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Für den VfL geht‘s um 35 Millionen

VfL Wolfsburg - Zentralvermarktung Für den VfL geht‘s um 35 Millionen

Fußball-Zweitligist FC St. Pauli möchte die sogenannten Konzernklubs aus den Erlösen der Zentralvermarktung ausschließen - über diese Kicker-Meldung wird seit Sonntagabend heftig diskutiert.

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Das Fernsehen bringt die Millionen ein: Geht‘s nach dem FC St. Pauli, sollen Klubs wie der VfL Wolfsburg in Zukunft bei der Verteilung aus Einnahmen der zentralen TV-Vermarktung leer ausgehen.

Quelle: Photowerk (he)

Die Sache klingt kompliziert, lässt sich aber in einem einfachen Satz zusammenfassen: St. Pauli möchte dem VfL Wolfsburg und anderen Klubs Geld wegnehmen. Erklärungen:

Zentralvermarktung

Nicht jeder einzelne Verein, sondern die gesamte Liga (1. und 2. Liga) kassiert Einnahmen aus den Fernsehrechten und aus gemeinsamem Sponsoring wie Ligaball oder Ärmelsponsor. Für diese Saison sind das 850 Millionen Euro. Die werden unter den Vereinen verteilt - nach einem bestimmten Schlüssel. Erfolgreiche Vereine (auf die letzten fünf Jahre gerechnet) bekommen mehr als Kellerkinder, Erstligisten mehr als Zweitligisten. Der VfL Wolfsburg steht aktuell in dieser Rangliste auf Rang sechs auf darf darum gut 35 Millionen Euro für diese Saison einkalkulieren. Der FC St. Pauli als Zehnter der Zweitliga-Rangliste liegt bei gut 7 Millionen Euro.

Warum gibt‘s das?

Damit der Wettbewerb spannend bleibt. Bei einer Einzelvermarktung würden die Klubs, die häufiger im Fernsehen zu sehen sind (Bayern, Dortmund) noch viel mehr Geld einnehmen, kleine Klubs hätten viel weniger Einnahmen. Weil das so wichtig ist, ist es auch vertraglich geregelt - und kann nicht über eine Abstimmung geändert werden, solange der aktuelle Fernsehvertrag noch läuft. Der endet allerdings 2017.

Was will St. Pauli?

Der Zweitligist mit Manager Andreas Rettig hat für die Mitgliederversammlung des Ligaverbandes den Antrag gestellt, man möge doch die von der 50+1-Regelung ausgenommenen Klubs nicht mehr an den Geldern aus der Zentralvermarktung beteiligen. Aktuell sind das der VfL Wolfsburg, Bayer Leverkusen (gehören Konzernen) und 1899 Hoffenheim (Mäzen Dietmar Hopp gehört die Mehrheit). Der VfL hätte dann schlicht 35 Millionen Euro weniger, bei den anderen Klubs bewegt sich das in ähnlichen Dimensionen. Ab 2017 kann Hannover 96 dazukommen. Diese Millionen können dann auf die anderen Vereine verteilt werden, damit - so sieht es der FC St. Pauli - der finanzielle Vorteil der Konzernklubs nicht mehr ganz so groß ist.

Die Folgen

Hat St. Pauli mit der Idee Erfolg, stünde die Zentralvermarktung insgesamt auf dem Spiel. Der VfL und andere Klubs könnten dann ab 2017 ausscheren und ihre Fernsehrechte selbst verkaufen - und drohen bereits mit diesem Szenario. In einer offiziellen Stellungnahme des VfL heißt es: „Wenn die Mehrheit der 36 deutschen Erst- und Zweitligisten dem Antrag zustimmt, kommt dies einer Aufkündigung der Solidargemeinschaft im deutschen Fußball gleich und markiert zudem das Ende der Zentralvermarktung.“ Und das, so Wolfsburgs Manager Klaus Allofs, „wäre für die gesamte Bundesliga eine schädliche Entwicklung.“

Hat der Antrag Chancen?

Nein. VfL-Finanzgeschäftsführer Wolfgang Hotze ist „der Auffassung, dass dieser Antrag gegen die Satzung verstößt“ und rechnet damit, dass er „mit großer Mehrheit abgelehnt wird.“ Damit rechnet womöglich auch der FC St. Pauli, der wohl hauptsächlich eine Diskussion über den vermeintlich ungleichen Wettbewerb mit den finanzstarken Konzernklubs anschieben will. Im Kicker wird bereits über eine Kompromiss-Idee berichtet: Der Verteilungsschlüssel soll so geändert werden, dass die Konzernklubs automatisch weniger Erlöse haben als andere. Erfolgschancen? Gering.

Perspektive

Hotze glaubt generell nicht, dass eine Gängelung der Konzernklubs im Interesse der meisten anderen Vereine ist - er glaubt eher daran, „dass die 50+1-Regelung nicht ewig Bestand hat“. Sprich: Dass es langfristig noch viel mehr Vereine geben wird, an denen Konzerne oder Mäzene die Mehrheit haben dürfen.

apa

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