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Ein Top-Talent, das die Kirche vermisst

VfL Wolfsburg Ein Top-Talent, das die Kirche vermisst

Wer auf dem Weg zum Berufsfußballer ist, muss auf einiges verzichten. Auf lange Partynächte zum Beispiel oder auf tägliche Pommes-Portionen. Auch Jannes Horn, Jungprofi beim VfL Wolfsburg, kann seine Tage nicht immer so gestalten, wie er es gern hätte.

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Mittendrin: Seit September trainiert Jannes Horn (Mitte) bei den Profis; auf seinem linken Arm steht ein Bibelvers: „Gott ist meine Festung. Er macht meinen Weg sicher.“

Quelle: imago sportfotodienst

„Ich würde“, so der 19-Jährige, „gern häufiger am Sonntag in die Kirche gehen. Ich bin ein gläubiger Mensch.“ Ein Vers aus dem Alten Testament ziert den linken Unterarm des U-19-Nationalspielers, darüber prangt ein großes Kreuz. „Vielleicht“, so Horn, „kommen irgendwann noch mehr Tätowierungen auf dem Arm dazu, das habe ich mir jedenfalls vorgenommen.“ Vorm Essen und vorm Schlafengehen betet er. „Mein Vater hat mir den Glauben vermittelt.“

Wenn er über seinen Werdegang spricht, wirkt er bescheiden, fast demütig. Bei Rot-Weiß Braunschweig fing Horn mit dem Fußballspielen an. Nach einem D-Jugend-Testspiel gegen den VfL gab‘s eine Einladung zum Probetraining, zusammen mit drei Vereinskollegen wechselte Horn in die Wolfsburger D-Jugend. Da war er elf. Die anderen drei kicken längst wieder woanders, was Horn „schade“ findet. Er ist immer noch da, durfte im vergangenen September erstmals mit den Profis trainieren, stand beim Hinrundenfinale in Stuttgart im Wolfsburger Bundesliga-Kader und hat mittlerweile einen Profi-Vertrag unterschrieben. „Als Linksfuß“. so weiß er, „hat man es manchmal leichter, die werden oft gesucht.“

Stürmer, Spielmacher, Sechser, Innenverteidiger – Horn hatte ein paar Positionswechsel durch, ehe ihn VfL-A-Jugend-Trainer Hagen Schmidt zum Linksverteidiger machte. Dort hat er seine Bestimmung gefunden, auch wenn er sich auf der Playstation manchmal gern noch selbst in den Sturm stellt. „Dann mach‘ ich auch mal Tore“, sagt er grinsend. Obwohl er seit Jahren die beliebte Fußballsimulation der „FIFA“-Reihe auf der Konsole zockt, wäre es ihm fast entgangen, dass er sich seit ein paar Wochen dort auch selbst spielen kann. „Freunde haben mir das erzählt, das ist schon ganz cool.“

Fragt man nach seinen Stärken, liefert er in der Antwort seine Schwächen gleich ungefragt mit: „Mein Kopfballspiel müsste ich verbessern, vor allem offensiv. Und im Zweikampfverhalten manchmal ein bisschen schlauer sein.“ Dass einer, der so wohlerzogen wirkt wie Horn, auch mal ausrasten kann, mag man kaum glauben. Als er am vergangenen Sonntag beimA-Jugend-Spiel in Kiel Rot sah, weil er seinen Gegenspieler beleidigt hat, erschrak er über sich selbst: „Das bin ich eigentlich gar nicht.“

Dass der Mann, den viele für das größte und aussichtsreichste Talent der aktuellen VfL-A-Jugend halten, seine Ausbildung zum Bürokaufmann beim VfL trotz Profivertrag durchzieht, passt da schon eher zu ihm. „Ich höre nicht kurz vor dem Ende auf.“ Im Mai stehen die Prüfungen an, danach die U-19-EM. Und danach eine Bundesliga-Karriere? Horn denkt in kleineren Schritten: „Ich habe mit meinem Jahrgang weder im Verein noch in der DFB-Auswahl bisher einen Titel gewonnen. Das wäre mal schön...“

apa

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