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Ganz oben zählen nur Tage wie diese

VfL Wolfsburg Ganz oben zählen nur Tage wie diese

Was für ein Triumph! Was für ein Sieg! Was für ein Abschluss einer unfassbar geilen Saison: Der VfL Wolfsburg ist zum ersten Mal in seiner Vereinsgeschichte DFB-Pokalsieger.

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Der zweite große Titel der Vereinsgeschichte: Die VfL nach der Siegerehrung mit dem DFB-Pokal.

Quelle: Kay Nietfeld

von Andreas Pahlmann

Ein cleverer Nachschuss von Luiz Gustavo, ein satter Abschluss von Kevin De Bruyne und ein Kopfball von Bast Dost machten am Samstag im Finale gegen Borussia Dortmund innerhalb von 17 Minuten aus einem 0:1-Rückstand einen 3:1-(3:1)-Sieg. Um 22.15 Uhr reckte Diego Benaglio den Pokal in den frisch verdunkelten Abendhimmel von Berlin, ein paar Minuten später dröhnte „An Tagen wie diesen“ von den Toten Hosen durchs Berliner Olympiastadion: Man muss dieses Lied nicht mögen. Aber es passte verdammt gut.

Denn an einem Tag wie diesem hat sich der VfL Wolfsburg verändert. Weil er seinen zweiten großen Titel gewonnen hat. Weil er jetzt ganz anders wahrgenommen wird. Weil er einen großen Trainer hat.

Er fühle sich ein bisschen „bekloppt“, sagte VfL-Trainer Dieter Hecking knapp zwei Stunden nach dem Abpfiff, und es schien, als sei ihm dieses Wortspiel eher versehentlich rausgerutscht. Wahrscheinlicher aber hat er mit diesem einen kleinen Wort sehr, sehr viel über dieses Pokalfinale erzählt. Denn als die Wolfsburger Partynacht im Berliner In-Club „Spindler und Klatt“ an der Spree vorbei war, Hecking sich nach wenig Schlaf und einer Sonderzug-Fahrt zurück nach Wolfsburg auf den Autokorso vorbereitete, gab er zu: „Es war der richtige Moment, um vieles von dem auszugleichen, was uns im Vorfeld das Spiels geärgert hat.“ Nämlich dass sich alles um Jürgen Klopps Abschied vom BVB gedreht hatte, dem VfL offenbar nur eine Nebenrolle im große Tschüs-Kloppo-Schauspiel zugedacht war. Was, wohlgemerkt, aus Heckings Sicht nicht die Schuld seines Kollegen gewesen sei, sondern vielmehr an der Sicht der Medien auf dieses Spiel gelegen hatte. „Ich glaube“, so der Wolfsburger Coach, „dass das den Dortmundern selbst nicht recht war.“

Für die Wolfsburger aber war es pure Motivation. „Am Abend vor dem Spiel“, so verriet es Manager Klaus Allofs, „war der Hals des Trainers so dick, dass ich ihn beruhigen musste.“

Doch so, wie sich dieses Spiel nach einem sehr guten Start der Dortmunder gedreht hatte, so drehte sich auch der Blick auf den VfL, der im Finale die Hauptrolle übernahm - auch neben dem Platz. Während aus dem BVB-Block Pyrotechnik für Rauch und Unmut im Stadion sorgte, begrüßten mehr als 20.000 VfL-Anhänger die Wolfsburger Spieler mit einer tollen Choreographie; 15.000 Menschen fieberten derweil auf dem Rathausplatz mit, wo es einen Tag später sogar 40.000 Pokalselige waren, die ihre Helden in Empfang nahmen. „Von wegen Plastikklub, der VfL Wolfsburg ist aus Fleisch und Blut“, stellte Zeit-online fest, ähnlicher Ansicht waren viele Beobachter. Ohne den Sieg am Samstag, ohne den zweiten großen Titel nach der Meisterschaft, hätte womöglich niemand so genau hingeguckt.

Nach dem Abpfiff hatten Hecking und Allofs miteinander auf dem Rasen getanzt. „Wir haben“, so Hecking, „uns gegenseitig dafür bedankt, dass wir zusammengefunden haben.“ Zusammengefunden, um nichts weniger als eine Wachablösung im deutschen Fußball zu schaffen, eine Änderung der Thronfolge hinter den Bayern: Wo lange der BVB stand, steht jetzt Wolfsburg. Und wenn man diesen Platz ganz oben, fast an der Spitze für sich beanspruchen will, dann braucht man Titel. Dann braucht man Siege wie den am Samstag. Dann braucht man Tage, wie dieser einer war.

Und man braucht einen Trainer wie Dieter Hecking, der sich als großartiger Sieger präsentierte - emotional am Spielfeldrand, souverän und mit der nötigen Dosis Demut im Umgang mit seinem ersten großen Titel. „Dortmund war gut“, so sein sportliches Fazit, „aber einer etwas besseren Mannschaft unterlegen.“ An Tagen wie diesem kann man das so sagen.

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