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VW-China-Chef: „Wir könnten aktuell sogar noch mehr Autos verkaufen!“

Vokswagen VW-China-Chef: „Wir könnten aktuell sogar noch mehr Autos verkaufen!“

Jochem Heizmann (61) verantwortet seit September 2012 als Mitglied des Volkswagen-Konzernvorstands das neue Vorstandsressort „China“. Auf dem wichtigsten Einzelmarkt verkaufte die Marke VW-Pkw von Januar bis September 1,79 Millionen Autos – 41 Prozent des weltweiten Absatzes. Die WAZ sprach mit Heizmann über aktuelle Entwicklungen in China.

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Konzern-Vorstand Jochem Heizmann: „Wir diskutieren gerade darüber, die neue GTI-Generation auch in China lokal zu bauen“

Quelle: Archiv

WAZ: Herr Heizmann, der Wirtschaftsriese China scheint momentan etwas zu wanken. Wie reagiert Volkswagen in China auf die aktuellen Entwicklungen?

Heizmann: Die chinesische Wirtschaft ist weiterhin sehr stabil. Nach riesigen Wachstumssprüngen normalisiert sie sich derzeit nur. Für die nächsten drei Jahre gehen wir davon aus, dass der Gesamtmarkt um durchschnittlich fünf bis sieben Prozent wächst. Der Markt entwickelt sich in den ersten acht Monaten mit einem Plus von 16 Prozent deutlich stärker, als wir erwartet haben. Volkswagen wuchs sogar um rund 18 Prozent.

WAZ: China wird immer mehr zu einem massiven Pfeiler für Volkswagens Ziel bis 2018 Weltmarktführer zu sein. Wie steht es mit der Auslastung der aktuellen Werke im Reich der Mitte?

Heizmann: Wir sind mehr als ausgelastet. Wir haben im vergangenen Jahr über 2,8 Millionen Fahrzeuge in China verkauft - davon rund 2,6 Millionen aus lokaler Produktion. Im Schnitt arbeiten wir pro Jahr an 300 Arbeitstagen. Wir haben eher Kapazitätsengpässe. Insbesondere bei Motoren und Komponenten. Unser Ziel ist es, durch neue Werke und mehr Kapazitätsaufbau rund 250 Arbeitstage pro Jahr zu erreichen, um eine höhere Flexibilität zu gewinnen. Klar ist: Wir könnten aktuell sogar noch mehr Fahrzeuge verkaufen, wenn wir höhere Kapazitäten hätten. Bis zum Jahr 2018 planen wir eine Kapazität von vier Millionen Fahrzeugen in China.

WAZ: Welche Rolle spielen deutsche Mitarbeiter - speziell aus Wolfsburg - beim Aufbau neuer Standorte?

Heizmann: Wir haben bei jedem Anlauf in China eine Mannschaft aus Deutschland im Einsatz. Alle relevanten Fachbereiche sind dort vertreten, um die neuen Belegschaften zu trainieren und ihre Erfahrungen weiterzugeben. In Foshan wird unter anderem der Golf produziert werden. Darum gibt es eine enge Zusammenarbeit mit dem Werk Wolfsburg. Die Vorbereitung war ausgezeichnet.

WAZ: Ist ein „Drehscheibenkonzept“ - ähnlich wie in Deutschland mit den Werken Emden/Zwickau/Wolfsburg für China sinnvoll?

Heizmann: Aus Flexibilitätsgründen ist das Drehscheibenkonzept durchaus wünschenswert. Wir setzen es daher auch in China um, wo es sinnvoll ist. Bei Shanghai Volkswagen (SVW) lässt es sich etwa sehr leicht realisieren, weil wir viele Werke in der gleichen Region haben. Bei FAW-Volkswagen ist es schwieriger, weil die Standorte sehr weit auseinanderliegen. Zwischen Changchun und Foshan liegen riesige Entfernungen.

WAZ: Werden Sie ihre führende Marktposition von derzeit mehr als 20 Prozent Anteil in China weiter ausbauen können?

Heizmann: Unser erklärtes Ziel bleibt, auch 2013 und in den kommenden Jahren mindestens so stark zu wachsen wie der Markt und unseren Marktanteil zu halten. Es steht aber mindestens ebenso im Fokus, durch weitere Innovationen zu überzeugen und den von Volkswagen bekannten umweltfreundlichen Ansatz auch in China umzusetzen. Denn wir wollen unsere Verantwortung in der Gesellschaft wahrnehmen.

WAZ: Wird aus China vielleicht bald mehr als „nur“ die zweite Heimat des Konzerns und besteht dadurch die Gefahr, dass das krisengeschüttelte Europa bei Entscheidungen über Investitionen und neue Produkte hinten anstehen muss?

Heizmann: Nein, das sehe ich nicht so. Wir haben 2012 rund 90.000 Fahrzeuge, 25.000 Motoren, 400.000 Getriebe und eine große Zahl von Einzelkomponenten direkt aus Deutschland nach China exportiert. Hier schaffen und sichern wir durch unser Engagement in China auch Arbeitsplätze in Deutschland und Europa. So kommt durch weiteres Wachstum in China auch Wachstum in Deutschland zu Stande.

WAZ: Welche Rolle spielt der Golf für China?

Heizmann: Der Golf steht für die Marke Volkswagen, wie kaum ein anderes Modell - und das weltweit. So hat er auch in China eine große Bedeutung und ist erfolgreich. Der GTI ist hier besonders prägend. Wir diskutieren gerade darüber, die neue GTI-Generation auch in China lokal zu bauen. Seine große Bedeutung wird der Golf in China weiter ausbauen.

WAZ: Ist es denkbar, dass Golf-Kontingente künftig kostengünstiger in China, anstatt in Wolfsburg gebaut werden?

Heizmann: Nein, da haben wir eine ganz klare Linie. Es gibt überhaupt keinen Bedarf dafür. Unsere chinesische Produktion dient dazu, die Bedürfnisse unserer Kunden in China zu erfüllen. Es gibt keinerlei Pläne, daran etwas zu ändern.

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