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Abgas-Affäre hinterlässt tiefe Spuren in Konzernbilanz

Volkswagen Abgas-Affäre hinterlässt tiefe Spuren in Konzernbilanz

Wolfsburg. Volkswagen handelt sich im Abgas-Skandal den nächsten heftigen Gewinneinbruch ein. Unterm Strich sackte das Ergebnis zwischen Januar und Ende März um rund ein Fünftel ab, wie der Konzern gestern mitteilte. Die Marke VW-Pkw konnte nur noch knapp den Sturz in die roten Zahlen vermeiden.

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Die Abgas-Affäre belastet den VW-Konzern weiter. Auch im neuen Jahr drücken die Folgen der weltweiten Diesel-Manipulationen auf den Gewinn. Allein die Anwälte verschlingen hunderte Millionen Euro.

Quelle: dpa

Wolfsburg. Im vergangenen Jahr hatten Milliarden-Rückstellungen für den größten Verlust der Konzerngeschichte gesorgt. Im ersten Quartal lag der Gewinn für die Aktionäre wieder bei 2,3 Milliarden Euro, aber damit noch immer deutlich unter dem Niveau des Vorjahres (2015: 2,9 Milliarden Euro; minus 19,3 Prozent). Die Verkaufszahlen in den ersten drei Monaten gingen leicht um 1,2 Prozent auf knapp 2,6 Millionen Fahrzeuge zurück. Der Umsatz sank um 3,4 Prozent auf knapp 51 Milliarden Euro.

VW-Konzernchef Matthias Müller zeigte sich vorsichtig zufrieden: „Es ist uns auch im ersten Quartal gelungen, die wirtschaftlichen Auswirkungen der Dieselthematik in Grenzen zu halten und unter schwierigen Bedingungen respektable Ergebnisse zu erwirtschaften.“

VW versuchte mit hohen Rabatten, die Verkäufe trotz Diesel-Skandals stabil zu halten. Die Vertriebskosten stiegen zu Jahresbeginn aber bei weitem nicht mehr so stark wie direkt nach Bekanntwerden der Manipulationen. Ursprünglich hatte der Konzern sogar noch mit rund 100 Millionen Euro mehr Anreizen kalkuliert, er schöpfte diesen Puffer aber nicht komplett aus.

Auch die Währungskurse spielten VW in die Karten: Sondereffekte sorgten dafür, dass der Gewinn vor Zinsen und Steuern sogar leicht um 112 Millionen auf 3,4 Milliarden Euro kletterte. Andererseits zeigt ein weiterer Posten, wie präsent die Abgas-Affäre in den Büchern bleibt: Für künftige Anwaltskosten legte Volkswagen im ersten Quartal 200 Millionen Euro mehr zurück.

Ein hartnäckiges Problem bleibt die Ertragsschwäche der Kernmarke mit dem VW-Logo.

VW-Belegschaft im Inland ist gesunken

Nach Jahren des stetigen Belegschafts-Aufbaus ist der Jobmotor beim VW-Konzern hierzulande in den Rückwärtsgang gewechselt. Im Vergleich mit dem Jahreswechsel Ende 2015 sank die Zahl der Mitarbeiter zum Stichtag 31. März um rund 800 Stellen auf 277.900. Dieser Rückgang binnen drei Monaten entspreche einem Minus von 0,3 Prozent. Im Ausland lief der Aufbau dagegen weiter: 1,1 Prozent Plus hoben die Mitarbeiterzahl außerhalb Deutschlands um fast 4000 Stellen auf 335.200 Jobs. In Summe steht damit ein leichtes Plus von 0,5 Prozent.

Noch keine Entscheidung hat VW zum Bau einer eigenen Batteriefabrik getroffen. Dies sei aber eine denkbare Möglichkeit, sagte Finanzvorstand Frank Witter gestern. Wie die Deutsche Presse-Agentur aus Konzernkreisen erfahren hatte, könnte ein Werk zur Fertigung von Batteriezellen bis zu zehn Milliarden Euro kosten. Ein möglicher Standort sei Salzgitter.

VW will auch als Folge des Abgas-Skandals die Elektromobilität massiv ausbauen. Batteriezellen gelten als Schlüssel für den Durchbruch von E-Autos, weil sie bislang die Reichweite begrenzen und die Fahrzeuge teuer machen. Deutschland droht aber hier abhängig vor allem von asiatischen Herstellern zu werden. Arbeitnehmervertreter befürchten außerdem Arbeitsplatzverluste in Fabriken, in denen Komponenten gebaut werden, die im E-Auto-Zeitalter nicht mehr gebraucht werden.

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