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De Bruyne „Bin lieber Erster als Zweiter“

Das große WAZ-VfL-Interview De Bruyne „Bin lieber Erster als Zweiter“

Zum Interview mit WAZ-Sportredakteur Robert Schreier erschien Kevin De Bruyne im schwarzen Pulli mit der Aufschrift „KDB“. Die eigenen Initialen auf der Brust zu tragen, deuteten aber weder auf eine eigene Modelinie noch auf ein übersteigertes Selbstbewusstsein hin. Es hat mit einer Benefizaktion zu tun, die noch bevorsteht. In seinem ersten WAZ-Interview auf Deutsch sprach der Spielmacher des Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg über seinen Höhenflug, Ziele und Ansprüche.

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WAZ: Sie sind jetzt fast ein Jahr in Wolfsburg. Ist alles so eingetreten, wie Sie es sich erträumt hatten?

De Bruyne: Ja, das Gefühl, das ich damals bei der Entscheidung hatte, nach Wolfsburg zu gehen, war richtig. Ich fühle mich sehr wohl.

WAZ: Hatten Sie nie den Eindruck, dass Sie bei einem Verein spielen, der kleiner ist als Ihre fußballerische Klasse?

De Bruyne : Nun, ich kam von Chelsea. Das ist ein Verein, bei dem du alles hast, was du dir wünschst: zehn Physios, drei Ärzte, dein Wunschessen. Das ist eine andere Welt. Die Vereine kann man nicht vergleichen. Chelsea hat auch deutlich mehr Geld als der VfL. Aber für einen deutschen Verein hat Wolfsburg viele Möglichkeiten. Es ist ein Klub, der nach oben will. Aktuell läuft es gut, wir sind wahrscheinlich eine der besten fünf, sechs Mannschaften der Bundesliga. Der VfL macht viele Dinge richtig.

WAZ: An was denken Sie da?

De Bruyne: Als ich mit Bremen hier gespielt habe, war der VfL nicht in der Verfassung wie jetzt. Mit den neuen Spielern ist er stärker geworden. Und auch das neue VfL-Center ist gut für die Entwicklung nach vorn.

WAZ: Welche Rolle nehmen Sie dabei ein?

De Bruyne: Ich will so gut wie möglich spielen.

WAZ: Sie sagten, dass Sie Fußball spielen, weil es Spaß macht, aber kein Führungsspieler sein wollen...

De Bruyne: Das ist immer noch so.

WAZ: Aber es sieht anders aus.

De Bruyne: Auf dem Platz übernehme ich Verantwortung. Das ist ein Teil davon, Spaß zu haben. Aber in der Kabine wie ein Kapitän zu sein, das ist weiterhin nicht mein Ding.

WAZ: Der Trainer sagt, dass er mit Ihnen über die Taktik spricht – weil Sie ein Führungsspieler sind.

De Bruyne: Ich halte es eher für normal. Dass es am Anfang anders war, lag daran, dass ich die Sprache nicht so gut konnte wie jetzt, und dass ich erst alle kennenlernen musste.

WAZ: Sie wirken in einer guten Mannschaft noch herausragend. Wie stark finden Sie sich im Moment selbst?

De Bruyne: Gerade läuft es gut. Ich versuche, das Niveau zu halten. Aber es gibt Spiele wie auf Schalke, die schwächer sind. Das ist normal.

WAZ: Interessiert es Sie, wenn die Medien Sie so loben?

De Bruyne (lacht): Nein.

WAZ: Bei wem hören Sie zu, wenn Sie gelobt werden?

De Bruyne : Meine Freunde und meine Familie sagen mir auch, was gut war und was nicht. Aber ich weiß am besten selbst, wie ich gerade spiele.

WAZ: Sie sind nicht der typische Publikumsliebling, der das Wappen auf seinem Trikot küsst. Wie wichtig ist Ihnen die Liebe der Fans?

De Bruyne: Mir ist es wichtig, dass die Fans sehen, dass ich immer 100 Prozent gebe. Das reicht mir. Alles andere verwundert mich manchmal.

WAZ: Zum Beispiel?

De Bruyne: Welche Fußball-Euphorie es gerade in Belgien gibt, ist ein bisschen sonderbar. Als ich mit dem Fußballspielen begonnen habe, hat niemand die Nationalmannschaften angeguckt. Jetzt kommen 30.000 zu einer Trainingseinheit. Meinetwegen kommen Belgier nach Wolfsburg. Die Spiele des VfL werden dort gezeigt. Wenn wir nächste Woche in Lille spielen, sind rund 400 Belgier im Stadion.

WAZ: ...und Ihre Landsleute kaufen Ihr Buch. Wieso haben Sie mit 23 eine Biographie geschrieben?

De Bruyne: Man hatte mich gefragt, und ich fand es nicht schlecht. Ich bin früh aus meiner Heimat weggegangen, habe viel erlebt, was die Leute nicht mitbekommen haben, oder es wurde falsch dargestellt. Ich hatte mich fünf Stunden mit dem Autor unterhalten. Dann entstand das Buch.

WAZ: Nervt es Sie, dass nur die Anekdote mit Ihrer Ex-Freundin aus dem Buch gezogen wurde?

De Bruyne: Ich weiß doch, wie Medien arbeiten. Das Echo ist mir egal. Ich wollte nur das Buch schreiben.

WAZ: Über Facebook, Twitter und Instagram ist auch einiges Privates von Ihnen zu sehen – direkt an Ihre Fans.

De Bruyne: Ja, direkt – ohne Medien. Das mag ich. So kann ich meinen Fans direkt etwas sagen.

WAZ: Spielen Sie, um Titel zu gewinnen?

De Bruyne: Ich spiele, um auf dem höchsten Level zu sein. Es geht nicht unbedingt um Titel. Aber ich bin nicht gern Fünfter und lieber Erster als Zweiter.

WAZ: Möglicherweise gewinnen Sie mit einem großen Verein eher einen Titel als mit Wolfsburg. Träumen Sie von Vereinen wie Barcelona, ManU oder Bayern?

De Bruyne: Ich will das Höchste erreichen, das für mich möglich ist. Was das sein wird, weiß ich nicht. Es kann sein, dass es Wolfsburg ist. Im Moment tut es mir sehr gut, hier Fußball zu spielen. Aber es wäre dumm, wenn ich sage: Ich gehe nie weg. Denn dann kommt doch ein großes Angebot, das mich reizt, und alle Fans denken: Was hat er damals für Blödsinn geredet? Das will ich nicht.

WAZ: Nach der Erfahrung, bei Chelsea nur auf der Bank gesessen zu haben, schreckt Sie aber ein großer Verein nicht ab?

De Bruyne: Ich war jung. Ich hatte da auch gut gespielt, aber im Fußball ist es oft so: Der Neuzugang, der 30 Millionen gekostet hat, spielt öfter als der für 10 Millionen.

WAZ: Der VfL ist ein aufstrebender Verein, Sie sind ein junger Spieler, der immer besser wird. Reizt es Sie, gemeinsam mit Wolfsburg zu wachsen?

De Bruyne: Ich kenne das aus Genk. Wir haben da mit einer sehr jungen Mannschaft in Belgien die Meisterschaft, den Pokal und den Supercup gewonnen. Es ist so schön, mit einer Mannschaft erfolgreich zu sein, die sonst nicht immer alles gewinnt.

WAZ: Das geht auch mit dem VfL?

De Bruyne (lacht): Nein, dieses Jahr geht es nicht, Meister zu werden.

WAZ: Und langfristig?

De Bruyne: Wieso nicht? Aber die Lücke ist im Moment da. Wir haben in Wolfsburg acht, neun internationale Klassespieler. Das ist nicht so schlecht. Bei Chelsea und Bayern sind es aber 25. Das ist der größte Unterschied.

WAZ: Fehlt dem VfL ein richtiger Top-Stürmer?

De Bruyne: Wir schießen im Moment viele Tore und haben drei gute Stürmer. Ivica Olic ist nicht mehr so jung, und kann vielleicht nicht jedes Spiel bestreiten. Nicklas Bendtner wird von Spiel zu Spiel besser. Und Bas Dost ist auch gut. Das passt – auch wenn wir keinen Cristiano Ronaldo haben.

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