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Dzeko: „Ich wäre bereit für den nächsten Schritt“

Das große WAZ-Interview Dzeko: „Ich wäre bereit für den nächsten Schritt“

Lässig lehnt Edin Dzeko an der Brüstung einer VIP-Loge in der VW-Arena. Es ist dieselbe Stelle, an der er sich vor knapp drei Jahren vorstellte, als er das erste Mal in Wolfsburg war. Damals schüchtern, in leidlichem Englisch. Nun, 92 Spiele und 54 Tore in der Fußball-Bundesliga später, steht der Stürmer des Fußball-Bundesligisten VfL den WAZ-Reportern Robert Schreier (r.) und Engelbert Hensel (l.) deutlich lockerer Rede und Antwort. Und im Verlauf des Gesprächs wird klar: Das ist vielleicht sein letztes großes Interview in Deutschland.

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WAZ: „Kommender Weltfußballer“, „Einer wie van Basten“, „Auf derselben Stufe wie Messi“ und „Berlusconi will für Dzeko Ronaldinho verkaufen“. Wie wirken diese Schlagzeilen auf Sie?
Dzeko: Das ist natürlich pure Motivation. Aber ich mache mir lieber nicht so viele Gedanken, wie gut ich bin, ob das alles wahr ist. Ich muss auf dem Platz immer nur das machen, was ich gut kann. Das hat mir Felix Magath tausend Mal eingebläut: Edin, mach‘ nur das, was du kannst. Daran denke ich auch jetzt immer.

WAZ: Also ist Magath daran schuld, dass Sie zu den besten Stürmern Europas gehören?
Dzeko: Er hat seinen Anteil an meiner Entwicklung, aber das Wichtigste ist meine Familie. Ohne sie hätte ich gar nichts geschafft. Als ich zehn Jahre alt war, hat mein Vater mich immer motiviert, im Training hart zu arbeiten. Er tat es vielleicht, weil er Talent gesehen hat, vor allem aber, weil Fußball das Größte für mich war. Er, meine Mutter und meine Schwester haben mir bisher bei all meinen Entscheidungen geholfen. Und die waren immer richtig.

WAZ: Sie sind in Ihrer Karriere bisher eher langsam voran gekommen?
Dzeko: Ja, es waren immer kleine Schritte für mich. Aus Bosnien in die 2. Liga nach Tschechien, dann dort 1. Liga, dann nach Wolfsburg, einem damals durchschnittlichen Klub, UEFA-Cup, Meisterschaft, Champions League. Dieses step by step war sehr wichtig.

WAZ: An welchem Punkt sehen Sie sich aktuell?
Dzeko: Auf keinen Fall bin ich auf dem Höhepunkt meiner Karriere. Ich kann mich in vielen Dingen verbessern. Es gibt keinen Spieler auf dieser Welt, der 100 Prozent komplett ist, selbst Messi nicht. Jeder hat Schwächen. Als ich nach Wolfsburg kam, war es vor allem mein Kopfball…

WAZ: Dafür haben Sie eine geradezu geniale Technik für Ihre Größe! Wie kommt das?
Dzeko: Das ist bestimmt Talent. Aber es liegt wohl auch daran, dass ich bis zu meinem 16. Lebensjahr immer der Kleinste in meinen Mannschaften war. Da hatte ich eine gute Technik und habe wenig Kopfball gespielt. Dann bin ich innerhalb eines Jahres 20 Zentimeter gewachsen. Aber die Technik ist geblieben. Außerdem habe ich immer hart an mir gearbeitet: Als Jugendlicher habe ich mich gezwungen, immer mit links zu schießen, denn wenn du als Stürmer nur einen starken Fuß hast, dann bekommst du vor dem Tor schnell Probleme. Es gibt immer Luft nach oben – auch im Moment…

WAZ: Was heißt das für ihre Zukunft und einen möglichen Vereinswechsel?
Dzeko: Jetzt wäre ich bereit für den nächsten Schritt. Im letzten Sommer war ich nicht so sicher, ob ich schon bereit bin für einen Wechsel. Ich hatte meine erste richtig gute Bundesliga-Saison hinter mir. Alle sagten mir, es sei schwer, so etwas zu bestätigen. Also habe ich gesagt: Okay, schauen wir, ob ich es beim VfL bestätigen kann.

WAZ: Sie haben es bestätigt – im Gegensatz zu anderen. Wie ist das gelungen?
Dzeko: Selbstvertrauen ist das Wichtigste. Als Stürmer zweifelst du immer, wenn du nicht triffst. Das ist immer noch so, wenn auch nicht mehr so stark. Mental bin ich viel besser als vor ein paar Jahren. Ich weiß, dass es wichtig ist, alles zu geben, 90 Prozent reichen nicht aus.

WAZ: Anders als Sie hat der VfL in dieser Saison einen Rückschritt gemacht…
Dzeko: …und das ist sehr, sehr enttäuschend. Wir waren Meister, in der Champions League, in der Europa League. Und nächstes Jahr? Da haben wir gar nichts. Ich habe es in den vergangenen Monaten für unprofessionell gehalten, über meinen Wechsel nachzudenken, weil wir noch sportliche Ziele hatten. Nach der Saison habe ich Zeit, darüber nachzudenken.

WAZ: Das heißt, alles ist offen?
Dzeko: Das heißt, dass ich noch nicht weiß, wo ich nächste Saison spiele, ob ich bleibe oder nicht. Wenn ich gehe, würde ich vieles vermissen. Es wäre nicht leicht. Aber wenn es passiert, dann nur, weil es für meine fußballerische Zukunft besser ist. Ich hatte immer das Ziel, in einem großen Verein zu spielen. Ich hoffe, mir ist deshalb niemand in Wolfsburg böse.

WAZ: Befürchten Sie das?
Dzeko: Nein, denn das wäre ungerecht. Ich habe viel vom VfL bekommen, aber ich habe auch viel zurückgegeben.

WAZ: Und Ihr Vertrag ist auch fair?
Dzeko (grinst): Für wen?

WAZ: 40 Millionen Euro sind gut für den Klub. Können Sie sich vorstellen, wie viel Geld das ist?
Dzeko: Ach, das kann ich nicht mal schreiben! Aber klar: Ich hätte den Vertrag nicht unterschrieben, wenn er nicht gut für beide Seiten gewesen wäre.

WAZ: Wie muss denn der neue Verein sein, dass Sie den großen Schritt vollziehen?
Dzeko: Jedes kleine Detail spielt bei der Entscheidung eine Rolle. Aber natürlich ist ganz wichtig, wer dort Trainer ist und ob es ein Verein ist, der regelmäßig in der Champions League spielt.

WAZ: Welche Rolle spielt Geld?
Dzeko: Keine.

WAZ: Ehrlich?
Dzeko: Ja. Geld und Popularität sind nichts Besonderes. Ich mache jeden Tag im Training und in den Spielen das, was mir Spaß macht: Fußball. Dass ich dafür auch noch Geld bekomme, ist umso besser.

WAZ: Sie können Ihre Popularität vor allem in der Heimat ausnutzen. In Bosnien sind Sie ein Mega-Star. Wie viele Werbeverträge haben Sie?
Dzeko: Nicht einen.

WAZ: Das ist ungewöhnlich, gibt es keine Anfragen?
Dzeko: Doch, die gibt es seit dem vergangenen Sommer. Aber ich will mich auf Fußball konzentrieren und nicht jede Werbung machen, die mir angeboten wird. So etwas mache ich nicht schnell, schnell. Da überlegt man und entscheidet in Ruhe. Für solche Dinge ist doch noch Zeit.

W AZ: Beim VfLWolfsburg haben Sie eine kräftige Gehaltserhöhung bekommen, haben Sie sich seither verändert?
Dzeko: Nein, das habe ich nicht. Ich weiß, wer ich bin, ich weiß, wo ich herkomme egal, wie viel Geld ich habe, ich bleibe der, der ich immer war. So bin ich aufgewachsen. Das haben mir meine Eltern mitgegeben.

WAZ: Sind Sie ein Star?
Dzeko (grinst verlegen): Nein, ich bin ganz normal.

WAZ: Aber Sie stehen zumindest in Bosnien jetzt auch in den Klatsch-Spalten der Zeitungen?
Dzeko: Ja, aber damit kann ich leben. Natürlich komme ich in Sarajewo leichter voran, wenn ich ein Basecap aufhabe, aber ich will mich ja gar nicht verstecken. Ich gebe gern Autogramme und mache Fotos mit Fans. Du musst nur wissen, wer echte Freunde sind. Und davon habe ich zum Glück einige.

WAZ: Aber eine Freundin haben Sie nicht?
Dzeko: Nein, ich bin wieder solo. Ich fühle mich noch zu jung für etwas Ernstes. Aber ich war ja einige Jahre Single, und alle wissen inzwischen: Im Haushalt komme ich allein sehr gut klar.

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