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Dem VfL fehlen nicht nur Punkte

VfL Wolfsburg Dem VfL fehlen nicht nur Punkte

Nur der Kapitän redete, der Rest der VfL-Mannschaft durfte sich am Samstag nach dem 1:1 bei 1899 Hoffenheim um die Interview-Zone herumdrücken. So sprachlos reagieren eigentlich nur Klubs, die sich in einer echten sportlichen Krise befinden. Das ist Wolfsburgs Fußball-Bundesligist nach eigener Aussage (noch) nicht. Wirklich nicht?

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Nachdenklich: VfL-Trainer Dieter Hecking am Samstag während des Spiel bei 1899 Hoffenheim.

Quelle: imago sportfotodienst

Dass die Spieler keine Interviews in der Mixed Zone gaben, war wohl eher eine organisatorische Panne als eine Schweige-Order, aber es passt auch ins sportliche Bild: Im Grunde weiß jeder, was er tun soll, aber die Abläufe stimmen noch nicht.

Woran liegt‘s?

VfL-Trainer Dieter Hecking wies nach dem offensiv über weite Strecken eher mauen Auftritt in der Rhein-Neckar-Arena darauf hin, dass der VfL sieben WM-Fahrer hatte und sich mit Verletzungssorgen herumplagt.

Aber: Unter den WM-Fahrern waren auch Kevin De Bruyne und Ivica Olic, die im bisherigen Saisonverlauf noch zu den Besseren zählten, mit Abstrichen gilt das auch für Ricardo Rodriguez. Und von den vier Langzeitausfällen ist nur WM-Fahrer Ivan Perisic ein großer Verlust, die anderen spielten entweder sportlich ohnehin keine große Rolle (Patrick Ochs, Felipe Lopes) oder wurden wie Christian Träsch durch einen guten Neuzugang (Sebastian Jung) ersetzt.

Auch wenn man WM-Stress und Verletzungen einkalkuliert, bleibt die Erkenntnis: Die, die auf dem Platz stehen, müssten aufgrund ihrer individuellen Klasse eigentlich als Mannschaft besser funktionieren. Tun sie aber nicht.

Hoffenheims Andreas Beck (l) hat den Ball vor Wolfsburgs Daniel Caligiuri erobert.

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Was fehlt?

Erstens fehlen Punkte - zwei von neun möglichen Zählern ergeben einen glatten Fehlstart, der auch dann ein Fehlstart bleibt, wenn man das Pech der späten Fehlschüsse von Junior Malanda in München und gegen Frankfurt dabei einkalkuliert. „Wenn“ und „hätte“ helfen nicht, der Konjunktiv ist nur der Freund des Verlierers.

Zweitens fehlt die Offensiv-Dominanz, die man als Mannschaft mit Spitzenplatz-Ambitionen ausstrahlen muss. Denn zwei guten Aktionen folgte zu oft eine schlechte: gute Balleroberung, guter erster Pass, gute Laufwege der Mitspieler - und dann ein ungenaues, unkonzentriertes Zuspiel. So oder so ähnlich sah es auch zu oft am Samstag aus.

Drittens fehlen Alternativen. Und das nicht nur, weil das Lazarett zu groß ist, sondern weil mit Aaron Hunt (brachte allerdings am Samstag durchaus Schwung!) und Nicklas Bendtner (am Samstag als Joker ein irrlichternder Fremdkörper) zwei von vier Neuen noch nicht wirklich in der Mannschaft angekommen sind - dass Bendtner meilenweit vom Prädikat „Verstärkung“ entfernt ist, sorgt zudem dafür, dass immer noch ein herausragender Strafraumstürmer fehlt.

Und nun?

„Einige haben ja geglaubt, dass wir in Hoffenheim, in Everton und gegen Leverkusen sowieso verlieren“, wehrte sich Hecking am Samstag gegen Miesmacherei. „In Hoffenheim haben wir schon mal nicht verloren!“ Das klingt zwar trotzig-schlicht, aber der Trainer hat Recht: Weil der Ausgleich spät fiel, fühlt sich der eine Punkt im Kraichgau irgendwie gut an - für den Weg zu mehr Selbstbewusstsein ist das hilfreich, vor allem vor dem ersten Auftritt am Donnerstag in der Europa League.

Außerdem kann das Team auf Dinge setzen, die funktionieren - die defensive Grundordnung stimmte auch am Samstag, vor allem in der Phase nach dem Gegentor, als es der VfL schaffte, die gefährlichen Hoffenheim-Konter zu unterbinden.

Dass die Spieler in vielen Teilen ihre Leistung auch durchaus kritisch sehen, ist ebenfalls ein gutes Zeichen; sie sollten allerdings auch darüber reden dürfen. Wenn sie wortlos in den Bus marschieren, vermitteln sie den Eindruck, als sei die sportliche Krise schon da. Dabei ist es bisher „nur“ ein Fehlstart - und in den letzten 13 Ligaspielen hat der VfL nur in Dortmund und bei den Bayern verloren.

Also: Fehlstart? Ja! Krise? Nein! Und mit solider Defensive, individuellen Akzenten im Spiel nach vorn und etwas mehr Mut ist man in Everton und gegen Leverkusen wahrlich nicht chancenlos.

apa

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