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Gerhardts Duell mit der eigenen Vergangenheit

VfL Wolfsburg Gerhardts Duell mit der eigenen Vergangenheit

Wolfsburg/Köln. So richtig leicht fällt es Yannick Gerhardt nicht, über das Spiel morgen zu sprechen. Denn wenn der VfL Wolfsburg gegen den 1. FC Köln antritt, spielt er gegen seine eigene Vergangenheit. Die emotionale Bindung zum FC ist nach 13 Kölner Jahren immer noch riesig.

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Ihn nahm er mal aus dem Spiel: Wolfsburgs Neuzugang Yannick Gerhardt (r.) mit Ex-VfL-Star Kevin De Bruyne.

Quelle: imago sportfotodienst

„Natürlich bleibt der FC immer ein besonderer Verein für mich“, sagt der 22-Jährige „Wenn man die ganze Jugend dort verbracht hat und dort Profi geworden ist, ist das normal. Aber jetzt ist der VfL mein Klub.“

Geboren ist er in Würselen an der niederländischen Grenze. Mit neun kam er zum 1. FC Köln, Mutter Petra fuhr ihn zum Training. Sie ist FC-Fan, genau wie Vater Peter und Schwester Anna, die selbst für den FC gespielt hat. Yannick wird Leistungsträger, Kapitän. Deutscher U-17-Meister, deutscher U-19-Pokalsieger und eine Woche nach seinem 18. Geburtstag erstmals Jugend-Nationalspieler. Sein Berater ist Stephan Engels, eine Kölner Fußballgröße.

Das Kölsche Jeföhl hat Gerhardt da längst aufgesaugt: Alaaf, Kölsch, Bützkes, Büdchen und der Geißbock – Gerhardt spricht nach dem Training mit den Fans in ihrer Sprache. „Jeht joot?“ „Jeht joot!“ Fußballerisch sogar sehr joot: 2014 macht Trainer Peter Stöger das Eigengewächs zum Bundesliga-Spieler, 15 weitere Saisoneinsätze folgen, 29 werden es in der Saison danach.

Im Duell mit dem VfL nimmt er Kevin De Bruyne aus dem Spiel – und alle vier Wolfsburger Gelben Karten gibt es nach Zweikämpfen mit Gerhardt. VfL-Trainer Dieter Hecking interessiert sich für den einsatzfreudigen und spielintelligenten Jungen.

Mit 11 Millionen Euro Ablöse (plus Nachschlag) wird er der zweitteuerste Kölner nach Lukas Podolski. Nicht alle Fans verstehen seinen Abschied, Sportdirektor Jörg Schmadtke schon: „Wir können ja nicht sagen, wir wollen junge Spieler begleiten und sie weiterentwickeln, sie dann aber nicht gehen lassen, wenn ein solches Angebot kommt.“

Gebrauchen kann der FC, der um seine Entschuldung kämpft, die Summe sowieso. Und hinter vorgehaltener Hand haben sie sich gefreut, dass sie so viel Geld für das Eigengewächs bekommen haben. Aber Gerhardt scheint dieses Geld wert zu sein: zwei VfL-Pflichtspiele, zweimal Startelf. Manager Klaus Allofs: „Ein toller Junge.“

In der Startelf will der 22-Jährige auch morgen stehen. „Ich musste einige Karten für Freunde besorgen“, sagt Wolfsburgs Nummer 13. Auch sein Papa Peter hat ein Ticket bekommen. Wem drückt der die Daumen? „Mir natürlich“, sagt Gerhardt schmunzelnd. Rechnet er mit Pfiffen aus den Gästeblock? „Es ist mir egal, ich versuche das auszublenden und will mich auf mein Spiel konzentrieren.“

Es ist das Spiel gegen gute Freunde wie Kölns Leonardo Bittencourt, seinem dicksten Kumpel vom FC. Der wollte ihn in dieser Wochen per Whatsapp mit „listigen Liebesgrüßen“ aus Köln in einen moralischen Zwiespalt locken. Hat‘s geklappt? Gerhardt grinsend: „Listige Liebesgrüße? Ich warte noch auf welche...“

von Engelbert Hensel und Andreas Pahlmann

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