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Bas Dost: „Bei mir sieht alles ein bisschen komisch aus“

VfL Wolfsburg Bas Dost: „Bei mir sieht alles ein bisschen komisch aus“

Drei Tore in den ersten drei Rückrunden-Spielen der Fußball-Bundesliga – Bas Dost ist nicht nur wegen des Wechsels von Ivica Olic zum Hamburger SV jetzt die Nummer 1 im Sturm des VfL Wolfsburg. Im Interview mit WAZ-Sportredakteur Robert Schreier spricht der Holland-Knipser über seine tolle Bilanz gegen Bayer Leverkusen, seine starke Form, über seine Launen und seinen Sturm-Konkurrenten Nicklas Bendtner.

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Großes WAZ-Interview: VfL-Stürmer Bas Dost über Tore, Konkurrenz und schlechte Laune in der Kabine.

Quelle: Boris Baschin

WAZ : Sie haben eine Superbilanz gegen Leverkusen...
Dost : Ja, zufällig weiß ich das. Ich habe gegen sie immer getroffen. So gefällt mir das. Für einen Stürmer muss es immer so sein, dass man ein oder zwei Tore machen will. Ich bin jetzt in solch einer Verfassung, dass ich jedes Spiel mit diesem Gedanken angehe.

WAZ : Aber Manager Klaus Allofs sagt, dass Sie verstehen müssen, dass Sie auch ein gutes Spiel gemacht haben können, ohne ein Tor erzielt zu haben...
Dost : Ich verstehe, dass er das sagt. Aber für mich ist ein Spiel nicht komplett, wenn ich nicht getroffen habe. Ich habe schon oft gut gespielt und kein Tor gemacht. Dann hatte ich das Gefühl, dass etwas gefehlt hat. Aber ich verstehe, dass es auch darauf ankommt, was der Stürmer sonst macht - auch ohne den Ball.

WAZ : Sie waren oft verletzt, macht Ihre Gesundheit Sie gerade so stark?
Dost : Nein, das glaube ich nicht. Ich bin im Kopf ziemlich klar, ich weiß, was ich machen muss. Und ich mache mir nur noch Gedanken über das, was ich auf dem Platz tue.

WAZ : Wie war das früher?
Dost : In Wolfsburg hatte ich immer viel Konkurrenz: Lakic, Helmes, Olic. Man weiß also nie, ob man immer spielt - und das war ich von meinem alten Verein anders gewöhnt. Hier weißt du: Nach einem schlechten Spiel bist du vielleicht draußen. Das ist schwer. Aber jetzt bin ich soweit, dass es mich nicht mehr interessiert. Ich spiele einfach mein Spiel und kann in den Spiegel schauen.

WAZ : Wie lernt man diese Einstellung?
Dost : Ich habe viel in Wolfsburg erlebt, da lernt man viel. Auch die Verletzungen, die ich hatte, waren rückblickend lehrreich. Oder die Sache mit Junior - die ist schrecklich. Aber all das lehrt mich, mit dem zufrieden zu sein, was du hast; und nicht immer mit dem Gedanken nach Hause zu fahren, wie schlecht alles ist. Denn so schlecht habe ich es nicht.

WAZ : Machen Sie sich weniger Gedanken über einen Wechsel?
Dost : Diese Fragen kommen bei einem Stürmer immer. Wenn du schlecht bist, musst du weg. Wenn du gut bist, musst du auch weg - zu einem noch besseren Verein. Aber ich denke nicht mehr darüber nach. Im Sommer hatte ich für mich entschieden zu bleiben, und es war richtig so.

WAZ : Sie machen sich weniger Gedanken, verschwindet dadurch auch Ihre Emotionalität?
Dost : Es wird weniger, aber es ist trotzdem noch meine Persönlichkeit und auch ein bisschen meine Qualität. Alle haben mir gesagt, dass ich manchmal in die Kabine gekommen bin und gelacht habe. Zwei Tage später komme ich und gucke böse. Da wussten alle: Heute kann man Bas nicht ansprechen. Das kann natürlich nicht sein, da habe ich etwas geändert.

WAZ : Wie war der emotionale Bas Dost eigentlich als Jugendlicher, wenn man noch unkontrollierter ist?
Dost : Da gab es schwierige Momente. In Holland habe ich nach verlorenen Trainingsspielen immer meine Fußballschuhe weggeworfen. Alle haben mich ausgelacht und gesagt, dass ich ein Idiot bin. Wenn ich da jetzt drüber nachdenke, ist das wirklich dumm von mir gewesen...

WAZ : Sind Sie nur beim Fußball so emotional?
Dost : Nein, ich bin immer so. Ich liebe es einfach, jemandem zu zeigen, wie ich mich fühle. Manchmal ist das gut, manchmal ist das schlecht. Ich verstehe, dass es für meine Mitmenschen schwierig sein kann. Das ist das Problem mit solch einem Charakter. Man merkt mir alles an, und dann sagt Kevin De Bruyne sofort: Ach Bas, bist du wieder böse? Er sagt es dann auf Deutsch, obwohl wir sonst Holländisch sprechen. Damit es jeder versteht.

WAZ : Passen Sie zum Spiel von Kevin De Bruyne, André Schürrle und Co.?
Dost : Nun ja, wenn ich im Fernsehen Fußball schaue, möchte ich nicht mich sehen. Ich will andere Stürmer sehen. Bei mir sieht alles ein bisschen komisch aus. Man erwartet nicht, dass ich schnell bin oder eine gute Technik habe. Das kann ich aber. Ich halte auf diesem Level mit. Aber es sieht eben anders aus. Dafür kann ich nichts, das ist mein Stil.

WAZ : Aber dennoch waren Sie gefühlt schon oft weg vom VfL...
Dost : Ja, aber ich habe immer an meine Fähigkeiten geglaubt und gehofft, dass ich noch eine Chance bekomme. Die kam dann zum Glück auch.

WAZ : Und jetzt sind Sie mit Ihrem schärfsten Konkurrenten im Team befreundet...
Dost : Ja, Nicklas Bendtner und ich verstehen uns gut. Es muss nicht so sein, dass man mit seinem Konkurrenten gar nicht spricht. Die Trainer machen die Aufstellung, und der andere Spieler kann nichts dafür, dass du nicht spielst. Das ist auch etwas, das man lernt. Am Anfang willst du das nicht sehen. (lacht) Da denkst du über die anderen, dass sie Blödmänner sind.

WAZ : Das haben Sie tatsächlich gedacht?
Dost : Das habe ich oft über meine Konkurrenten gedacht. Aber das ist dann nur, weil du selbst schlecht drauf bist. Dann ist alles schlecht. Dabei liegt alles nur an dir selbst.

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