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„Das ist das größte Spiel in Deutschland“

VfL Wolfsburg „Das ist das größte Spiel in Deutschland“

Wolfsburgs Ex-Dortmunder Ivan Perisic im großen WAZ-Interview zum Pokalfinale.

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Vor dem großen Pokalfinale: Ivan Perisic beim Interviewtermin mit WAZ-Sportredakteur Engelbert Hensel.

Quelle: Photowerk (bb)
Er spielt gegen seine alten Freunde, gegen seinen Ex-Verein Borussia Dortmund – aber emotional aufgewühlt war Ivan Perisic deshalb beim Interviewtermin mit WAZ-Sportredakteur Engelbert Hensel nicht. Der Offensivmann des Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg hat nur ein Ziel vor Augen, er will am Samstagabend nach der Partie gegen seinen Ex-Klub den Pott in den Nachthimmel von Berlin strecken, so wie vor drei Jahren, als er den Pokal mit der Borussia gewann.

WAZ: Sie haben in Berlin schon den Pokal geholt - wie oft sind Sie in diesen Tagen von Ihren Kollegen darauf angesprochen worden?

Perisic: Häufiger, allerdings waren neben mir ja noch zwei, drei weitere schon mal im Pokalfinale. Aber klar fragt der eine oder andere, was einen in Berlin so erwartet.

WAZ: Was haben Sie geantwortet?

Perisic: Dass es das größte Spiel in Deutschland ist, dass es ein geiles Spiel ist. Und dann noch gegen Dortmund, gegen meine alte Mannschaft - besser geht es doch nicht.

WAZ: Sind Sie deshalb ein bisschen nervös?

Perisic: Nein, ich habe mit Dortmund große Spiele wie gegen Real Madrid oder andere Kaliber gemacht, ich war bei der EM, bei der WM, ich habe Erfahrung. Für mich ist es fast ein normales Spiel, zu dem auch meine Familie und meine Freunde aus Kroatien kommen. Das ist für mich eine Zusatz-Motivation. Sie waren auch da, als ich mit der Borussia das Finale gewonnen habe. Aber diesmal sind sie alle für Wolfsburg.

WAZ: Was muss passieren, damit sie am Ende alle jubeln dürfen?

Perisic: Klar, die Borussia hat‘s in den vergangenen Monaten gut gemacht, aber wir sind auch gut. Wir werden noch einmal so ein Spiel abliefern wie vor zwei Wochen, müssen aber weniger Ballverluste haben, dann gewinnen wir wieder. Ich glaube, dieses Spiel zweier Top-Mannschaften wird von ein, zwei individuellen Aktionen entschieden werden. Ich hoffe, dass wir das schaffen.

WAZ: Wie fühlt es sich an, diesen Pokal in den Händen zu halten?

Perisic: Das ist überragend. Damals bin ich mit der Borussia kurz vorher noch Meister geworden, dann noch der Pokalgewinn - das war schon geil, zumal mir so etwas noch nie mit einem meiner Vereine gelungen war. Das waren die besten Tage in meiner Karriere. Aber jetzt bin ich VfL-Spieler und will mit diesem Verein diesen Pokal gewinnen.

WAZ: Tut es weh, Tore gegen die Borussia zu schießen?

Perisic: Für mich steht fest: Wenn ich treffen sollte, werde ich nicht jubeln, weil ich noch viel Respekt vor diesem Verein habe.

WAZ: Zu welchen Borussia-Spielern haben Sie noch einen engen Draht?

Perisic: Ich will jetzt keinen nennen, sonst vergesse ich einen und der ist dann sauer...

WAZ: Und wie ist das Verhältnis zu BVB-Trainer Jürgen Klopp?

Perisic: Wenn ich Klopp sehe, reden wir, dann lachen wir, für mich wird er immer ein guter Trainer bleiben. Ich habe viel gelernt bei ihm.

WAZ: Sind Sie nicht sauer, dass Ihr Weg in Dortmund plötzlich zu Ende war?

Perisic: Nein, die Dortmunder wollten nicht, dass ich gehe. Aber ich wollte weg, ich war nicht mehr glücklich dort, ich wollte mehr spielen. Dann kam Klaus Allofs und alles ging ziemlich schnell. Allofs hat mir damals gesagt, dass der VfL eine große Mannschaft bauen möchte. Dieser Plan hat mir gefallen. Klar war es ein Risiko zu gehen, weil der VfL damals nicht so gut in der Tabelle stand, aber was wir danach hier geschafft haben, ist doch ziemlich gut...

WAZ: Stichwort große Mannschaft: Hat der VfL Wolfsburg schon eine große Mannschaft?

Perisic: Dafür musst du einen Titel gewinnen. Aber: Unser Team hat sich fast in jedem Spiel verbessert, wir sind auf einem richtig guten Weg. Doch wir haben noch nicht Champions League gespielt, wir sind noch nicht top, wir brauchen noch Zeit und die eine oder andere Verstärkung, um nach ganz oben zu kommen.

WAZ: Sie selbst haben Top-Leistungen gebracht, viele sprechen schon vom besten Perisic aller Zeiten. Stimmen Sie zu?

Perisic: Nein, ich bin jetzt 26, die beste Zeit als Fußballer soll zwischen 27 und 31, 32 Jahren liegen. Ich glaube also, dass meine beste Zeit jetzt erst kommt.

WAZ: Haben Sie eigentlich Vorbilder?

Perisic: Als ich jung war, war das Zinédine Zidane.

WAZ: Warum er?

Perisic: Er ist meine Nummer 1. Seine Technik und seine elegante Art und Weise haben mir immer imponiert.

WAZ: Haben Sie ihn mal getroffen?

Perisic: Leider nein. Aber nun spielen wir ja in der Champions League, vielleicht kriegen wir Real Madrid als Gruppengegner, dann kann es zu diesem Treffen kommen. Doch jetzt zählt für mich nur der Sieg gegen Dortmund.

WAZ: Nach dem Finale wird‘s eine große Party geben, können Sie eigentlich gut feiern?

Perisic: Ja, aber zuletzt ging das wegen der vielen englischen Wochen nicht. Nach dem Finale ist endlich Zeit, um das mit der Familie, meinen Mitspielern und den Mitarbeitern mal zu machen - am liebsten natürlich mit dem Pokal.

WAZ: Der gehört dann auch Junior Malanda, der bei einem tragischen Autounfall ums Leben gekommen ist. Denken Sie in den Tagen vor dem Finale noch häufiger an ihn?

Perisic: Dass das eine schwere Zeit war, haben wir alle betont. In den ersten Tagen nach diesem Unfall konnte ich nicht schlafen, weil ich immer wieder an ihn denken musste.

WAZ: Und wie ist das mittlerweile?

Perisic: Wenn ich irgendwo seine Trikotnummer sehe, ist es schwer für mich, aber wir müssen das Endspiel jetzt ohne ihn gewinnen. Ich denke, dass das noch eine Portion Extra-Motivation fürs Endspiel ist. Wir wollen diesen Pokal nicht nur für den Verein, für uns oder für die Fans gewinnen - wir wollen es auch für ihn tun.

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