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Verhärtete Fronten: VW macht in Haustarifrunde kein Angebot

Volkswagen Verhärtete Fronten: VW macht in Haustarifrunde kein Angebot

In den Verhandlungen für die rund 120.000 Mitarbeiter im Haustarif bei Volkswagen haben sich bereits zum Start der Gespräche verhärtete Fronten abgezeichnet. Der Verhandlungsführer auf Arbeitgeberseite, Martin Rosik, legte zum Auftakt heute in Hannover kein Angebot vor.

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Zum Start der Verhandlungen über den Haustarif sind die Fronten verhärtet.

Quelle: Archiv

„Ich denke, es ist eine anspruchsvolle Tarifrunde“, sagte er. Mit Blick auf die teure Abgas-Affäre meinte Rosik: „Die aktuelle wirtschaftliche Situation ist angespannt.“ Die Tarifverhandlungen werden am 2. Mai fortgesetzt.

Dagegen sieht IG-Metall-Verhandlungsführer Hartmut Meine gute Voraussetzungen, weil die Konzernprognose für das laufende Jahr trotz des Diesel-Skandals wieder einen Gewinn verspreche. „Wir verhandeln hier für das laufende Jahr 2016, und der Ausblick dafür ist gut“, sagte Meine. Doch auch er sieht heikle Vorzeichen für die laufenden Runde: „Es ist schwieriger als im letzten Jahr.“

Die IG Metall will bei VW wie in den parallel laufenden Verhandlungen zum Branchen-Flächentarif fünf Prozent mehr Geld. Auch eine Verlängerung der Altersteilzeitregel steht zur Debatte. Die Diesel-Krise ist aus Sicht der Gewerkschaft kein Grund für Verzicht: „Die Arbeiter in der Montage, die Beschäftigten in der Gießerei oder in der Verwaltung haben nicht manipuliert“, argumentiert Meine. „Deshalb werden die Beschäftigten auch nicht die Zeche zahlen. Dafür müssen andere geradestehen.“

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh äußerte sich enttäuscht darüber, dass es noch kein Angebot vom Unternehmen gab. „Wenn wir Anfang Mai in die zweite Runde gehen, erwarte ich ,Butter bei die Fische‘. Das Unternehmen sollte jedenfalls nicht den Versuch unternehmen, auf Zeit zu spielen. Gerade in diesen für Volkswagen so besonderen Zeiten darf man die Geduld der Belegschaft nicht überstrapazieren“, sagte Osterloh.

VW: „Die Kosten im Griff halten“

Der Abgas-Skandal hat  Volkswagen in die größte Krise der Konzerngeschichte gestürzt und 2015 den größten Verlust aller Zeiten eingebrockt. Zum Auftakt der Haustarifrunde warnte VW-Verhandlungsführer Martin Rosik heute: „Es geht um die Wettbewerbsfähigkeit von Volkswagen.“

Ähnliches war von ihm auch in den Vorjahren zu hören. Aber diesmal klingt es nicht nur so dahergesagt.

Der VW-Personalleiter warnte, dass „große politische und wirtschaftliche Unsicherheiten“ das Automobilgeschäft in vielen Regionen der Welt belasten. „Zugleich drängen extrem finanzstarke Wettbewerber aus der IT- und Softwarebranche in den Automobilsektor ein und forcieren neue Trends“, so Rosik weiter. Obwohl Volkswagen durch den Diesel-Skandal schwer belastet sei, müsse das Unternehmen im Wettrennen mit den neuen Wettbewerbern enorme Mittel in Digitalisierung und E-Mobilität investieren. „Diese müssen wir erwirtschaften können“, betonte Rosik. „Ein maßvoller Abschluss ist deshalb wichtiger denn je.“

Rosik warnte vor „asiatischen Herstellern“, die Autos in Fernost und Europa bauen und „aggressiv auf den Markt drängen“. Laut Rosik „geht es darum, Arbeitsplätze in Deutschland zu sichern. Damit haben wir nur Erfolg, wenn wir gemeinsam mit der Arbeitnehmerseite die richtigen Lösungen dafür finden, die Kosten im Griff zu halten“.

Konfrontation

ein Kommentar von Florian Heintz

Tarifverhandlungen laufen nach eingespielten Ritualen ab. Beim ersten Treffen warnen die Arbeitgeber vor der schwierigen wirtschaftlichen Lage. Von der Gewerkschaft heißt es dann, die Lage sei gut, eine Gehaltserhöhung für die Binnenkonjunktur wichtig.

So ähnlich war es auch heute bei der VW-Tarifrunde. Und doch sind die Vorzeichen dieses Mal andere. VW steht unter erheblichem Sparzwang. Die Arbeitnehmerseite dagegen hat klar gemacht, dass die Abgas-Affäre kein Argument für Einschnitte bei der Belegschaft ist. Nicht einfacher werden die Verhandlungen dadurch, dass sich die Vorstände jüngst nicht zu einem echten Verzicht bei den eigenen Boni – und somit zu einem symbolischen Zeichen in der Krise – durchringen konnten.

Jenseits der üblichen Verhandlungs-Rituale stehen die Zeichen bei VW auf Konfrontation.

+++ Dieser Artikel wurde aktualisiert +++

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