleineren der beiden europäischen Klub-Wettbewerbe.

Die erste Teilnahme am UEFA-Cup, wie er damals hieß, war 1999 noch ein Wunder. In seinem zweiten Jahr als Erstligist wurde der VfL sensationell Sechster, durfte europäisch erst gegen den VSC Debrecen, dann gegen Roda Kerkrade und schließlich gegen Atletico Madrid ran. „Das hat Erwartungen geweckt“, mutmaßte damals schon Trainer Wolfgang Wolf, „die in der Zukunft nur schwer zu erfüllen sein werden.“

Wie die Erwartungen aussehen, wurde klar, als VW-Vorstand Peter Hartz 2001 von der Champions League als Ziel faselte – zu einem Zeitpunkt, als das noch komplett unrealistisch war. Fünf Jahre lang musste der VfL darum damit leben, als überehrgeiziger Gernegroß zu gelten, der bestenfalls im Sommer-Wettbewerb UI-Cup ein bisschen Europa-Luft schnuppern darf. Erst als Ende November 2006 mit Martin Winterkorn ein Fußball-Fan VW-Chef wurde, änderte sich das, der Mutterkonzern gab nach zwei Fast-Abstiegen auch finanziell Gas. 2008 wurde der Einzug in den UEFA-Cup bejubelt – ein Erfolg, der neben der Meisterschaft ein Jahr später leider etwas verblasste.

Dabei hatte der Europa-Auftritt 2008 viel Positives: Souverän setzte sich der VfL in der ersten Runde gegen Rapid Bukarest durch, feierte kleine Triumphe in der Gruppenphase, die er ohne Niederlage überstand und dabei mit einem 2:2 beim AC Mailand (mit Andrea Pirlo, Clarence Seedorf und Filippo Inzaghi) glänzte. Erst gegen Paris St. Germain war Schluss – aber da war der VfL in der Liga schon auf Titelkurs.

Acht Jahre nach den allzu vollmundigen Ankündigungen machte der VfL dann tatsächlich in der Champions League mit, sammelte Lob für einen guten Auftritt beim 1:2 bei Manchester United, für Siege gegen Moskau und in Istanbul – aber er sammelte zu wenig Punkte. Also ging‘s runter in die Europa League, wo Erfolge gegen Villarreal und Kazan die Stimmung in der eher verkaterten Nach-Meisterschafts-Saison etwas aufhübschten.

Diese Spielzeit beendete der VfL auf Rang acht, es begann die Phase des Hinterherhechelns. Hinter den eigenen Ansprüchen her, hinter der Zielvorgabe Europa. Der überehrgeizige Gernegroß war wieder da und drohte zur Lachnummer der Liga zu mutieren – weil Anspruch und finanzieller Aufwand gar nicht mehr zu den sportlichen Ergebnissen passten.

Besser als Platz acht wurde es nicht mehr, bis Trainer Dieter Hecking und Manager Klaus Allofs endlich die Mischung aus kluger Transferpolitik, realistischer Einschätzung und nötigem Selbstbewusstsein fanden. Ein Kader, der gut genug war für Platz fünf, erreichte auch Platz fünf, erreichte die Europa League. Die Ergebnisse passen erstmals seit der Meisterschaft wieder zu den Ansprüchen.

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