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VW-Kernmarke wieder mit schwachem Betriebsergebnis

Konzern schafft trotzdem satten Gewinn VW-Kernmarke wieder mit schwachem Betriebsergebnis

Die gewinnschwache Kernmarke bleibt das Sorgenkind von Volkswagen. Vor allem dank ertragreicherer Töchter wie Porsche und Audi gelang dem Konzern im vergangenen Jahr insgesamt wieder ein satter Gewinn - während die Autos mit dem VW-Logo noch weniger Ergebnis abwarfen als 2015.

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VW-Chef Matthias Müller:  „Das vergangene Jahr war ein anspruchsvolles, aber dennoch ein bemerkenswert erfolgreiches Jahr für uns."

Quelle: dpa

Wolfsburg. Die Folgen der Dieselkrise schlugen sich bei den Wolfsburger zudem erneut mit hohen Kosten für Rechtsstreitigkeiten oder Vermarktung nieder. Auch ohne Betrachtung solcher Faktoren ging das Betriebsergebnis der Marke um Golf, Passat und Tiguan 2016 um 11,1 Prozent auf rund 1,9 Milliarden Euro zurück, wie VW am Dienstag am Stammsitz Wolfsburg bekanntgab. Der Umsatz schrumpfte leicht um 0,6 Prozent auf 105,7 Milliarden Euro.

Müller: Bemerkenswert erfolgreiches Jahr

VW-Chef Matthias Müller wertete die Zahlen positiv: „Das vergangene Jahr war ein anspruchsvolles, aber dennoch ein bemerkenswert erfolgreiches Jahr für uns. Wir haben 2016 die Weichen gestellt für die größte Transformation in der Geschichte dieses Unternehmens – und dabei operativ besser abgeschnitten als viele uns das zugetraut hätten. Volkswagen ist wieder auf dem richtigen Weg“, sagte Müller.

Die Jahrespressekonferenz bei Volkswagen fand am Dienstag in der Autostadt statt.

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Frank Witter, Konzernvorstand für Finanzen und Controlling, betonte: „Das Ergebnis verdeutlicht, dass der Konzern finanziell gerüstet ist, die Folgen der Dieselkrise zu tragen. Im Jahr 2016 haben alle Marken mit einem positiven Operativen Ergebnis zum Erfolg des Volkswagen Konzern beigetragen.“

"Werden führender Anbieter für nachhaltige Mobilität sein"

Konzernchef Müller bekräftigte den Anspruch des Konzerns, die Auto-Mobilität der Zukunft maßgeblich mitzugestalten. „Volkswagen wird auch im Jahr 2025 einer der erfolgreichsten Autohersteller weltweit sein. Aber wir werden dann auch einer der weltweit führenden Anbieter nachhaltiger Mobilität sein und Standards bei neuen Mobilitätsdiensten setzen. Mindestens so wichtig ist uns: Wir werden ein Vorbild bei Umwelt, Sicherheit und Integrität sein“, so Müller.

Mit dem im November 2016 beschlossenen Umbauprogramm "Zukunftspakt", das derzeit voll anläuft, will der Konzern seine Hauptmarke rentabler machen. Die jährlichen Kosten sollen so bis 2020 um rund 3,7 Milliarden Euro sinken. Vorgesehen sind in den nächsten Jahren auch bis zu 30 000 Stellenstreichungen - allerdings ohne betriebsbedingte Kündigungen. VW-Chef Matthias Müller sagte, der Pakt sei zusammen mit der neuen Strategie 2025 "das Fundament für eine kraftvolle Neuausrichtung unserer Kernmarke".

In Deutschland 1,5 Millionen Fahrzeuge umgerüstet

Das vorige Jahr sei noch stark von der Bewältigung des Abgas-Skandals geprägt gewesen. Die im September 2015 eingeräumten Manipulationen bei Emissionstests hatten VW in eine tiefe Krise gestürzt. "Aber: Wir haben gegengehalten und trotz allem eine neue Bestleistung im operativen Geschäft abgeliefert", meinte Müller zu den Gesamtzahlen. Der Rückruf der weltweit über 11 Millionen betroffenen Wagen quer durch die Marken nehme weiter Fahrt auf: "Allein in Deutschland haben wir inzwischen mehr als 1,5 Millionen Konzernfahrzeuge umgerüstet, weltweit sind es bereits 4 Millionen." Der Vorstandschef bekräftigte das Ziel, bis Ende 2017 alle Autos "in Ordnung zu bringen".

Die Zahlen des Gesamtkonzerns sind bereits seit Ende Februar bekannt. Der Umsatz der VW-Gruppe stieg 2016 um knapp 2 Prozent auf 217,3 Milliarden Euro, unterm Strich betrug der Gewinn 5,1 Milliarden Euro - nach einem Milliardenverlust ein Jahr zuvor. Beim Absatz wurde der Rivale Toyota überholt, 10,39 Millionen Verkäufe bedeuteten Rang 1.

Bei der sonstigen Ertragsperle Audi machten sich zuletzt der harte Wettbewerb und hohe Kosten für neue Technologien bemerkbar. Sie drückten den Gewinn im laufenden Geschäft - noch vor Sondereinflüssen vor allem aus der Dieselkrise - um 5,6 Prozent auf 4,8 Milliarden Euro. Erfolgreicher war Porsche: Der Sport- und Geländewagenbauer fuhr operativ ein Plus von 13,9 Prozent auf 3,9 Milliarden Euro ein.

Klares Bekenntnis zum Standort USA

Inmitten der Diskussionen um eine stärker abgeschottete US-Handelspolitik gab Müller ein klares Bekenntnis zu den Standorten des Autobauers in den Vereinigten Staaten ab. Das Land bleibe - trotz der dort zuerst bekanntgewordenen Dieselkrise - ein "strategischer Kernmarkt" sowohl für den VW-Gesamtkonzern als auch für die Hauptmarke VW Pkw. "Wir stehen zu unseren Investitions- und Standortentscheidungen und wollen langfristig in den USA eine deutlich größere Rolle spielen als heute", sagte der Manager am Dienstag in Wolfsburg. Vor allem die Töchter Porsche und Audi seien dort erfolgreich. Der neue US-Präsident Donald Trump hatte bei einheimischen und ausländischen Autobauern zuletzt große Sorgen wegen möglicher Strafzölle ausgelöst.

dpa/red